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In der Hauptstraße sind immer Passanten unterwegs. Es könnten freilich noch ein paar mehr sein. Die Kurstadt und ihre Gewerbetreibenden arbeiten daran.

Handel in der Innenstadt

Branchen-Mix in Königsteiner Innenstadt sorgt für Zufriedenheit

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Der Chef der Königsteiner Händler, Martin Neubeck, sieht die Königsteiner Innenstadt auf einem guten Weg. Doch noch gibt es einige Stellschrauben, an denen gedreht werden kann.

Vor der Sommerpause stellte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) erste Ideen für die Innenstadtgestaltung – vor allem die Gestaltung rund um den Kapuzinerplatz – im Fachausschuss vor. Dabei ging es unter anderem um die Neuordnung der Parkplätze und das Abstellen der Linienbusse in den Pausenzeiten. Klar ist, die Ecke könnte in jedem Falle ein Verschönerungskur vertragen.

Doch wir wollten auch wissen, ob es tief greifendere Probleme gibt, schließlich wurde zu Beginn des Jahres im Bürgermeisterwahlkampf die Situation in der hinteren Hauptstraße bemängelt. Dort steht zurzeit ein Geschäft leer. Ein Zustand, den Martin Neubeck, Vorsitzender des Vereins Handwerk und Gewerbe in Königstein (HGK), „super“ nennt. Nur ein einziger Leerstand – das sei für die hintere Hauptstraße eine gute Nachricht. Dort gebe es inzwischen eine Entwicklung weg vom Einzelhandel hin zur Dienstleistung. Zudem fehle die Traditionsbäckerei Emil Hees an der Ecke Hauptstraße/Kirchstraße als Publikumsmagnet.

Das größte Problem für den örtlichen Einzelhandel sei indes, dass viele Königsteiner gar nicht wüssten, dass sie fast alles in Königstein einkaufen könnten. Verkaufsoffene Sonntage mit Begleitprogramm seien eine Möglichkeit, das Angebot in der Bevölkerung bekannter zu machen. Im nächsten Jahr wird, so hofft Neubeck, dann auch das elektronische Display am Eingang zur Fußgängerzone als weitere Werbemaßnahme kommen. Für den HGK-Vorsitzenden stimmt der Branchenmix in Königsteins Zentrum „fast“. Um das Angebot zu komplettieren, fehlten lediglich ein Sportgeschäft und ein Metzger.

Eine Zufallsumfrage bei Passanten in der Hauptstraße fördert dagegen ein recht uneinheitliches Bild zutage. Die 42 Jahre alte Mutter von vier Kindern, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, fährt nach Frankfurt oder ins Main-Taunus-Zentrum, wenn sie Kleidung für die Familie zum erschwinglichen Preis sucht. Bei den Boutiquen in Königstein winkt sie ab. Das sei ihr in der Kurstadt zu hochpreisig. Außerdem wünscht sie sich einen weiteren Drogeriemarkt in der Stadt.

Heide Böhning hat weder ein Auto, noch kauft sie im Internet ein. In Königstein finde sie alles, was sie braucht: „Ich kann hier nicht verhungern.“

Carlo Eisenmann ist ein Königstein-Fan. Der junge Familienvater kommt gerne mit seiner Frau und seinen Zwillingen aus Bad Soden in die Kurstadt. „Alles ist gut zugänglich und ich hatte noch nie Probleme, einen Parkplatz zu finden“, sagt er. Vom italienischen Feinkostladen bis zum Herrenausstatter, vom Blumengeschäft bis zum Bio-Supermarkt sei alles vorhanden. Und Eisdielen gebe es auch. „Ich war super überrascht, dass Königstein so vielfältig ist. Und wenn man genug vom Trubel hat, geht man direkt in den Park oder in das Woogtal“, sagt der Bad Sodener. Nur wenn er es eilig hat, dann fahre er ins MTZ. Doch in der Regel sei ihm das zu voll.

Dass HGK-Chef Neubeck sich zum Standort Königstein bekennt, versteht sich von selbst: „Ich kaufe meine Kleidung hier. Und ein Markenhemd ist in Königstein nicht teurer als in Einkaufszentren.“

Wie sich die Attraktivität Königsteins steigern lässt, auch darum wird es laut Neubeck bei der Jahreshauptversammlung des HGK am Donnerstag, 16. August, gehen. Dann muss auch ein neuer Vorstand gewählt werden. Ein Grund: Schriftführer Winfried Gann will sich verstärkt dem Programm „Inge plus“ widmen und seinen Posten im HGK aufgeben.

Laut Gann geht es dabei um die Zusammenarbeit mit Hausbesitzern und den Werterhalt der Immobilien. Für die Initialisierung stehen 40 000 Euro bereit. Schwerpunkte sind für Gann in der Anfangsphase Marketing und Sauberkeit, dazu zählt für ihn auch die rasche Entfernung von Graffiti. Ihm schwebt ein „Kümmerer“ vor, der täglich ein bis zwei Stunden unterwegs ist, um zu schauen ob die Papierkörbe und Mülltonnen geleert sind, ob es Missstände oder Beschwerden gibt.

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