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Zeigen, wo man steht: Darum ging es den Demonstrierenden vor dem ?Haus der Begegnung? in Königstein.

Proteste

Breites Bündnis gegen Rechts

Mit verschiedenen Aktionen haben am Dienstagabend vor und im Haus der Begegnung rund 200 Menschen friedlich und bunt gegen die AfD Stellung bezogen, die dort parallel zur öffentlichen Sitzung des Ausländerbeirates eine eigene Vortrags-Veranstaltung hatte.

„Wir wollen für die Vielfalt in Königstein demonstrieren und gegen den geistigen Rückschritt“. So wie Hans Jürgen Berthold hatten sich rund 200 Menschen aus Königstein und Umgebung entschieden, am Dienstagabend zum Haus der Begegnung (HdB) zu kommen. Dorthin hatte das parteiübergreifende „Bündnis für Vielfalt und Toleranz“ eingeladen, um mit verschiedenen Aktionen gegen die AfD zu protestieren, die dort parallel zur öffentlichen Sitzung des Ausländerbeirates eine Veranstaltung hatte.

Mit bunten Bannern und Stellwänden machten die Demonstrierenden deutlich, worum es ihnen ging: „Aufstehen gegen Rassisten“ und „Für Akzeptanz und Vielfalt“. Dabei haben die Ereignisse in Chemnitz etliche veranlasst zu kommen. Hier sei eine Linie überschritten worden, war immer wieder zu hören.

Hauptaktion der Veranstaltung war der Besuch der öffentlichen Sitzung des Ausländerbeirates. Sie wurde kurzfristig wegen des Zulaufs an Zuhörern in den großen Saal verlegt. In seinem Grußwort betonte Stadtverordnetenvorsteher Alexander Freiherr von Bethmann (FDP): „Wir haben die offenste und freiheitlichste Gesellschaft, die es je auf deutschem Boden gab“, diese gelte es mit legalen Mitteln zu verteidigen.

Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) schloss sich dem an und würdigte den Ausländerbeirat für seine langjährige herausragende Arbeit in Sachen Integration. „Wir stehen gemeinsam zu unseren Freunden aus aller Welt“, so Helm.

Wie der Ausländerbeirat in der Stadt aktiv war und ist, davon konnten sich die Besucher in einer Bilanz der vergangenen 20 Jahre gleich selbst überzeugen. Berichte zu Sprachkursen gehören ebenso dazu wie die Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl. „Als Ansprechpartner unterstützen wir ausländische Menschen beim Aufbau von Netzwerken und damit bei der erfolgreichen Integration“, beschrieb die Vorsitzende des Ausländerbeirates Maryam Javaherian die Arbeit des Gremiums.

Auf eine sehr befremdliche Art wurden die Bekenntnisse für eine offene Gesellschaft von einer Begegnung mit AfD-Anhängern kontrastiert, von denen zwei Protestteilnehmerinnen berichteten: Mit Blick auf die Demonstrierenden sei aus einer Dreiergruppe folgendes zu hören gewesen: „Guckt Euch die doch mal an, die sind sowieso bald alle tot.“ Was muss in diesen Menschen vorgehen, fragte sich eine der Zeuginnen sehr nachdenklich.

Der Umgang mit der AfD wurde bei einer spontanen Meinungsrunde vor dem HdB thematisiert. Man war sich einig, dass hier klare Worte gefunden werden müssten. „Denn die AfD untergräbt Rechtsstaat und Demokratie. Deshalb gilt es Farbe zu bekennen“, so SPD-Vorstandsmitglied Christian Schönwiesner.

Das hätte der vor kurzem verstorbene Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) Robert Rohr genauso gesehen. „Diese Veranstaltung wäre in seinem Sinne“, so die ALK-Co-Fraktionsvorsitzende Nadja Majchrzak Sie erinnerte auch daran, dass Rohr vor einigen Jahren maßgeblich an Protesten gegen die NPD beteiligt war.

Dass Bücher in diesem Sinne für Ordnung im Kopf sorgen können, machte Dr. Michael Hesse mit seinem literarischen Vortrag deutlich: „Wir brauchen Bücher, denn sie können uns vor Gefahren warnen und zeigen, wie wir es besser machen können.“ Dabei schlug Hesse einen Bogen von Schillers Don Carlos über die Affaire Dreyfuss und Max Frischs Buch „Biedermann und Brandstifter“ bis hin zu Steven King, bei dem es oft um die Angst vor dem Unbekannten geht. Bücher, so Hesse, könnten dabei helfen, sich seiner Werte bewusst zu werden ohne die Freiheit aus den Augen zu verlieren.

Die will auch das Bündnis im Blick behalten. Nach der guten Resonanz bei den Königsteiner Bürgern am Dienstagabend, sei es nun wichtig, diesen Protest „als Appell für die Zukunft zu sehen“, so Juso-Sprecher Felix Lupp. Jetzt gehe es darum, „sich weiter einzumischen und zu Wort zu melden.“

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