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Die Backstube hat er mittlerweile gegen die Ladentheke als Arbeitsplatz eingetauscht. Paul Kiefer im Café Kreiner, in dem er seit 50 Jahren tätig ist.

Jubiläum

Das Café Kreiner ist seit 50 Jahren Paul Kiefers Arbeitsplatz

Ein halbes Jahrhundert an ein und demselben Ort zu arbeiten – das scheint heutzutage fast unmöglich. Konditormeister Paul Kiefer hat’s geschafft – im Café Kreiner. Aber das ist ja schließlich auch nicht irgendein Café, sondern eine weit über Königstein hinaus bekannte Institution. Aus gutem Grund.

Eine ist ansprechender als die andere. Beim Schönheitswettbewerb würden sie alle Bestnoten bekommen. Und wer an den Geschmack all dieser hübschen Köstlichkeiten denkt, die da in der Theke des Cafés Kreiner stehen, dem läuft das Wasser im Munde zusammen. Rund 20 verschiedene Torten sind an einem ganz normalen Werktag im Angebot, dazu zehn Sorten Kuchen, verschiedenes Dauergebäck und nicht zu vergessen: Teegebäck und Pralinen in riesiger Auswahl: „Unser Angebot an Pralinen umfasst etwa 70 Sorten, beim Teegebäck sind es 50, wir backen immer durchgängig von 5 bis 15.30 Uhr“, erklärt Paul Kiefer, wie eine solche Vielfalt zu schaffen ist.

Seit 50 Jahren sind die Backstube und das Café am Eingang der Fußgängerzone sein Arbeitsplatz, darunter war er 18 Jahre lang Chef, vor zwei Jahren hat er den Betrieb an seinen Sohn Dirk übergeben. Zu seinem Dienstjubiläum hat er viel Lob und Anerkennung erfahren, sämtliche Königsteiner Geschäftsleute gratulierten ihm, nicht zuletzt würdigte ihn der Königsteiner Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), der das Konditorei-Café als „eines der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt und der Region“ bezeichnete.

Dabei hat Kiefer seine Karriere im Kreiner gar nicht geplant. Als er nach der Ausbildung in der Konditorei seines Schwagers in Saarbrücken eine Stelle suchte, war Königstein neben München und dem Tegernsee nur eine Option. „Mir hat es hier oben aber gleich gut gefallen.“ So entschied er sich, bei Kurt Kreiner anzufangen, und er blieb: „Die Qualität hat mich überzeugt, die Kunden an der Theke waren immer voll des Lobes, und das Publikum war gut“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: „An Sonntagen hätte man hier Vorstandssitzungen von großen Banken abhalten können.“ Auch namhafte Persönlichkeiten wie Eugen Kogon gehörten zu den Stammkunden.

Kiefer lernte in Königstein seine Frau Josefa kennen, seine beiden Sohne Jörg und Dirk kamen zur Welt. Dass er 1998 vom Mitarbeiter zum Chef wurde (siehe Info-Text), habe er nicht geplant: „Ich wollte mich nie selbständig machen, mir ging es als Angestellter gut.“ Dass er sich dennoch entschied, den Betrieb zu übernehmen, sei auch seinem Sohn Dirk zu verdanken. Denn der habe damals zugesagt, mit einzusteigen. „Vor zwei Jahren ist mein Sohn mein Chef geworden.“ Die Rollen seien klar verteilt, auch wenn er weiterhin tagein, tagaus arbeite. Mittlerweile fange er aber nicht mehr um 5 Uhr an, sondern erst um 8 Uhr, und er stehe häufig hinter der Theke statt in der Backstube und bediene die Kunden, die aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern r kämen. Morgens sei er viel unterwegs und liefere aus. Vieles werde zudem verschickt. „Wir bringen fast täglich Torten zur Post“, erzählt Kiefer. „Unsere Zitronentorte ging schon mal dreistöckig nach Kanada.“ Sie ist eine Spezialität der Konditorei. Ebenso die Kirsch-, Erdbeer- und Himbeertörtchen oder der täglich frische Baumkuchen.

In der Backstube arbeiten Meister ihres Fachs. „Wir sind zu zehnt – inklusive meinem Sohn und mir sechs Meister sowie vier Gesellen. Insgesamt haben wir 20 Mitarbeiter“, sagt Kiefer. Qualität habe Priorität. So käme es nie in Frage, mit Fertigprodukten zu arbeiten. „Wir nutzen keine Essenzen oder Aromen, die Chemie hat bei uns keinen Platz.“ Seine Firma arbeite schon seit langem mit denselben Lieferanten zusammen. Bio-Produkte seien dabei bisher kein Thema.

Kiefer selbst genießt auch nach 50 Jahren noch Süßes. „Wenn etwas fein ist, kann man es immer essen“, sagt der Konditor. Seine Lieblingstorte ist die Flocken-Sahne. Seine Frau, die hinter der Theke mitarbeitete, ist mittlerweile in Rente. Er selbst will noch nicht ans Aufhören denken: „Man kann mich mit Arbeitsentzug bestrafen.“

Für einige Gäste sei das Café im Wiener Caféhaus-Stil ein zweites Wohnzimmer. Er kennt die allermeisten, die dort Platz nehmen oder sich an der Theke mit süßen Köstlichkeiten versorgen: „70 Prozent sind Stammkunden, und das oft schon in mehreren Generationen.“ Eine größere Bestätigung dafür, dass Qualität und Angebot stimmen, kann es für Paul Kiefer und seinen Sohn Dirk wohl kaum geben.

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