Geländegängige Rasenmäher

Das Comeback der Burghain-Böcke

Sie sind zurück und sie haben so richtig Bock auf das junge Grün im Schatten der Burg. Die Rede ist von den Ziegenböcken vom Usinger Talhof, die bereits zum zweiten Mal als „Burgpfleger“ in Königstein in den Einsatz gehen.

Wo die hinlangen, wächst kein Gras mehr – zumindest vorerst nicht. Die 16 Jungs sind echte „Profis“, davon ist Königsteins Stadträtin und Gründezernentin Gabriela Terhorst (ALK) absolut überzeugt. Schließlich hat das Gros der Ziegenböcke vom Usinger Talhof schon einmal im Königsteiner Burghain „gearbeitet“. Und das zur absoluten Zufriedenheit des Magistrats.

Zumindest liest sich das so im Arbeitszeugnis, das ihnen Terhorst nach ihrem ersten Einsatz ausstellt: „Was sich ihnen an Grün in den Weg stellte, wurde vernichtet. Das Ergebnis nach zwei Wochen konnte sich wirklich sehen lassen.“ Genau deshalb feiern die Hornträger jetzt auch für weitere Wochen ihr Comeback im Burghain. Ihr Auftrag: Sie sollen insbesondere dem Aufwuchs von kleineren Bäumen Einhalt gebieten. Terhorst: „Dabei schälen sie vorhandene Jungbäume, die einen sehr geringen Umfang haben. Da schmeckt die Rinde noch besonders gut.“

Ein weiterer Vorteil der geländegängigen Rasenmäher sei, dass sie auch Flächen im Gelände erreichen, die für Mensch und Maschine gar nicht oder nur mit erheblichem Aufwand zu erreichen sind. Außerdem sind die Jungs im Unterschied zu ihren weiblichen Pendants weder zickig noch bockig. Sie mögen es – Kerle eben – eher tiefenentspannt und sind schon zufrieden, wenn sie ausreichend zu essen vor der Nase haben. „Daher sind sie vor der Burg wegen des Publikumsverkehrs geeigneter“, betont die Gründezernentin.

Der Einsatz der mit Fell ummantelten Gärtner steht wie beim ersten Mal im direkten Zusammenhang mit der Erstellung eines Burgpflegewerks, das die Belange von Denkmal- und Umweltschutz in Einklang bringen soll.

Eine Herangehensweise, die bundesweit Schule machen könnte und deshalb auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) über drei Jahre finanziell unterstützt wird. Projektleiter Dr. Gerd Strickhausen vom gleichnamigen Burgenbüro Strickhausen konzentriert sich bei der Erstellung des Konzepts dabei besonders auf die dem Wetter stark ausgesetzten Mauerkronen.

Damit seine Mitarbeiter auch alles haben, was sie brauchen, wird Chef Jörg George vom Talhof in Usingen täglich nach ihnen sehen. Übrigens: Ähnlich wie die Burg sind auch die robusten Böcke besonders schützens- und erhaltenswert. Als Vertreter der Gattung Thüringer Waldziege gehören sie immer noch zu den bedrohten Haustierrassen und stehen auf der roten Liste.

Terhorst: „Den Hundebesitzern sei noch ein kleiner Rat mit auf den Gassigang gegeben, der Zaun sieht nicht nur nach Elektro aus, es ist auch Elektro drin. Es ist also Vorsicht beim Näherkommen geboten.“

Im Königsteiner Magistrat reifen derweil sogar schon dufte Ideen, die so gar nicht nach Käse klingen, aber so schmecken und riechen könnten. „Wer weiß, vielleicht gibt es bald in Königsteiner Geschäften, auf der Burg oder in der Königsteiner Stadtinformation auch einen Königsteiner Burgziegenkäse“, betont die ALK-Stadträtin in ihrer Mitteilung. Da wären zwar qua biologischer Grundausstattung die Böcke außen vor. Aber immerhin gilt der Ziegenkäse als vermutlich älteste Käsesorte der Welt. Terhorst: „Was passt also besser zu einer mittelalterlichen Burg als ein noch älterer Käse.“

Weitere Informationen

Wer mehr zu den Ziegen erfahren möchte, kann sich an Jörg George wenden oder online auf ein wenig schmökern.

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