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Mehrere Entwicklungsstufen musste der Entwurf des Rennwagens durchlaufen, bis die Konstruktion feststand.

Rennstall der St. Angela-Schule

Diese Königsteiner Schülerinnen konstruieren einen Formel-1-Wagen

Ein Formel-1-Rennstall fest in Frauenhand: St. Angela-Schülerinnen beweisen technisches und betriebswirtschaftliches Können bei einem internationalen Technologie-Wettbewerb. Am Freitag in einer Woche schlägt die Stunde der Wahrheit.

Gerade einmal 56 Gramm wiegen die drei anthrazitgrauen Boliden, die mittels Gaspatronenantrieb mit rund Tempo 70 über die 20 Meter lange Rennpiste jagen werden – die Spitzenzeiten liegen bei etwas mehr als einer Sekunde. Ins Rennen schickt sie ein fünfköpfiges Mädchenteam der St. Angela-Schule, das sich „Lightvelocity“ nennt.

Seit Ende August vergangenen Jahres arbeiten die 14- und 15-jährigen Schülerinnen am Projekt „Formula 1 in School“, einem multidisziplinären, internationalen Technologie-Wettbewerb. Unzählige Arbeitsstunden im Rahmen einer Schul-AG und in ihrer Freizeit sind in das Projekt geflossen. Ausrichter ist eine von Industrieunternehmen und Formel 1-Rennställen getragene gemeinnützige Gesellschaft, die die Begeisterung von Schülerinnen und Schülern für technische Berufe stärken will. Die Partner des rund um den Globus ausgetragenen Wettbewerbs, dessen Finale sogar eine Weltmeisterschaft ist, lesen sich wie das „Who is who“ der Formel-1-Szene: Ferrari, Mercedes Petronas, Red Bull, McLaren Honda, um nur einige zu nennen.

Noch aber fehlt der Antrieb für die kleinen Flitzer. „Den bekommen wir erst am Renntag vor Ort in Fürstenfeldbruck“, erklärt Konstrukteurin Lara Menz (15), und auch die gelben Spoiler warten noch auf die Endmontage. Nur noch wenige Tage Zeit haben die Gymnasiastinnen für den finalen Feinschliff. Neben den letzten Handgriffen an den drei baugleichen Rennautos stehen noch weitere Aufgaben als Bestandteil des Wettbewerbs an: Ein Teamstand muss vorbereitet werden, ein multimedialer Vortrag erstellt sowie eine Präsentationsmappe mit Konstruktionsunterlagen und Projektinformationen zusammengetragen werden.

Die Wettbewerbsregeln sind streng: Die baulichen Maße der Rennautos sind millimetergenau vorgegeben, eine computergestützte Konstruktion mit Hilfe eines professionellen 3D-CAD-Programms ist Pflicht (CAD steht für „Computer Added Design“ und meint die computergestützte Konstruktion von Produkten wie Bauwerken oder Fahrzeugen), der Fahrzeugkörper muss mittels elektronisch gesteuerter Fräse aus einem Holzblock herausgearbeitet werden.

Für die hochtechnologischen Produktionsprozesse haben sich die fünf Königsteiner Schülerinnen kompetente Unterstützung organisiert: Studenten und Dozenten der Frankfurter University of Applied Sciences stellten ihr Wissen, ihre Präzisionsfräse und einen 3D-Drucker zur Verfügung, mit dem die Reifen und die Spoiler entstanden sind; für die edle Lackierung in echtem Mercedes-Autolack sorgten Mitarbeiter einer Frankfurter Lackiererei.

Für die Produktion der Miniflitzer sind Konstrukteurin Lara Menz und Produktionsmanagerin Sophie Kandziorowsky zuständig, Marketingmanagerin Nicole Yoon sorgt für die Außendarstellung, Finanzmanagerin Annina Thiele warb Sponsoren an und regelt die Einnahmen- und Ausgabenplanung, Teammanagerin Franzisca Grötsch organisiert die Aufgabenverteilung, hat alle offenen Punkte im Blick und regelt das Zeitmanagement.

Dass die Schülerinnen sämtliche Aufgaben eigenständig erledigen, ist Teil des Wettbewerbs. So werden sie auch am Freitag, 24. März, dem großen Renntag, alles allein machen müssen. Lehrer und Eltern sind lediglich als Chauffeur und Aufsichtsperson zugelassen. „Wir haben exakt zwei Stunden Zeit, um unseren Teamstand aufzubauen. Keine Sekunde länger“, erklärt die Teammanagerin. Danach gilt es, die Jury mit einer Präsentation „mit Wow-Effekt“ zu überzeugen.

In die Wertung fließt am Ende die Gesamtleistung aus Konstruktion, Fertigung, Fahrzeuggeschwindigkeit, Geschäftsplan und Präsentation ein. Die Spannung, wie sich ihr Bolide im Vergleich schlagen wird, ist hoch. Die fünf Nachwuchskräfte geben sich siegessicher: „Sowohl eine Strömungssimulation als auch ein

Test im Windkanal

haben gezeigt, dass wir gut geplant und gearbeitet haben“, erklärt die Chefkonstrukteurin selbstbewusst.

Sollte das Team Lightvelocity tatsächlich hessischer Landessieger werden, geht es als Nächstes zu den Deutschen Meisterschaften Ende April nach Hamburg. Während in anderen Bundesländern mehrere Dutzend Teams an den Start gehen, haben es die Königsteinerinnen im Landesentscheid mit lediglich zwei Konkurrenz-Rennställen ihrer Altersklasse zu tun – einer davon arbeitet in St. Angela gerade einen Klassenraum weiter, denn mit „Fast and Furious“ (Katharina Müller-Jakic, Teresa Lehmann, Emily Nau, Silja Schmidt, Lisa Tilch und Hannah Valentine) schickt noch ein weiteres Mädchenteam der St. Angela-Schule einen Miniflitzer ins Formel-1-Rennen.

Mehr Infos gibt es unter . Die beiden Königsteiner Teams präsentieren sich unter teamwebsite und .

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