Diese Unternehmer wollen die Gewürzwelt revolutionieren

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Feinschmecker und Hobbyköche, die sich gerne in Delikatessenläden aufhalten oder Food Magazine lesen, haben Tomami vielleicht schon einmal probiert. Die Würze aus Tomaten hebt den Geschmack verschiedenster Gerichte. Hinter dem Produkt steckt ein Königsteiner Unternehmen.

Sechs Flaschen und sechs kleine Schälchen mit einer rotbraunen Flüssigkeit stehen in Georg Breuers Unternehmensküche in Königstein: die beiden „großen Tomami-Schwestern“ Umami und Tomate und der Nachwuchs – Toscana, Hot India, Japan und Vegami.

Wer gerne die einschlägigen Feinschmeckerzeitungen liest oder in Delikatessenläden stöbert, hat die Fläschchen mit den hübsch designten Etiketten sicher schon gesehen und sich zunächst einmal gewundert: Handelt es sich bei Tomami doch eigentlich um einen Geschmacksverstärker. Ein Wort, das in der Welt der Menschen, die gerne gut essen und kochen, nicht sehr beliebt ist. Da klingen „Konzentrat aus klarem Tomatensaft“ oder „Würze aus der Tomate“ doch gleich viel schöner. Und genau darum handelt es sich bei Tomami.

„Tomami macht Dein Essen einfach köstlich“ heißt ein Spruch, mit dem für das Produkt geworben wird. Breuer, Groß- und Außenhandelskaufmann sowie Betriebswirt, und sein Brand Manager Sebastian Börtlein, zuständig für Marketing und Vertrieb, reden aber auch von dem „Lecker-Moment“ bei Tomami – ein aus den beiden Wörtern Tomate und Umami gebildeter Name. Umami (japanisch: köstlich) ist der dafür heute gerne verwendete Begriff, der Geschmackstiefe und -dichte bezeichnet, in Tomaten reichlich enthalten ist und den Geschmack von Speisen hebt. Viele sprechen bei Umami aber auch von dem (vollmundigen und fleischigen) fünften Geschmackssinn – neben den bislang bekannten Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig und bitter, die Menschen mit ihrer Zunge schmecken können.

„Tomami schmeckt nicht vor, es rundet ab“, sagt der 63-Jährige. Diese Erklärungen machen Lust auf einen Test, doch probiert wird erst später. Georg Breuer, ein sympathischer, gut gelaunter und offener Mensch, erzählt von dem Besuch eines befreundeten englischen Unternehmers in seiner Firma „Food Ingredients“ (Lesen Sie dazu weiteren Text auf dieser Seite). Dieser überreichte ihm vor vier Jahren ein Fläschchen mit einer aus kalifornischen Tomaten produzierten Essenz. „Probier das doch mal“, meinte er, und Breuer probierte. Und war gleich begeistert: „Ich fand es geschmacklich sensationell.“

Wieso ist da eigentlich nicht schon längst einer drauf gekommen? Breuer wunderte sich, hatte er doch selbst schon mehrfach den beim Entkernen aus den Tomaten tretenden Saft aufgefangen und damit gekocht. Trotzdem: Obwohl die Idee eigentlich nahe liegend ist, ist das Produkt weltweit einmalig. Deshalb hat er auch nicht lange gezögert und seinerzeit ziemlich schnell entschieden, dafür eine eigene Firma zu gründen. Auch wenn so etwas natürlich immer mit einem gewissen Risiko und hohen Kosten verbunden und das Verfahren, bei dem die Tomaten wie bei der Weinherstellung gepresst werden (siehe Infotexte), zudem nicht ganz einfach ist. Breuer nahm noch ein paar kleinere Änderungen an dem Produkt vor, füllte ein paar Liter in kleine Fläschchen ab und reiste damit zu den sogenannten Opinion-Leadern.

Von ihnen, Köchen und Endverbrauchern, wollte er wissen, was sie davon halten. Und, nun ja, selbst Johann Lafer soll ganz aus dem Häuschen gewesen sein, als er zum ersten Mal Tomami, die Würze aus der Tomate, probiert hat. „Das war schon eine wahnsinnige Bestätigung“, erzählt Breuer, der aber nicht nur auf das Lob von Köchen Wert legte, sondern auch auf eine wissenschaftliche Beratung. Die fand er in Professor Thomas Vilgis aus Mainz, einem deutschen Physiker, der über die Aspekte des Essens forscht und ihm die Qualität der Essenz ebenfalls bestätigte.

Seit 2015 ist Tomami nun auf dem Markt. Die Verantwortlichen vom „Frischeparadies“ in Frankfurt waren ebenfalls begeistert („Her damit“) und stellten es als erste ins Regal. Feinkost-Großhändler „Bos Food“ und weitere Geschäfte folgten, Food Magazine und der „Stern“ berichteten. Obwohl danach gleich mehr als 100 Bestellungen eingingen und das Konzentrat inzwischen sogar in Kochbüchern wie „Burger Unser“ auftaucht, sagt Breuer: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“ Denn um das Produkt, das ab 10 Euro kostet und damit nicht gerade ein Schnäppchen ist, an den Mann zu bringen, muss der Händler erklären, was dahinter steckt – und das funktioniert nicht in einem normalen Supermarkt.

Trotzdem hat sich die Produktion seit dem vergangenen Jahr verdoppelt. Und nun gibt es auch noch den eingangs erwähnten Nachwuchs auf der Basis von Tomami Umami, für den der Unternehmer den „Gewürzpapst“ Ingo Holland gewinnen konnte. Ein halbes Jahr wurde verkostet, dann waren nicht nur drei länderspezifische Varianten fertig, sondern auch noch Vegami, das dank ausgewählter Würzen wie Senf, gerösteten Zwiebeln und Knoblauch einen Fleischgeschmack vermittelt.

Zum Schluss braten Börtlein und Breuer Salsiccia, italienische Würstchen. Breuer findet, dass es die besten sind, und das liegt auch an der Würze. Die Gebrüder Picchianti haben sie nämlich mit Tomami Toscana verfeinert. Breuer, ein „Foodie“, steht übrigens selbst fast jeden Abend am Herd. Auch er entdeckt die Tomaten-Essenz immer wieder neu und liebt sie: „Ich kippe sie inzwischen in alles rein.“

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