Bischof-Neumann-Schule

Eine Eins im Cha-Cha-Cha

Tanzsport steht an der Bischof-Neumann-Schule (BNS) seit 28 Jahren hoch im Kurs. Generationen von Schülern haben hier die höheren Weihen des Walzers und Jives erlernt. Mit den Schulmeisterschaften wird jetzt die diesjährige Wettkampfsaison eingeleitet.

„Musik ab und viel Erfolg“, schickt Hans-Jürgen Burger noch durchs Mikrofon. Zu flotten Cha-Cha-Cha-Klängen drehen vier Paare auf der Tanzfläche ihre Runden, streng beobachtet von zwei Wertungsrichtern des Deutschen Tanzsportverbands (DTV). Zur Abnahme des Tanzsportabzeichens in Bronze, Silber oder Gold haben sich an diesem Tag mehr als einhundert Schülerinnen und Schüler des privaten Gymnasiums angemeldet.

Neunzig Sekunden lang läuft die Musik, dann kommt schon der nächste Standard- oder Lateintanz. Immer wieder strömen weitere Paare in die Sporthalle, üben noch einmal kurz im Aufwärmbereich und betreten dann mutig die Wertungsfläche. Je nach Abzeichenfarbe müssen sie drei, vier oder fünf Tänze mit verschiedenen Figuren vorführen. Ganz den Interessen der Jugendlichen entsprechend, können dazu auch Gruppenchoreografien aus dem Modern Dance oder Hip-Hop-Tanz gehören. Als der „BNS-Funk“ an der Reihe ist, füllt sich die Tanzfläche rasch, Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen zeigen Seite an Seite und mit viel Elan die Eigenchoreografie ihrer Schule.

Wer sein Prüfungsprogramm ab-solviert hat, erhält eine kurze Rückmeldung von den DTV-Prüfern Wolfgang Redlich und Klaus Meyer. Die Urkunden und Anstecknadeln werden zu einem späteren Zeitpunkt feierlich verliehen.

Auch die Schülerin Ellen Möbus und ihr Tanzpartner Felix Klöhn haben es geschafft; zwar mussten sie beim Jive mehrfach ansetzen, bestanden haben sie aber dennoch. Seit anderthalb Jahren tanzen die beiden Oberstufenschüler zusammen, üben zweimal wöchentlich im Sport-Leistungskurs. „Tanzen macht einfach Spaß“, findet die 17 Jahre alte Ellen. Sie hat sogar vor, ihre Abiturprüfung in dieser Sportart abzulegen.

„Hessen war das erste Bundes-land, das den Tanzsport ins Kurri-kulum aufgenommen hat“, weiß der Tanzlehrer Hans-Jürgen Burger. Er ist die treibende Kraft für das außergewöhnliche Engagement seiner Schule, die daher auch das Prädikat „Tanzsportbetonte Schule“ trägt. Mit dem Aufbau eines aufeinander abgestimmten Angebots von Übungsmöglichkeiten und schulischen Veranstaltungen hatte der siebenmalige Weltmeister und mehrfache Deutsche Meister unmittelbar nach seinem Dienstantritt an der Bischof-Neumann-Schule im Jahr 1990 begonnen. Da war er mit seiner Frau und Tanzpartnerin Ulrike Burger noch aktiv om weltweiten Turniergeschehen. Im September 2000 erklärten die beiden ihren Rücktritt aus dem Wettbewerbstanz. Hans-Jürgen Burger ist jetzt als Schulsportbeauftragter des Hessischen und des Deutschen Tanzsportverbands darum bemüht, sein Fachwissen „an die Basis weiterzugeben.“ Tanzen sei „ein guter Motor“ für vieles und biete die Möglichkeit, lebenslang Sport zu treiben, erklärt er.

Derzeit können die Schüler der BNS von Montag bis Donnerstag jeweils in der Mittagspause in einer der Sporthallen das Tanzbein schwingen. Für fortgeschrittene Tänzer gibt es zusätzliche Kurse, und auch zwei Lateinformationen üben regelmäßig. Mehr als 150 Mädchen und Jungen von der fünften Klasse bis zum Abiturjahrgang nutzen das Angebot. In Spitzenzeiten waren es auch schon 200 Tanzbegeisterte. „Einfach cool“, findet beispielsweise die vierzehnjährige Maximiliane die elegante Bewegung zur Musik. „Das kann man später immer mal gebrauchen!“

Bei den Schulmeisterschaften am morgigen Donnerstag können die Tänzerinnen und Tänzer dann erneut fachkundigen Wertungsrichtern ihr Können präsentieren. Die schulinterne Veranstaltung dient zugleich als Qualifikation für die Hessenmeisterschaft der Schulen im Rahmen des Programms „Jugend trainiert für Olympia“ (JtfO). Am 24. April wird die BNS wie bereits im Vorjahr Gastgeber dieses Landeswettbewerbs sein.

Da es im Tanzsport – anders als beispielsweise im Fußball, Schwimmen oder in der Leichtathletik – kein JtfO-Bundesfinale gibt, hat der Tanzsportverband im vergangenen Jahr eine eigene Lösung entwickelt: In jeder der drei Altersklassen dürfen die besten beiden Schulmannschaften aus den Landesentscheiden in einem DTV-Bundeswettbewerb ihre Meister ermitteln. Von der Premierenveranstaltung im Vorjahr waren die Königsteiner mit einem Bundessieger, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen zurückgekehrt. Für die Wiederholung dieses Erfolgs üben sie fleißig.

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