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Eine Regentschaft im Zeichen der Corona-Belastungen

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Von: Esther Fuchs

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Angelika I. mit Krone, hoheitlicher Handtasche und strahlendem Lächeln.
Angelika I. mit Krone, hoheitlicher Handtasche und strahlendem Lächeln. © Fuchs

Burgfräulein Angelika I. über die Krone und die Begegnung mit anderen Majestäten.

Königsstein -Die Sonnenstrahlen glitzern auf den langen, blonden Haaren. Einladend ist das Wetter, als die Reporterin der Taunus Zeitung das strahlend weiß gekleidete Burgfräulein Angelika I. interviewt. Ein Spaziergang durch die Konrad-Adenauer-Anlage und den Kurpark ist eine gute Gelegenheit und der angenehme Rahmen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein Fest auf der Ruine blieb ihr bisher versagt

Der Terminkalender der Regentin ist seit einiger Zeit voller geworden. Es bietet sich also ein Anlass, um mit dem Burgfräulein über das Erlebte und die Zukunft zu plaudern. Die festlich-hoheitliche Gewandung ließ die holde Lieblichkeit zum Flanieren Zuhause. Beim Sommerspaziergang über die Kieswege wolle sie das Kleid schonen. Besser so: Die Robe soll bei feierlichen Anlässen in einwandfreiem Zustand, etwa beim Burgfest in Eppstein (Main-Taunus-Kreis). Das Kleid sei erst kürzlich in der Nähstube mit einem neuen Saum ausstaffiert worden, erzählt Angelika I., die strahlend lacht, als sie fotografiert wird.

Das Burgfräulein hat aber die Krone und ihr Pompadour, die hoheitliche Handtasche, mitgebracht. Die Krone befindet sich sicher verstaut in einem blau-silberfarbenen Metallkoffer. Angelika hütet die Metallkiste wie ihren Augapfel. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Krone noch so oft tragen darf“, sagt sie rückblickend. Ihre Regentschaft habe sich ja nicht einfach angelassen. Inthronisiert wurde die junge Königsteinerin im September 2021, im zweiten Jahr der Corona-Krise, einer Phase mit schwierigen Umständen und Einschränkungen. Ein Burgfest auf der Festungsruine blieb Angelika bisher verwehrt. Die Pandemie versalzte den Beteiligten die Planungen. Das Präsidium sprach sich schweren Herzens gegen den Burgberg aus und feierte im September 2021 „Burgfest im Tal“ ohne Umzug durch die Stadt. Im Juli 2022 fand der Umzug in abgespeckter Form statt. Der Verein veranstaltete ein mehrtägiges Sommerfest vor dem Rathaus und im Kurpark.

Eine Regentin, die nicht auf der Burg feiern konnte, gab es bisher noch nicht. Deshalb wäre Angelika I. schon betrübt, wenn sie als Regentin nicht das Burgtor öffnen dürfte. Doch ob es eine weitere Amtszeit mit ihr geben wird, obliege dem Präsidium. Angelika I. richtet ihre Gedanken daher auf Ereignisse, die sie als Repräsentantin in Zeiten von Corona wahrnehmen durfte. Da war einmal das erste Königsteiner Weindorf in Konrad-Adenauer-Anlage. „Dort lernte ich die deutsche Weinprinzessin Linda Trabach kennen.“ Da waren aber auch noch der Besuch in Wehrheim und der am Chiemsee oder der in Kórnik, der polnischen Partnerstadt. Ihre Erfahrungen? „Ich hätte nicht gedacht, dass das Amt so viel Verantwortung mit sich bringt“, entgegnet die junge Frau. „Mein erster Besuch in Rosbach machte mir das allerdings schon bewusst. Nach der Pandemie war das dann schon seltsam, auf der Bühne zu stehen, die Musik zu hören und zum Tanzen aufgefordert zu werden.“ Während Blütenkönigin Mathilda I. in Rosbach vor der Höhe das Burgfräulein empfing, war es in Wehrheim Apfelblütenkönigin Marie-Louise I. In Polen traf Angelika die „Weiße Dame.“ Ende September ist ein Treffen in Königstein mit einer Delegation der neuen englischen Partnerstadt Faringdon geplant.

Ihre positiven Erlebnisse ermuntern die Regentin, die blaue Metallschatulle zu öffnen. Die Krone sei zwar nicht aus dem Mittelalter, sagt Angelika I., „aber wenn Sie hier mal reinschauen, sehen Sie, wann und von wem Sie gestiftet wurde“. Die Kopfbedeckung mit den Glitzersteinen sei aus Silber und handgeschmiedet, erklärt die Regentin. „Gestiftet zum Burgfest 1955. Wilhelm Niggl“, lautete die Inschrift. Seither werde das Schmuckstück von Regentin zu Regentin übergeben.

Zum 70. Burgfest würden sich sicher die Königsteiner und insgeheim auch Angelika I. freuen, wenn die Krone noch einmal auf dem blonden Haar der 25-Jährigen glitzern dürfte. Das wäre 2023. Abwarten.

Angelika I. (Mitte) mit Junker Daniel und Hofdame Nathalie 8. beim deutschen Königinnen-Treffen, zu dem rund 260 deutsche Majestäten nach Traunstein am Chiemsee kamen.
Angelika I. (Mitte) mit Junker Daniel und Hofdame Nathalie 8. beim deutschen Königinnen-Treffen, zu dem rund 260 deutsche Majestäten nach Traunstein am Chiemsee kamen. © privat

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