Die fertiggestellten Bereiche des KTC geben einen Eindruck davon, dass das Thema Design im Haus künftig eine zentrale Rolle spielt.
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Die fertiggestellten Bereiche des KTC geben einen Eindruck davon, dass das Thema Design im Haus künftig eine zentrale Rolle spielt.

Hotellerie in der Corona-Krise

Aus der Not einen Umbau gemacht: Königsteiner KTC zieht Renovierung vor

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
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Tagungs- und Hotelstandort am Stadtrand plant "Neustart" für 21. August

Königstein -Wie kann man der Corona-Krise nur etwas Positives abgewinnen - vor allem in der Hotellerie? George kann das. Zumindest macht er den Eindruck. Irgendwie wirkt er doch absolut zufrieden, während er so durch das weitgehend menschenleere Foyer des Königsteiner KTC trottet. Auf seinem Weg schaut er noch kurz bei seinem Kumpel Ben vorbei, der derzeit häufiger an der Rezeption anzutreffen ist, und dann trollt er sich wieder ins Büro von General-Managerin Yvonne Federhoff, um noch eine Runde entspannt auf seinem Stoffäffchen herumzukauen.

Spätestens an dieser Stelle dürfte klar sein, dass George zwar ein wichtiger Wegbegleiter im Leben von KTC-Chefin Federhoff ist. Zum Mitarbeiter des Monats reicht es aber nicht. Muss auch nicht sein. Das ungarische Kurzhaar genießt ganz offensichtlich sein Hundeleben. Und das derzeit umso mehr, da er sein Frauchen zur Arbeit begleiten darf. So wie Kumpel Ben an der Rezeption.

Eine Ausnahme in Zeiten von Corona - und noch dazu eine willkommene. Die beiden Vierbeiner bringen etwas Leben in das große Tagungshaus am Ende des Königsteiner Ölmühlwegs, das seit Mitte März kaum noch Besucher gesehen hat.

Zum Zeitpunkt des Besuchs unserer Zeitung ist zwar gerade eine Schulung im Haus. Aber größere Zahlen an Übernachtungsgästen haben Yvonne Federhoff und ihr stark reduziertes Team seit Monaten nicht mehr begrüßen dürfen.

Von den rund 70 Mitarbeitern, die in "normalen Zeiten" das KTC am Laufen halten, sind gerade noch zehn Prozent im Haus, um Kundenanfragen und kommende Buchungen zu bearbeiten. Der Rest der Crew musste, wie überall in der Branche, in die Kurzarbeit gehen.

Seit über vier Monaten geschlossen

"Nachdem wir am 18. März abrupt schließen mussten, haben wir die Zeit erst einmal dazu genutzt, die Sachen zu machen, zu denen man neben dem Tagesgeschäft sonst kaum kommt", erklärt Yvonne Federhoff im Gespräch. Lagerbestände seien gesichtet, Abläufe standardisiert und Checklisten geschrieben worden, um möglichst gut auf den Tag der Wiedereröffnung vorbereitet zu sein. Federhoff: "Allerdings hatten wir da noch die Hoffnung, dass wir nur von einer Schließung von zwei Wochen, maximal einem Monat reden."

Mittlerweile ist das Haus vier Monate geschlossen. Und vorerst wird das auch so bleiben. "Wir planen derzeit für den 21. August mit der Wiedereröffnung", kündigt die General Managerin an. Allerdings dürfte der Terminus "Neueröffnung" fast besser passen.

Denn während die gläsernen Schiebetüren des KTC für Gäste vorerst noch geschlossen bleiben müssen, wird das Interieur des Hauses komplett überarbeitet. Begonnen hatte man damit bereits im vergangenen Jahr im Foyer, im Restaurant und auf der Galerie im ersten Stock. Die Zimmer und alles andere sollten aber noch etwas warten. Bis Ende 2023 wollte der neue Eigentümer - die Morten Group - mit allem fertig sein und dann 13 Millionen Euro in die Neugestaltung investiert haben. Das war der Plan - vor Corona.

Nun aber, da die Pandemie mit ihren Folgen ohnehin alles zum Erliegen gebracht hat, versucht man im KTC aus der Not eine Tugend zu machen. Federhoff: "Wir ziehen jetzt die geplanten Renovierungsarbeiten vor und hoffen, so schon 2020, 2021 mit allem fertig zu sein."

Pool, Küche, Zimmer werden überarbeitet

Was sie unter "alles" versteht, zeigt ein Gang durch den weitläufigen Gebäude-Komplex. Herde, Kühlgeräte und Schränke der großen Küche im Haupthaus sind derzeit im Restaurant zwischengeparkt, da das Reich von Chefkoch Sebastian Möller generalüberholt wird. Ein Stockwerk tiefer wurde gerade der Pool herausgerissen, wird der Wellnessbereich neugestaltet.

Während der Besucher im Gefolge der Hotelchefin versucht ist, Brotkrumen zu streuen oder Google zu fragen, um nicht ganz die Orientierung zu verlieren, navigiert Yvonne Federhoff traumwandlerisch durch die unzähligen Flure und Gänge, mal treppauf, dann wieder treppab. "Nach einem Jahr kenne ich mich hier aus", lacht die KTC-Chefin auf dem Weg durch die unter einander verbundenen Häuser.

Was sofort auffällt: Die Farben Gelb und Mausgrau, die in den Zeiten den Ton angaben, da das KTC von der Commerzbank geführt wurde, sind weitgehend verschwunden. Ein dunkler, sanfter, ins Anthrazit gehender Ton dominiert. Und das nicht nur an den Wänden, sondern künftig wohl auch noch an anderer, prägender Stelle.

Neue Farb- und Namensgebung

Yvonne Federhoff will noch nicht zu viel verraten, aber die neue Farbgebung hat wohl auch Einfluss auf den Namen, den das KTC künftig führen wird.

Dass man eine einladendere Alternative zu dem doch sehr technokratischen Kürzel suche, hatte die Geschäftsführung im vergangenen Jahr bereits angekündigt. Jetzt scheint man fündig geworden zu sein. Unter welchem Namen der Tagungs- und Hotelbetrieb am Königsteiner Stadtrand künftig firmieren wird? Das Geheimnis soll im Laufe des Jahres gelüftet werden.

Beim Rundgang könnte man fast an jeder Ecke stehen bleiben. Denn überall tut sich etwas oder hat sich schon etwas getan. Hier wurde bereits ein Tagungsraum komplett aufgearbeitet, da ein Aufenthaltsbereich mit Lampen, Sitzgruppe sowie großen Pflanzen ansprechender gestaltet, und dort sind Handwerker gerade dabei, 109 der insgesamt 218 Zimmer an das neue Design anzupassen.

Alles wird, wie man neudeutsch sagt, etwas "stylischer" - aber auf eine ansprechende, keineswegs puristische, vielmehr wohnliche Art.

Schließlich sollen sich die Gäste in den Zimmern künftig auch abseits von Tagungen und Konferenzen wohlfühlen. Yvonne Federhoff und ihre Crew wollen das Haus gerade an den Wochenenden und in den Ferienzeiten als Urlaubsdomizil etablieren - mit den Taunuswäldern vor der Tür, dem Blick auf die Königsteiner Burg frei Haus und mit Frankfurt, Wiesbaden und dem Rheingau in der Nähe.

Faktoren, mit denen das KTC-Team verstärkt bei seinen Gästen punkten will. Wenn es denn erst wieder öffnen darf. Die Hoffnung ist groß, dass dies am 21. August der Fall sein kann. Stefan Jung

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