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Er hat die Stadt gestaltet und für sie gelebt

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Von: Stefan Jung

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Von 1972 bis 1991 war Antonius Weber Königsteiner Bürgermeister. Am Samstag ist er im Alter von 92 Jahren in Hamburg verstorben.
Von 1972 bis 1991 war Antonius Weber Königsteiner Bürgermeister. Am Samstag ist er im Alter von 92 Jahren in Hamburg verstorben. © Reichwein, Jochen

Alt-Bürgermeister Antonius Weber im Alter von 92 Jahren verstorben.

Königstein -Die Kurstadt trauert um Antonius Weber. Wie seine Familie mitteilte, ist der ehemalige Königsteiner Bürgermeister am Samstag an seinem Alterssitz in Hamburg im Alter von 92 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

Mit Antonius Weber verliere die Kurstadt einen Mann, der für die Stadt nicht nur gearbeitet, sondern gelebt habe, würdigte der amtierende Rathauschef Leonhard Helm (CDU) im Gespräch mit unserer Zeitung die Leistung seines Vorgängers. Dieser habe sich den Respekt und die Hochachtung der Königsteiner mehr als verdient. Weber ist bis heute der Rathauschef mit der längsten Amtszeit in der Kurstadt.

Wiederwahl nach acht Monaten im Dienst

Von 1972 bis 1991 hatte der gebürtige Kölner den Chefsessel im Rathaus inne. Seine Ausbildung und seinen anschließenden Aufstieg bis zum Referenten des Oberstadtdirektors hatte Weber in der Verwaltung der Dom-Stadt durchlaufen. Seinen Wechsel nach Königstein hatte Weber vor zwei Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung damit begründet, dass er „selbstständiger“ habe sein wollen. Die Gelegenheit, die sich ihm dazu 1972 im Taunus bot, ergriff er, wohlwissend, dass er die Königsteiner Stadtverwaltung in einer Phase des Umbruchs übernehmen würde. Es war die Zeit, in der Schneidhain, Falkenstein und Mammolshain im Zuge der Gebietsreform ihre kommunale Selbstständigkeit aufgeben mussten und zu Königsteiner Stadtteilen wurden - ein Prozess, der keine Jubelstürme auslöste. „Das waren damals alles andere als einfache Zeiten“, unterstreicht auch der heutige Rathauschef Leonhard Helm. Umso mehr Respekt verdiene es, wie Antonius Weber die Umsetzung der Gemeindereform mit all ihren Herausforderungen gesteuert habe.

Auch für den damals noch vom Stadtparlament und nicht direkt von der Bevölkerung gewählten Christdemokraten hatte die kommunalpolitische Neuordnung ihre Folgen. So währte Webers „erste Amtszeit“ in Königstein nur gerade Mal acht Monate. Nach dem Vollzug der Zusammenlegung musste er sich dem neuformierten Stadtparlament bereits zur Wiederwahl stellen und wurde so zum ersten Rathauschef für die Kernstädter und die Stadtteilbewohner.

Dies war eine Aufgabenstellung, in der Weber gerade in seinen ersten Dienstjahren auch als Vermittler gefragt war. Dabei dürfte ihm sein rheinisches Naturell und seine - von vielen Weggefährten geschätzte - sehr verbindliche Art von Nutzen gewesen sein.

Dem Papst einen Bildband überreicht

Dass Antonius Weber als Rathauschef die Kurstadt nicht nur verwaltete, sondern vor allem auch entscheidend gestaltete - daran kann es für Bürgermeister Helm keinen Zweifel geben. Weber habe sich um Königstein „sehr, sehr verdient gemacht“, habe eine Vielzahl von Projekten in die Wege geleitet und umgesetzt, die nach wie vor von großer Bedeutung für die Kurstadt seien

Das größte und vermutlich auch umstrittenste Projekt in der fast 20-jährigen Dienstzeit Webers war sicher der Bau des Kurbades. Er war und blieb stets überzeugt von der Wichtigkeit des Bades für Königstein als Kur- und Gesundheitsstandort. Um den zu stärken, engagierte sich Weber auch stark in den Bäderverbänden.

Politik sei „ein rundum interessantes und schönes Geschäft“ hatte Weber vor ein paar Jahren einmal gesagt. Dass es auch mal Rückschläge gebe, die Anspruchshaltung der Bevölkerung steige und auch der öffentliche Druck zunehme, habe daran nichts geändert. Damit, so Weber, müsse man fertig werden.

Fertig geworden ist Weber auch mit seinem Abschied (1991) aus dem Königsteiner Rathaus, obwohl er ursprünglich noch eine Amtszeit hatte dranhängen wollen. Nachkarten war Webers Sache damals nicht und sollte es auch später nicht werden. Seine bevorzugte Rolle war die des „Elder Statesman“. Helm: „Antonius Weber hat bis ins hohe Alter sehr interessiert die Geschehnisse in Königstein verfolgt, und er hatte auch zu vielen Dingen eine Meinung. Die aber teilte er allenfalls im persönlichen Gespräch. Nach außen ging er damit nie.“

Stattdessen startete der damals 60-Jährige nach seinem Abgang aus dem Rathaus in den dritten Abschnitt seiner Laufbahn und führte von Bonn aus bis 1997 die Geschäfte des Deutschen Bäderverbandes. Auch wenn der rheinische Zungenschlag Antonius Weber zeitlebens begleitete, war Königstein für ihn stets Heimat, sah er sich immer als Botschafter der Kurstadt. Passend dazu überreichte er nicht nur dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl einen Bildband über die Kurstadt, sondern sogar Papst Johannes Paul II. Erst vor gut einem Jahr verließ Antonius Weber das Zuhause im Taunus in Richtung Hamburg, um seinen Lebensabend in der Nähe seiner Tochter zu verbringen. „Für ihn war das noch einmal mit einem großen Gewinn an Lebensfreude verbunden“, blickt Sohn Christoph Weber auf ein erfülltes Leben seines Vaters zurück. Zur letzten Ruhe gebettet wird Antonius Weber in seiner Vaterstadt Köln.

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