Katastrophenschutz

Feuerwehr übt den Ernstfall - So wäre ein Brand auf dem Burgfest

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Jeder Fehler in einem echten Einsatz kann fatale Folgen haben. Deswegen probten die Feuerwehrleute, was bei einem Brand auf der beliebten Veranstaltung zu tun wäre. Und die Sommerhitze machte diese Übung besonders schwierig.

Alarm über die Leitstelle . Das Einsatzstichwort für die Freiwillige Feuerwehr Königstein lautet: In einem der Keller auf dem Burgfest ist Feuer ausgebrochen. Starke Rauchentwicklung behindert die Sicht. Die Besucher wurden bereits evakuiert. Aber zwei Personen werden vermisst.

Dieses Szenario war am Freitagabend zwar lediglich eine Übung der Gesamtstadtwehr, hat aber einen ernsten Hintergrund. Denn Fehler in einem echten Einsatz können verheerende Folgen nach sich ziehen. Rund 50 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren haben sich an der Übung beteiligt. „Bei den Temperaturen ist das nicht selbstverständlich, dass so viele mitmachen“, lobte Stadtbrandinspektor Heiko Martens seine Einsatzkräfte für ihre Teilnahme.

Die Aktiven probten hier nicht nur die Umsetzung des Sicherheitskonzepts für das Burgfest, sondern ziehen aus der Übung noch so manche Bilanz, um für den Ernstfall die Abläufe zu optimieren.

In der Übung musste davon ausgegangen werden, dass die beiden Vermissten den Weg ins Freie nicht geschafft haben. Menschenleben sind also in Gefahr, und Menschenrettung steht immer an erster Stelle.

Sofort stellt die Freiwillige Feuerwehr Königstein Einsatzbereitschaft her und macht sich auf den Weg zur Burg. Während sie diese räumt, kommt es zu einem weiteren Brand im Pulverturm. Auch hier wird eine Person vermisst. Die Stadtteilwehren werden zur Unterstützung nachalarmiert. Die Wehren aus Falkenstein, Schneidhain und Mammolshain machen sich ebenfalls auf den Weg zur Burg.

Ab 19:30 Uhr standen alle Wehren auf Abruf. Stadtbrandinspektor Heiko Martens notierte penibel den Start und die Ankunftszeiten der einzelnen Wehren. Im Ernstfall wären alle mit Sondersignal unterwegs. Aber auch ohne Blaulicht und Martinshorn kamen alle rechtzeitig an der Burg an. „Wir müssen allerdings im Ernstfall damit rechnen, dass es länger dauert. Denn in diesem Fall kämen uns schon eine Menge Menschen von der Burg aus entgegen“, so Heiko Martens.

Nur wenige Fahrzeuge der Wehren können direkt bis dorthin vorrücken. Die Durchfahrten sind für die meisten der schweren Fahrzeuge nicht passierbar. Deswegen müssen die Einsatzfahrzeuge nach einem Plan vor der Burg „aufgestellt“ werden um zum Beispiel die Wasserversorgung zu gewährleisten.

Eine große Rolle spielt dabei das STLF (Staffeltanklöschfahrzeug) als größtes wasserführendes Fahrzeug. Dafür gibt es einen vordefinierten Standort. Im Rahmen der Übung wurde auch die neue Steigleitung erstmals getestet: Wie viel bar Wasserdruck ist erforderlich, damit oben überhaupt etwas ankommt? „Solche Fragen müssen direkt geklärt werden, damit alle wissen, was zu tun ist. Ansonsten steht uns noch die Zisterne auf der Burg zur Verfügung“, so Stadtbrandinspektor Martens. Jede Wehr hat ihre und jeder Aktive seine ihm zugewiesenen Aufgaben. Abweichungen müssen immer einkalkuliert werden. Denn kein Einsatz ist wie der andere.

Dort, wo die Zugänge zur Burg beginnen, müssen die Feuerwehrleute die Ausrüstung tragen und geraten hier ziemlich an ihre Grenzen. Vor allem bei Außentemperaturen um die 30 Grad. „Ein Feuerwehrmann mit Feuerschutzbekleidung und kompletter Ausrüstung schleppt rund 25 Kilo zusätzlich mit sich herum“, erklärt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Stefan Freund. „Wer einmal wissen möchte, wie sich ein Feuerwehrmann gerade fühlt, sollte sich bei den derzeitigen Temperaturen mal einen Skianzug anziehen und eine halbe Stunde draußen Rasen mähen.“ Damit käme man ziemlich nahe an die Erfahrung heran.

Damit keiner schlapp macht, werden bei Einsätzen extra ausreichend Wasser und Apfelsaftschorle für die Einsatzkräfte mitgenommen. „Flüssigkeit ist je nach Einsatzfall wichtig“, so Stefan Freund.

Am Ende der Übung können Heiko Martens und Stefan Freund eine durchweg positive Bilanz ziehen. „Das Konzept hat sich bewährt“, so Martens. „Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die geändert werden müssen.“ Als Resümee aus der Übung will Martens ein Materialdepot über Großveranstaltungen auf der Burg anlegen. „Im Ernstfall geht es um jede Minute. Wenn wir erst alles hochtragen müssen, geht uns zu viel Zeit verloren.“ Einen massiven Kritikpunkt hat Stadtbrandinspektor Martens allerdings noch: „Der Digitalfunk funktioniert immer noch nicht richtig. Diese Erkenntnis konnten wir bei dieser Übung wieder mal gewinnen.“

(juba)

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