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Förderverein lehnt Kurbad-Schließung ab

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Von: Esther Fuchs

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Die gestaffelte Bauweise und die blau-orangefarbene Fassade sind Markenzeichen des Königsteiner Kurbads.
Die gestaffelte Bauweise und die blau-orangefarbene Fassade sind Markenzeichen des Königsteiner Kurbads. © Schick

Er wird sich dennoch auflösen. Hoffnung, neue Führungskräfte zu finden, zerschlägt sich.

Königstein -Die Stimmung war so trüb wie das Wetter. Am Dienstagabend haben sich 21 Mitglieder des Fördervereins Kurbad getroffen, um die Auflösung ihres Vereins zu beschließen. Die im Auktionshaus Janß anwesenden Damen und Herren konnten den Schritt jedoch nicht vollziehen. Denn mindestens 40 Mitglieder hätten da sein müssen, um einen gültigen Beschluss herbeizuführen. So sehen es Vorgaben aus der Vereinssatzung vor. Der Vorstand muss eine weitere Mitgliederversammlung einberufen, damit er die Auflösung „eintüten“ kann.

Am 8. November ist wohl endgültig Schluss

Schon im Frühjahr dieses Jahres fasste der Vorstand um Vereinschef Rainer Kowald ins Auge, einen Schlussstrich zu ziehen. Einer der Gründe: Es fehlen Freiwillige, die Verantwortung im Verein übernehmen. Damals bat Königsteins Erster Stadtrat Jörg Pöschl darum, den Plan noch einmal zu überdenken. Vielleicht gelinge es ja doch noch, neue Gesichter für das Ehrenamt zu gewinnen oder doch noch als bewährtes Team weiterzumachen.

Die Hoffnung war gering. Der Vorstand mit Gunther Kalich, Thilo Kruse, Marlis Zierlein, Anke John, Rainer Kowald und Reinhold Siegbert kam der Bitte Jörg Pöschls jedoch nach. Zur Begrüßung am Dienstag erklärte der Vereinschef, dass sich die Lage nicht verbessert habe, und leitete die Auflösung ein. Kowald weiter: „Da die Zahl der notwendig erschienenen Mitglieder heute nicht erreicht wurde, findet eine weitere ,Außerordentliche Mitgliederversammlung‘ am Dienstag, 8. November, statt, wo dann die einfache Mehrheit der Anwesenden die Entscheidung treffen kann.“ Seit der Vereinsgründung vor zehn Jahren ist Kowald Steuermann des derzeit 150 Mitglieder zählenden Fördervereins.

Kowald sagte, die Absichten und Ziele, die zur Gründung führten, seien in den vergangenen Jahren immer mehr ins Hintertreffen geraten. Die Gemeinnützigkeit als Vereinszweck war gefährdet. Zuletzt hatten sich Mitgliedsbeiträge von mehr als 30 000 Euro angesammelt. Das ist erstaunlich, wo andere Vereine doch Mühe haben, sich zu finanzieren. Doch die Satzung definiert, dass die Mittel dazu dienen müssen, Anschaffungen fürs Kurbad oder Schwimmkurse zu fördern. Andere Zwecke sind unzulässig. Stehen denn bezuschussungsfähige Investitionen an? Fragen zu nötigen Anschaffungen um die Finanzen abzuschmelzen, seien auch auf mehrfaches Bitten nicht konkret beantwortet worden. So blieb das Polster fünfstellig. Es kam gar so weit, dass 2022 keine Mitgliederbeiträge eingezogen wurden, damit der Sparstrumpf nicht noch voller wird.

Die Umstände seien seit längerem suboptimal, bedauerte Rainer Kowald. Corona habe jedoch zuletzt die Hindernisse noch verstärkt. Der Förderverein sei nie gegründet worden, um Geld zur geplanten Kurbad-Sanierung zu zuschießen, darauf legte Kowald wert. Es seien Anschaffungen im Bad und Saunabereich oder zum Beispiel auch die Förderung von Schwimmkursen gewesen, die der Verein unterstützen wollte. Die Sanierungspläne würden von der Auflösung des Vereins also nicht tangiert, sagten Pöschl und Kowald. Der Erste Stadtrat betonte: „Das sind zwei völlig separate Themen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Dagmar Reuther, Königsteiner Mitglied des Fördervereins, ermunterte daher: „Bitte Leute, geht weiter ins Kurbad! Lasst Euch nicht beirren!“ Sie und FDP-Stadtverordneter Michael-Klaus Otto beklagten die nach ihrer Ansicht unglückliche, negative „Publicity“ durch die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK). Die unabhängige Wählergemeinschaft, stärkste Stadtverordneten-Fraktion, teilte Mitte Oktober schriftlich mit: „Nüchtern betrachtet, bleibt nur die Stilllegung des Bades, um die Gas-Verschwendung in einer Zeit, in der überall zum Sparen aufgefordert werde, zu beenden und um der Stadt die immensen Kostensteigerungen zu ersparen.“ Diese Idee lehnten alle Anwesenden am Abend geschlossen ab.

„Wir sind weiterhin für das Kurbad und finden es richtig und wichtig, dass es als Institution erhalten bleibt“, unterstrich Rainer Kowald mit Nachdruck. Er habe sich jedoch für den Fortbestand des Fördervereins ein engeres Miteinander zur Geschäftsführung und zur Stadt gewünscht. Früher sei das einfacher gewesen. Der Verein bezahlte Schwimmkurse für sozialschwache Familien, einen Defibrillator, ein Schwimmfloß, einen Haspelwagen. Hinzu kamen Führungen durch das Kurbad, Anschaffungen für die Saunalandschaft, den Geräteraum des Schulschwimmens und der DLRG-Schwimmkurse. Dies sei nun alles bezahlt, sagte der Vorsitzende. Schwimmkurse und Saunabetrieb fielen wegen Corona-Einschränkungen lange Zeit aus. Ab nächstes Jahr werde ein externer Anbieter im Kurbad Schwimmkurse anbieten, so hieß es in der Sitzung am Dienstag. Aber das Kurbad dichtmachen? „Das geht doch gar nicht“, bekräftigte Rainer Kowald abschließend. „Selbst in der Pandemie musste alles auf ein Minimum laufen“

Almut Boller, Geschäftsführerin des Verbands Hessische Heilbäder, lobte das Engagement des Fördervereins und dankte dem Vorstand für zehn Jahre intensives, ehrenamtliches Engagement.

Der Vorstand des noch bestehenden Kurbad-Fördervereins (von links): Gunther Kalich, Thilo Kruse, Marlis Zierlein, Anke John, Rainer Kowald und Reinhold Siegbert.
Der Vorstand des noch bestehenden Kurbad-Fördervereins (von links): Gunther Kalich, Thilo Kruse, Marlis Zierlein, Anke John, Rainer Kowald und Reinhold Siegbert. © EFX

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