So sah der unversehrte Heilige Nepomuk aus. Das Bild zeigt eine Kopie der Original-Statue.
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So sah der unversehrte Heilige Nepomuk aus. Das Bild zeigt eine Kopie der Original-Statue.

Von Vandalen enthauptet

Der geschundene Königsteiner Brückenheilige kehrt nach Hause zurück

  • VonChristiane Paiement-Gensrich
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Deutsche Stiftung Denkmalschutz lässt Johannes-Nepomuk-Statue restaurieren

Königstein -Ohne Kopf steht der Heilige Johannes Nepomuk in einer Kurve des Ölmühlwegs auf der Brücke über den Rombach. Anfang Oktober 2019 ist die barocke Sandstein-Statue des Märtyrers - sehr wahrscheinlich mutwillig - schwer beschädigt worden.

Am Donnerstag nun soll der geschundene Brückenheilige die Kurstadt verlassen und nach Hause zurückkehren. Es geht ins Schloss nach Frankfurt-Höchst. Hier am Main hat er lange gestanden, hier soll er restauriert werden und dann auch bleiben.

Zwei Restauratoren haben, im Auftrag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das Kunstwerk untersucht und festgestellt: Die Figur ist massiv und ordentlich schwer. Und ihr auf der Brüstung befestigter Sockel ist dicker als gedacht. Hammer und Meißel reichen zur Demontage nicht. Gebraucht werden elektrische Werkzeuge wie Fugenschneider. Und zum Verladen muss ein Kran her.

Joachim Helsper, Fachdienstleiter Bauen bei der Stadt Königstein, hat den Restauratoren aber schon Nepomuks Kopf und sieben weitere Fragmente der Statue mitgegeben. Die Teile hat er voriges Jahr aus dem Bachbett in der drei Meter tiefen Schlucht gesammelt. Eine seiner Kolleginnen hatte am 4. Oktober 2019 im Vorbeifahren gesehen, dass die Statue enthauptet war. Daraufhin hatte sich Helsper gleich auf die Suche gemacht. "Leider war der Kopf stark beschädigt", berichtet er und zeigt auf das steinerne Gesicht. Der Mund, ein Teil der Nase und ein Auge fehlen.

Auch das Köpfchen der kleinen Christus-Figur von dem Kreuz, das der Brückenheilige in den Händen hält, sei abgeschlagen worden. "Den Jesus-Kopf haben wir auf der Brüstung gefunden", so Helsper weiter. Weil die Skulptur noch zwei oder drei weitere Beschädigungen aufweise, die Schläge von vorn mit einem schweren Stab vermuten ließen, gehe er von Vandalismus aus. Daher hat er Anzeige erstattet.

Eine bewegte Geschichte hatte die Skulptur, die zwischen 1730 und 1740 entstanden ist, auch zuvor schon hinter sich. Helsper hatte dazu schon vor Jahren, als die Landstraße L 3369 von Königstein nach Ruppertshain saniert wurde, recherchiert und beim damaligen Verwalter des Höchster Schlossmuseums, Dr. Wolfgang Metternich, nachgefragt. Dieser habe ihm erzählt, dass der Sandstein vermutlich aus dem Raum Miltenberg komme und die Figur zuerst auf der Höchster Stadtbrücke stand. "Hierzu existiert eine Zeichnung aus dem Jahr 1770." Am Ende des 30-jährigen Krieges 1648 sei der Heilige Nepomuk dort noch nicht vorhanden gewesen.

Später zog die Statue von der Stadtbrücke auf die Brücke über den Wassergraben zum Höchster Schloss um. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dann sei der Nepomuk nach Königstein gebracht worden.

Mit dem General gepokert

Wie es dazu kam? Helsper hat dazu von dem Königsteiner Johann Rütger von Brüning, der ganz in der Nähe des jetzigen Nepomuk-Standortes gewohnt hat, folgendes erzählt bekommen: "Das Höchster Schloss war damals von Amerikanern besetzt. Und ein amerikanischer General wollte die Statue mit in seine Heimat nehmen."

Der Vater von Brünings aber habe mit dem General Poker gespielt, dabei die Statue zurückgewonnen und sie dann nach Königstein mitgenommen. Später schenkte Johann Rütger von Brüning der Stadt Königstein den Heilgen Nepomuk mit der Auflage, das Original auf eine Königsteiner Brücke zu stellen." Zwei Glasfaserkunststoff-Abgüsse der Figur befänden sich aber in Höchst.

Die Königsteiner Statue unterdessen habe im Jahr 2000 schon einmal ihren Kopf verloren. "Damals lag er vor der Figur", berichtet Helsper. Deshalb sei möglicherweise Korrosion die Ursache gewesen. Zwischen den Schultern des steinernen Heiligen ragt jetzt, vielleicht von der damaligen Reparatur, eine stählerne Gewindestange heraus. Damit war der Kopf befestigt gewesen. Der nicht immer schöne Königstein-Aufenthalt der Statue soll nun also bald ein Ende haben. "Bevor der Winter kommt, muss die geschändete Figur, die so viel mitgemacht hat, in Sicherheit gebracht werden", erklärt die Denkmalpflegerin, Kunsthistorikerin und Archäologin Barbara Wunsch, die bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für Sanierung und Bauunterhalt verantwortlich ist. Dann werde der Heilige begutachtet und es werde ein Konzept für die Restaurierung entwickelt. Das Ziel sei die bestmögliche Lösung für die originale Skulptur. Der Kopf solle wieder angefügt werden. Und der Sandstein solle so bearbeitet werden, dass alle Schäden, auch die witterungsbedingten, behoben werden. "Damit er auch die nächsten 350 Jahre übersteht." Ausgestellt werde der Nepomuk dann wahrscheinlich im Höchster Schlossmuseum. Im Freien dagegen solle er nicht mehr stehen. Und an seinen alten Königsteiner Platz komme eine Kopie - wahrscheinlich im Frühjahr.

Was das Original-Kunstwerk wert sei, sei schwer zu beziffern, sagt Wunsch. "Kulturelles Erbe ist unbezahlbar." Und: "Damals, als die Statue entstanden ist, gab es noch keinen elektrischen Strom. Der Stein ist in mühevoller, schweißtreibender Handarbeit behauen worden. Das alles steckt in der Figur." Und die Geschichte der Statue sei ohnehin einmalig.

Er schützt vor Wassergefahren

Daran erkennt man den Heiligen Johannes Nepomuk: Die Königsteiner Statue trägt ein Birett, also die typische Kopfbedeckung eines Priesters. Über der Soutane trägt er ein Chorhemd und darüber ein halblanges Cape aus Pelz. Denn der historische Johannes Nepomuk, der 1729 heiliggesprochen wurde, war Priester in Prag und der Legende nach Beichtvater der Königin. Er wurde um 1345 in Pomuk (heute Nepomuk) bei Pilsen geboren. Weil er dem eifersüchtigen König Wenzel IV. nicht verraten wollte, was die Königin gebeichtet hatte, so heißt es, folterte ihn der König und ließ ihn am 20. März 1393 von der Karlsbrücke in die Moldau werfen. An der Stelle, an der Nepomuks Leichnam gefunden wurde, sollen fünf Sterne erschienen sein - für die fünf Buchstaben des lateinischen "tacui" (ich habe geschwiegen). Der Heilige wird deshalb oft mit einem Sternenkranz dargestellt. Einen solchen Kranz hat der Königsteiner Nepomuk nicht. Möglicherweise sei er in früheren Zeiten verloren gegangen, sagt Denkmalpflegerin Barbara Wunsch. Weitere typische Attribute Nepomuks sind der Palmzweig, der auf den Märtyrertod hinweist, und das Kruzifix. "In seiner Entstehungszeit, kurz nach der Heiligsprechung, war Johannes Nepomuk ein sehr populärer Schutzheiliger. Er steht oft im öffentlichen Raum." Er soll vor Wassergefahren und Zungenleiden schützen und steht für Verschwiegenheit und das Beichtgeheimnis.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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