Für den idyllischen Blick vom Bangert auf die Burg dürften die Schafe wenig übrig haben. Ihr Blick geht eher Richtung Gras. Und das wuchs in diesem Jahr später als zuvor.
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Für den idyllischen Blick vom Bangert auf die Burg dürften die Schafe wenig übrig haben. Ihr Blick geht eher Richtung Gras. Und das wuchs in diesem Jahr später als zuvor.

Landwirtschaft

Große Passion gepaart mit wachsender Frustration

  • vonJutta Badina-Burger
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Der Königsteiner Peter Haug ist Schäfer in der dritten Generation und hat mit immer mehr Auflagen zu kämpfen

Königstein -Wenn Peter Haug von seinem Beruf spricht, ist das immer noch mit sehr viel Leidenschaft verbunden. "Schäfer ist einer der ältesten Berufe der Welt. Ich mache es gerne. Aber, ich bin froh, dass meine Kinder wahrscheinlich beruflich andere Wege gehen." Der promovierte Tierarzt führt die Familientradition in der dritten Generation fort. Ob und wie es mit dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb irgendwann weitergeht, weiß er nicht. Denn die Frustrationen, die das Schäferleben so mit sich bringt, werden immer mehr.

Dieses Jahr sei mal wieder alles anders. "Nach den letzten drei trockenen Frühjahren haben wir endlich mal wieder Wasser", so Peter Haug. Doch leider sei es zu kalt. Das Gras wollte nicht so richtig wachsen und seine Schafe waren rund zwei Wochen länger im Stall als normalerweise. Einerseits könne er sich nicht beschweren. Er habe eine wahnsinnige Nachfrage nach Lamm- und Schaffleisch. "Die Nachfrage ist so hoch, dass wir sie gar nicht bedienen können."

Andererseits weiß er derzeit nicht wohin mit den Fellen und der Wolle. "Durch die hohen Umweltauflagen ist die Verarbeitung von Wolle und das Gerben von Fellen in Deutschland unwirtschaftlich. Solche tierischen Produkte würden nach Asien gegeben. Derzeit werfe ich es weg, weil keiner es haben will."

Es sei eine komische Situation, und er wisse auch nicht, woran es liegt, zeigt sich Peter Haug nachdenklich. Ob Corona oder der blockierte Suezkanal, auch in der Tierarztpraxis seien Medikamente nicht lieferbar gewesen. Haug vergleicht es mit der derzeitigen Situation in den Wäldern. "Sie liegen voller Holz, aber man bekommt keine Holzlatten." Lieferketten seien teils langfristig unterbrochen.

"Vor ein paar Jahren gab es noch eine Wollkämmerei in Bremen. Diese ist nach China verkauft worden." Für seine Wolle habe er dieses Jahr pro Kilo gerade mal 40 Cent erhalten. "Wir haben Merinoschafe. Deren Wolle gehört zur feinsten überhaupt." Für Peter Haug werden die derzeit geführten Klimadiskussionen angesichts der Vorgehensweise ad absurdum geführt. "Wir haben nur noch wenig vor Ort. Wir schicken Material um die halbe Welt, damit es verarbeitet werden kann. Wo bleibt da der gute Vorsatz, CO2 einzusparen?" Dafür gebe es eine Menge Beispiele, für die er kein Verständnis habe.

"Meines Erachtens scheinheilig"

Für die Herstellung von beispielsweise Bratwürsten benötigt man Saitlinge vom Schaf. "Wir müssen diese aber wegschmeißen, weil die Hygieneauflagen für eine Verarbeitung in Deutschland sehr hoch sind und es keine regionalen Verarbeitungsmöglichkeiten mehr gibt. Für die Herstellung von Bratwürsten beziehen die Metzgereien Schafsaitlinge aus Südamerika und Asien". Dies zeige deutlich das Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Ländern auf. Peter Haug fühlt sich an der Basis durch die zunehmenden Auflagen immer weiter eingeschränkt.

"Einerseits soll möglichst lokal produziert werden, andererseits haben wir keine Verarbeitungsstrukturen mehr. Das ist meines Erachtens nach scheinheilig." An manchen Tagen komme er damit ganz schlecht zurecht. Peter Haug bestätigt aber auch: "Uns geht es noch gut." Das Schaf sei ein Nischenprodukt. Wenn er an das letzte Jahr und die Corona-Ausbrüche in den Schlachthöfen und den damit verbundenen Stau von Schlachtschweinen denke, könne er dies sehr schätzen. "Wir schwimmen mit unserem kleinen Markt immer ein bisschen außen rum. Andererseits hängen wir trotzdem am Tropf der großen Weltwirtschaft."

Zu den vielen Auflagen kamen für Peter Haug und seine Familie im vergangenen Jahr noch ganz andere Probleme. Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown haben dem Bangert in Pandemiezeiten ein hohes Besucheraufkommen beschert. "Die Leute wollen raus. Das kann ich gut verstehen. Viele waren auch sehr interessiert an unserem Betrieb und es kamen gute Gespräche in Gang." Doch es habe auch die anderen gegeben, die sich an keinerlei Regeln gehalten hätten.

"Es gab Wochenenden, an denen wir mehrere Müllsäcke voll Hinterlassenschaften aufgesammelt haben. Wenn sich die Menschen für die Natur interessieren, ist das schön. Wenn sie anschließend ihr Zeug wieder mitnehmen, ist dagegen auch gar nichts zu sagen." Dies sei nur leider nicht immer der Fall gewesen.

Ein weiteres Thema, was Peter Haug umtreibt, ist derzeit das Aufkommen von giftigen oder unverträglichen Pflanzen. Durch den Naturschutz sei er in seiner Bewirtschaftungsweise eingeschränkt. Dies sei gesellschaftlich gewollt und werde gefördert. "Wir bekommen Geld dafür, wenn wir auf jegliche Nährstoffzufuhr in die Böden verzichten." Dadurch breiten sich allerdings Pflanzenarten aus, die den Schafen zum Verhängnis werden können.

"Die Bürokratie ist überbordend"

Der Herbstzeitlosen, dem Rainfarn oder dem Jakobskreuzkraut sei mit einfachen Mitteln nicht zu Leibe zu rücken. Man könne diese teilweise per Hand rupfen oder durch Vertritt und frühen Verbiss zurückdrängen, doch ohne nachhaltigen Erfolg. Mehrere Tiere habe er dadurch im vergangenen Jahr verloren. Daher plädiert er für die Möglichkeit, die Böden leicht zu kalken oder auch nach Jahren mal wieder mit Nährstoffen (Stickstoff, Kalium) zu versorgen. Auch das Nachsähen von Konkurrenzpflanzen könnte dafür sorgen, dass sich die Giftpflanzen nicht zu arg vermehren. Doch diese Vorschläge stoßen bei den zuständigen Behörden auf Granit. Dabei gebe es schonende Methoden, um die Bodensituation zu verbessern, und der westliche Hochtaunus sei kein Gebiet, das mit Stickstoff oder Phosphor überversorgt sei und somit das Grundwasser gefährde.

"Leider werden wir alle in einen Topf geworfen. Die Bürokratie ist überbordend und die Rahmenbedingungen sind nicht gut. Dabei machen wir mit unserem Betrieb ein nachhaltiges Ding, kaufen kaum Futter zu und machen es so, wie alle es wollen. Aber, angesichts immer höherer und unüberschaubarerer Auflagen wird man mit der Zeit mürbe." Jutta Badina

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