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Spektakulär: Die Ritterkämpfe lockten die Gäste wieder in Scharen auf die Königsteiner Burg.

Ritterturnier

Die große Show der Württemberger auf Burg Königstein

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Klirrende Waffen, schnaubende Rösser, quietschende Rüstungen, vom Bergfried wehende Fahnen – alles anno dazumal? Mitnichten. Die Ruine lebt. Es ist, als wär’s gestern, beim 20. Ritterturnier auf Burg Königstein . . .

Da haben die Königsteiner seit Jahrhunderten freie Sicht auf die Burg und meinen trotzdem, das alte Gemäuer sei tot. Nix mehr los, da oben. Dabei sind die Zeiten mutiger Ritter und tapferer Recken gar nicht vorbei, gerade am vergangenen Wochenende zeigten sie wieder einmal, dass sie putzmunter sind! Sie heißen auch noch so, wie sie früher schon hießen. Lukas nannte sich zwar keiner – draufgehauen, dass die Schwarte krachte und das Kettenhemd zersprang, wurde aber trotzdem. Auch auf die Pauke, denn schon bei Ritters machte der Ton die Musik.

Lange vor dem Beginn des Spektakels kündeten bereits wiehernde Pferde und geschäftig umhereilende Edelleute von dem Turnier. Und wer genau hinhörte, vernahm das metallische Aufeinandertreffen von Schwertern, die übungshalber geschwungen wurden – es ging einem durch Mark und Bein. Markige Sprüche, getextet in der deftigen Sprache des Mittelalters und dazu angetan, dem Gegner schon mal verbal den Schneid abzukaufen, hallten durch die Gänge.

Dann war es endlich so weit. Die Dämmerung senkte sich über die Festung, rund um die Arena drängten sich die Gäste, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wollten. Hoch zu Ross kamen die Ritter vom Stamme der „Württemberger“ nebst Gemahlinnen, Gespielinnen und Knappen daher, sich dem Königsteiner Volke zu präsentieren, Männer und Rösser herausgeputzt wie die Pfingstochsen und vor allem – furchtlos bis ins Mark. Begeistertes Handgeklapper des Publikums, eingefordert vom beliebten und beleibten, seinen unerschrockenen Lehnherrn ohn’ Unterlass preisenden Herold Owen McMillen, der durchaus auch auf dem Hamburger Fischmarkt Aale verkaufen könnte, begleitete die Kämpfer in die Bahn.

Ritter Philipp von Falkenstein (nein, nicht der von nebenan, eine zufällige Namensgleichheit,) Rolf von Härzfeld, Dietrich vom Wolfshag, Inselimport Evric O’Brian, Anselm von Justingen, Justus von den Illerauen und Berthold von Rohrdorf – kampfeslustiger und furchteinflößender hätten die tapferen Recken kaum heißen können. Für sie war der Applaus das Abendbrot. Und Appetit hatten sie reichlich . . .

Beim 20. Königsteiner Ritterturnier, pardon: Tourney – so heißt solch ein Spektakel auf gut Ritterdeutsch – ging es bei allmählich schwindendem Licht und einer steifen Brise vor den Augen des auf seinen Afterballen (mittelhochdeutsch für die menschliche Sitzfläche) am Burghang hockenden Auditoriums sportlich zu. Was man bei Ritters eben so sportlich nannte: Wenn einem ein Schiedsrichterurteil – die Schiris waren damals noch beritten und hießen „Marschall“ – gegen den Strich ging, gab’s eben ein „Gottesurteil“ oder einfach was auf blecherne Mütze. Rote Karten hatte man im Mittelalter noch nicht, weshalb der Störenfried „Mann gegen Mann“ im Zweikampf von der Wettkampfbühne geschubst wurde.

Hier gibt’s noch mehr Bilder vom großen Ritterturnier auf der Burg Königstein.

Ehrfürchtig gesenkten Hauptes knieten Rittersmann und Knappe nieder, wenn die Herrschaft wieder einen Sieg errungen hatte und mit stolz geschwelltem Brustpanzer durchs Burgtor ritt. Ja, bei den alten Rittersleuten gehörte ehrerbietender Respekt noch zum Benimm der Untertanen. Eigentlich hätten sie gleich auf den Knien bleiben können, denn der ungestüme Recke auf seinem noch ungestümeren Friesenhengst im grünen Ganzkörper-Ornat hatte das Siegerpodest offenbar gepachtet, was den Kampfgeist der Gegner aber nur steigerte. Anfangs war es nur Spielerei: In vollem Galopp mussten Ringe mit der Lanze aufgenommen oder der Ausleger eines Drehgestells in vollem Karacho so geschickt angeschubst werden, dass es rotierte. Der Sieger bekam einen neuen Helm. Ohne Dellen und Schrammen. Handgeklapper, Jubel!

Dann trieb das Spektakel dem Höhepunkt zu. Bei der letzten Prüfung mussten sich die mit langen Lanzen bewaffneten Recken im Vorbeireiten mit kühnem Stoß gegenseitig aus dem Sattel hebeln, was aber am Material scheiterte, denn die Holzstangen brachen natürlich rechtzeitig, Der Sollbruchstelle sei Dank.

Real und kein Trick war aber die Aufgabe, bei der die Kombattanten wie in einem Hollywoodschinken mit wildem Geschrei und im gestrecktem Galopp eine brennende Axt aufnehmen, um sie kurz darauf in eine Zielscheibe zu hämmern. Darauf hatte das Volk offenbar gewartet, und diesmal musste der Herold auch nicht erst um Handgeklapper und angemessenen Jubel bitten. Tolle Leistung, denn Pferde sind Fluchttiere und Feuer eher abgeneigt. Für ihre edlen Reiter allerdings gehen echte Schlachtrösser eben durchs Feuer.

Zum krönenden Abschluss und aus Anlass des 20. Tourney-Jubiläums präsentierten die Gäste aus dem Württembergischen dem Auditorium eine furiose Feuershow. Inzwischen war es Nacht geworden auf Burg Königstein, als die Recken vor den Zuschauern noch einmal Handgeklapper heischend vorbeiparadierten. Und während die Kombattanten abgekämpft aufs Lager sanken, von dienstbaren Mägden gut versorgt mit Bier und Wein, machte sich das Volk zu Königstein schon an den Abstieg.

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