Speziell für Frauen

Gründungsberatung: Selbstzweifel aus dem Weg räumen

Frauen gründen anders als Männer. Daher benötigen sie auch eine andere Beratung und Begleitung auf dem Weg, ihr eigener Herr zu werden. Das zeigt eine Studie, die der Königsteiner Verein „Social Business Women“ jetzt vorgelegt hat.

„Jahrelang habe ich an meinen Fähigkeiten gezweifelt, war nicht selbstbewusst genug“, erzählt Malgorzata Diebel. Dabei konnte die 46-Jährige durchaus ein langjährig erfolgreiches Berufsleben vorweisen, war unter anderem Inhaberin eines Kosmetikstudios mit drei Angestellten.

Als zur Unzufriedenheit mit dem Job noch Schwierigkeiten im privaten Umfeld hinzukamen, fasste sie den Entschluss, noch einmal ganz neu zu starten. Mit Hilfe der Beraterinnen des in Königstein ansässigen Vereins „Social Business Women“ (SBW) gründete sie ihr Unternehmen „MD Business Etikette“, berät heute Menschen jeden Alters in Stil- und Imagefragen und trainiert mit ihnen Benimmregeln – und das leidenschaftlich und mit viel Freude, wie sie betont. Mittlerweile ist Malgorzata Diebel darin so gut, dass sie sogar dem Vorstand der Deutsche-Knigge-Gesellschaft angehört.

Den SBW-Beraterinnen ist die gebürtige Polin noch heute für die fachliche Unterstützung und vor allem auch das persönliche Mut-Zusprechen dankbar. Sie ist überzeugt davon, dass „ein starkes Selbstwertgefühl das A und O ist, wenn man sich selbstständig machen will.“

Wie Malgorzata Diebel geht es vielen Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen, beruflich ihr eigener Herr zu werden.

Genau für sie ist das Angebot des Vereins „Social Business Women“ gemacht, der von der Kronberger Accenture-Stiftung, der KFW-Stiftung und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband getragen wird. Pünktlich zu seinem fünften Geburtstag hat der Verein Programmteilnehmerinnen, Mentorinnen, Beraterinnen und Experten zum Thema „Frauen zurück in den Arbeitsmarkt“ befragt. Seit der Gründung hat SBW bereits 2 600 Frauen begleitet. 48 Prozent von ihnen arbeiten mittlerweile wieder in einem Angestelltenverhältnis oder haben sich selbstständig gemacht. Wie die Studie zeigt, sind die meisten Gründerinnen im Gesundheitssektor respektive im Pflegebereich tätig. Zudem stehen Dienstleistung, Einzelhandel und Coaching hoch im Kurs.

Wer dabei an den kleinen Laden um die Ecke denkt, dessen Angebot sich vorrangig an das lokale Umfeld richtet, liegt nur in der Hälfte der Fälle richtig: Über 30 Prozent der Gründerinnen sind bundesweit aktiv, weitere gut 20 Prozent sogar international.

Wie wichtig eine frauenspezifische Beratung ist, belegen die Ergebnisse der Studie. „Frauen gründen anders als Männer“, bringt es die Vereinsvorsitzende Gabriele Möhlke auf den Punkt. Sie seien beispielsweise risikoscheuer und würden meist weniger Kapital einsetzen. Auffallend sei auch, dass viele Frauen ihr Potenzial unterschätzten. Viele hätten in ihrem Leben bereits einige Qualifikationen erworben, seien jedoch der Meinung, dass diese nicht ausreichen, um den gewünschten Job auszuüben. „Frauen leiden häufiger unter Selbstzweifeln als Männer“, sagt Gabriele Möhlke.

Neben dem Thema Selbstvertrauen sind für die Gründerinnen vor allem Informationen zur Finanzplanung, zum strategischen Denken, zum Erstellen eines Geschäftsplans und zum Marketing hilfreich, wie die Studie zeigt; und auch die Netzwerktreffen des Vereins werden als eine wichtige Säule gesehen.

Durch das SBW-Programm wer-den die Gründerinnen drei Jahre lang fachlich und persönlich unter-stützt. Viele wünschen sich jedoch auch eine längerfristige Begleitung, also auch in der sogenannten zwei-ten Gründungsphase, wenn die Basis erfolgreich gelegt wurde und es an den Geschäftsausbau geht. Auch Vereinschefin Gabriele Möhlke sieht hier Handlungsbedarf und verspricht, „das Thema Wachstumsberatung für die Zukunft im Auge zu behalten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare