Andere Länder, andere Einweihungssitten: Botschafter Stefan Herzberg benötigte einen Hammer, um die Eröffnung des Agrarbildungszentrums vollziehen.
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Andere Länder, andere Einweihungssitten: Botschafter Stefan Herzberg benötigte einen Hammer, um die Eröffnung des Agrarbildungszentrums vollziehen.

Herzen für eine neue Welt

Hoher Besuch in den Anden:Botschafter besucht Königsteiner Hilfsprojekt

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
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Deutscher Gesandter weiht Agrarbildungszentrum im peruanischen Chicontal ein

Königstein -Die kleinen und großen Menschen in "Munaychay", dem Kinderdorf des Königsteiner Vereins "Herzen für eine neue Welt", hatten in den vergangenen Wochen und Monaten wenig Grund zu feiern und sich zu freuen. Wie überall auf der Welt so wurde auch ihr Alltag in den peruanischen Anden zuletzt von der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen dominiert.

Entsprechend froh und dankbar waren die Bewohner von Munaychay jetzt über einen ganz besonderen, noch dazu hohen Besuch im Chicontal. Stefan Herzberg, der deutsche Botschafter in Peru, nutzte die Lockerung der Reisebeschränkungen im Land dazu, um im Projekt der Königsteiner "Herzen" vorbeizuschauen. Mit Frau und Tochter war er im Auto von seinem Dienstsitz in Lima aus angereist.

Das allerdings liest sich sehr viel leichter, als es die peruanische Realität hergibt. Wer von der Hauptstadt in der Mitte des langgestreckten Andenstaates nach Süden und ins frühere Herzstück des Inka-Reichs will, der muss sich auf einen echten Roadtrip einstellen. Fast 1200 Kilometer sind zu bewältigen. Zunächst auf der Panamericana an der Küste entlang, dann weiter ins Landesinnere und höher hinauf ins Gebirge - mit entsprechenden Straßenverhältnissen.

Dass der deutsche Top-Diplomat mit Kronberger Vergangenheit die Tour dennoch machte, dürfte für ihn und vor allem auch für die Wertschätzung der "Herzen" sprechen.

Eigentlich hatte Herzberg seinen Besuch bereits für Ende März angekündigt. Und nicht nur er. Die deutsche Honorarkonsulin Maria Jürgens wollte von Cusco aus ins benachbarte Chicontal kommen und auch in Deutschland hatten die Verantwortlichen der "Herzen" um den Vorsitzenden Dr. Walter Leidinger und dessen Stellvertreter Gerhard Benner bereits Reisepläne gemacht.

Gemeinsam wollte man die zu einem Agrarbildungszentrum ausgebaute, vereinseigene Farm "Santa Rosa" eröffnen. Dann aber kam Corona und zwang zur Absage der Einweihungsfeier. Dass man die jetzt im Zuge des Besuchs von Botschafter Herzberg endlich nachholen konnte, freut Gerhard Benner, den amtierenden Vize der "Herzen", sehr.

Vorstand muss in der Heimat bleiben

"Natürlich wären wir gerne dabei gewesen, aber da aktuell nicht absehbar ist, wann wir von Deutschland aus wieder problemlos nach Peru reisen können, sind wir sehr dankbar, dass Botschafter Herzberg seine Zusage wahrgemacht und unser Projekt mit seiner Familie besucht hat", unterstreicht Benner im Gespräch mit unserer Zeitung.

Für die kleinen Bewohner des Kinderdorfs wie auch die Mitarbeiter der Einrichtung war der Besuch des "embajador Aleman" ein besonderes Ereignis, das entsprechend gefeiert wurde - samt deutscher und peruanischer Fahne und den entsprechenden Hymnen.

Die Gastgeber hatten das Kinderdorf und vor allem auch sich selbst richtig herausgeputzt. Einige hatten Folklore-Tänze wie auch Reden vorbereitet und ihre traditionellen Trachten angelegt - in Kombination mit Schutzmasken, die zu tragen in Peru Pflicht ist.

Mit dem Hammer statt der Schere

Mit Rücksicht auf die geltenden Corona-Beschränkungen, hatten die Verantwortlichen vor Ort sich bereits bei der Vorbereitung des Besuchs bewusst darauf beschränkt, nur Gäste einzuladen, die in direkter Verbindung zu den Projekten und zum peruanischen Partnerverein "Corazones para Perú" stehen.

Während bei Einweihungen in Deutschland meist rote Bänder mittels einer Schere durchgeschnitten werden, war es für Botschafter Herzberg in Munaychay daran, zu einem Hammer zu greifen, um die offizielle Eröffnung von "Santa Rosa" zu vollziehen. Nicht mit einem Schnitt, sondern mit einem Hieb zerschlug er einen an Bändern zwischen den Torpfosten befestigten Tonkrug und machte so den Weg zum Agrarbildungszentrum frei.

Was er bei seinem anschließenden Rundgang in Santa Rosa wie auch im Kinderdorf sah, gefiel dem deutschen Diplomaten und seiner Familie offensichtlich.

Das zumindest legt eine E-Mail nahe, die Katja Hennmann, eine Mitarbeiterin der "Herzen" in Peru, nach dem Besuch des Botschafters an den Vorstand in Deutschland schickte.

Laut Hennmann habe Botschafter Herzberg sich sehr lobend über die Arbeit in und um Munaychay geäußert. Er habe schon andere Kinderdörfer gesehen, die weniger Kinder in der Betreuung hatten, und dennoch nicht so gut strukturiert wie Munaychay seien. Man merke, so Herzberg, wie viel Herzblut und Arbeit in dem Projekt steckten. Auf die vielen Möglichkeiten, die man den Mädchen und Jungen im Chicontal biete, könnten die "Herzen" stolz sein. Stefan Jung

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