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Damit nicht nur heiße Luft produziert, sondern Dampf gemacht wird, müssen 2019 Weichen gestellt werden. Montage: TZ

Bahn

Jahr der Weichenstellungen: 2019 muss auf die Schiene, was 2020 ankommen soll

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Vorsicht an der Bahnsteigkante! Das neue Jahr kommt ins Rollen. Zwar ist der erste Tag schon wieder Geschichte. Doch diese Verspätung im Feiertagsbetrieb lässt man sich ja noch gefallen, wenn dafür der Rest des Jahresfahrplans zügig abgearbeitet wird. Wir blicken voraus.

Der Kessel ist vorgeheizt, die „Kohle“-Vorräte sind zumindest wieder etwas aufgefüllt – das neue Jahr steht zur Abfahrt bereit am Königsteiner Bahnhof. An welchen zentralen Haltepunkten in den kommenden 363 Tagen Station gemacht wird? Antworten darauf verspricht in der Regel ein Blick in den städtischen Haushalt, der ja so etwas wie der Fahrplan für 2019 ist.

Allein, was sich darin an konkreten Projekten für dieses Jahr finden lässt, klingt doch sehr viel weniger nach dem lauten Pfeifen einer Lok unter Volldampf, als viel mehr nach dem bedächtigen Bimmeln eines Bummelzugs.

Wenn die Sanierung von Stolberg-, Wiesengrund- und Schlesischer Straße schon zu den größten Kostenposten zählen, die im neuen Jahr an der Strecke liegen, dann sagt das so einiges über den Fahrplan für 2019 aus.

Natürlich soll der Zug auch am sanierten Woogtal-Weiher, den neuen Betreuungseinrichtungen in Schneidhain und Falkenstein sowie an der renovierten Mammolshainer Dorfschänke haltmachen, aber die wurden schon 2018 auf die Schiene gesetzt.

Kleinere Investitionen

Das neue Jahr verspricht dagegen einen Kleinbus für die Jugendarbeit, einen Bewegungspark für Erwachsene, den Wiederaufbau des Pulverbrunnens und die Sanierung der Schneidhainer Trauerhalle – sicher alles gut gemeinte Serviceangebote aus dem kommunalen Bordbistro, die den Königsteinern die Fahrt durchs Jahr etwas angenehmer gestalten sollten.

Die Güterwagen, in denen die großen Brocken lagern – darunter Kita-Neubau, Kurbad-Sanierung, Bürgerhaus-Renovierung oder Betriebshof-Umzug –, werden aber auch in diesem Jahr noch nicht entladen. Allerdings könnten sie zumindest für die Weiterfahrt zur Endhaltestelle vorbereitet werden. Beim Blick auf den „Fahrplan“ lässt sich auf jeden Fall erkennen, dass ein paar entscheidende Weichen für 2020 gestellt werden sollen – und auch müssen.

So sollen nicht nur die Bebauungspläne Hardtberg (entscheidend für den Kita-Neubau), Kaltenborn III und Kohlweg II (neue Wohngebiete) zum Abschluss gebracht werden, sondern auch überfällige Konzepte für den Betriebshof-Umzug, die Neugestaltung der Jugendarbeit in der Stadt und die Sanierung des Falkensteiner Bürgerhauses (für 2020 sind hier 3 Millionen Euro eingeplant) erstellt werden.

Nicht explizit im Haushalt genannt, aber endlich in die Spur zu bringen ist die Zukunft des Kurbades. Die Zeiten, in denen immer wieder Durchsagen über den Bahnsteig schallten, um neuerliche Verspätungen zu begründen, sollten nach dem Erwerb des Biesten-Geländes und der Verbesserung der städtischen Kassenlage vorbei sein.

Sicher ist das Projekt noch immer zu groß, zu komplex, und die Stimmungslage in der Stadt zu wenig eindeutig, als dass man wichtige Haltesignale überfahren dürfte. Aber Dampf machen sollten die, die es wirklich ernst meinen mit dem Ja zum Bad jetzt schon. Sonst waren die Bekenntnisse der vergangenen Jahre nur heiße Luft.

Apropos „runter vom Abstellgleis“: Mit der Innenstadtgestaltung hat der Magistrat Ende 2018 zudem selbst noch ein fast schon vergessenes Langzeit-Projekt in Fahrtrichtung geschoben. Die ersten Rückmeldungen in den sozialen Medien lassen zwar schon erahnen, dass dieses Projekt nicht husch, husch umgesetzt sein wird. Da ist noch einiges an Quietschen, Qualmen und Dampfablassen zu erwarten. Dennoch ist es grundsätzlich richtig und wichtig, dass der Magistrat das Thema wieder an den Zug angekuppelt hat. Nachdem 2018 – sicher auch Wahlkampf bedingt – doch den Anschein machte, als fehle der Dampflok „Königstein“ die Zugkraft, sind Lokführer Leonhard Helm und seine Crew gefordert, ein paar Schaufeln Kohle draufzuschippen.

Dazu passt, dass das Bord-Personal erheblich aufgestockt wird. Selten gab es so viele Stellenangebote auf der Homepage der Stadt wie in diesen Tagen. Darunter einige sehr gut dotierte Führungspositionen in den Bereichen Bau sowie Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung.

Muss mehr Zug rein

Einerseits ein Ausdruck dessen, dass der städtische „Kohle“-Bunker wieder besser gefüllt ist. Andererseits aber auch die Anerkennung der Realität, dass man den nötigen Sachverstand nicht zum Spartarif bekommt.

Klar, wird Lokführer Helm auch mit den „Neuen“ das kurstädtische Dampfross nicht gleich auf ICE-Tempo bringen können. Aber es muss dringend mehr Zug rein. Zumal auf dem Bahnsteig ja noch weitere Fahrgäste stehen, die gerne bald ans Ziel gebracht werden wollen: die Kernstadt-Grundschule, die zeitgemäße Betreuungseinrichtungen benötigt, die Kunstwerkstatt, die ein neues Zuhause sucht, da ist der Supermarkt, der auf das Marnet-Grundstück in der Wiesbadener Straße umziehen soll, und da sind die Verantwortlichen von Villa Rothschild und Asklepios-Klinik, die wohl gerne anbauen möchten.

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