An der Ware liegt es nicht und an der Nachfrage der Kunden auch nicht - es ist das Fehlen ehrenamtlicher Helfer, das bei Hiltrud Post und Prof. Dr. Eckart Wernicke (von links) die Sorge nährt, dass die DRK-Kleiderkammer geschlossen werden muss. Foto: DrK
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An der Ware liegt es nicht und an der Nachfrage der Kunden auch nicht - es ist das Fehlen ehrenamtlicher Helfer, das bei Hiltrud Post und Prof. Dr. Eckart Wernicke (von links) die Sorge nährt, dass die DRK-Kleiderkammer geschlossen werden muss. Foto: DrK

Ehrenamt in der Krise

Kleiderkammer des Königsteiner DRK steht vor dem Aus

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
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Ortsverband des Roten Kreuzes fehlen Helfer und Einnahmen, um Betrieb aufrecht zu erhalten

Königstein -Die Kleiderkammer des DRK Ortsverbandes Königstein steht vor dem Aus. Vorwiegend ältere ehrenamtliche Helfer fallen in Zeiten von Corona aus, und ohne Verkaufspersonal kein Verkauf, und ohne Verkauf keine Erlöse. Die fehlen dem DRK dringend zur Finanzierung seiner ehrenamtlichen Arbeit, insbesondere für die Bewältigung der Aufgaben der Bereitschaft und sozialen Arbeitskreise. Die Ladenmiete läuft derweil weiter.

"Wenn nicht bald Geld ins Haus kommt, werden wir sie nicht mehr bezahlen können", sagt DRK-Vorsitzender Prof. Dr. Eckart Wernicke. Auch das DRK sei von der Corona-Krise mit "voller Wucht" getroffen worden. "Jetzt brauchen wir selbst Hilfe", betont Wernicke im Gespräch mit DRK Kreisgeschäftsführer Axel Bangert bei einem Treffen in der Kleiderstube in der Gerichtsstraße.

Sie ist das Sorgenkind der Königsteiner Hilfsorganisation. Schon seit 1988 betreibt das DRK diese Einrichtung, erst in der Frankfurter Straße und seit 2013 im aktuellen Domizil gegenüber des Amtsgerichts. "Jahrelang lief es prima, wir hatten gute Umsätze und konnten mit dem Erlös die Miete erwirtschaften und die ehrenamtlichen Aufgaben in der Bereitschaft und in den sozialen Arbeitskreisen unterstützen, dann kam Corona", sagt Wiltrud Post.

Sie leitet seit Jahren den Sozialen Arbeitskreis des DRK, ist Schatzmeisterin des Ortsverbandes und zugleich auch unermüdlicher Motor der Kleiderstube. Die, und da sind sich Wernicke und Post leider einig, steht vor dem Aus.

"Es fehlt nicht an Kunden, auch nicht an Ware, die gerade hier in Königstein im Allgemeinen von sehr guter Qualität ist. Woran es fehlt, sind Helfer im Verkauf und in der Annahme von Kleidung", sagt sie.

Man wisse zwar, woran es liege, besser werde es dadurch aber auch nicht. Post: "Viele unserer bisherigen Unterstützer gehören vom Alter her der Risikogruppe an, sie haben einfach Angst, sich in der doch etwas engen Kleiderstube zu infizieren."

Die dreimonatige Schließung der Kammer habe zudem "die Bereitschaft, danach wieder ehrenamtlich zu arbeiten, nicht gerade gefördert".

DRK-Chef Bangert sieht darin ein allgemeines Problem, das auch andere Ortsverbände trifft: "Die Corona-Pandemie stellt praktisch alles auf den Kopf, die Leute finden nach der Lockerung oft nicht mehr ins Ehrenamt zurück, vielleicht, weil sie während des Lockdowns gemerkt haben, dass es auch ohne sie geht. Geht es aber nicht, wir brauchen jede Hand, mehr denn je", so Bangert.

Die Probleme, mit denen das Königsteiner DRK zu kämpfen hat, liegen auf der Hand: Einnahmen aus Sanitätsdiensten bleiben ohne Veranstaltungen ebenso aus wie bei Blutspendediensten, die entweder gar nicht oder nur stark reduziert stattfinden.

Derweil laufen die Kosten, im Wesentlichen für die Unterhaltung des Bereitschaftsdienstes, der Fahrzeuge und Geräte, aber weiter. Wernicke: "Um die Kleiderstube so zu betreiben, dass noch etwas übrigbleibt, brauchten wir einen Monatsumsatz von 1000 Euro, den haben wir momentan bei weitem nicht." Überdies läuft die Miete für die Kleiderstube weiter, auch in den drei Monaten des Lockdowns. "Das ging dann zulasten unserer Vereinskasse, lange geht das nicht mehr gut", befürchtet Wernicke.

"Eigentlich sollten wir an zwei Tagen in der Woche geöffnet haben, donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr. Montags von 14 bis 18 Uhr ist kein Verkauf, da nehmen wir nur Kleidung entgegen. Donnerstags haben wir momentan schon geschlossen, weil uns das Personal fehlt", beschreibt Wiltrud Post die prekäre Situation.

Wer helfen wolle, müsse einmal die Woche drei oder vier Stunden Zeit erübrigen können. Möglich wäre es auch, sich einen Dienst mit einem anderen Helfer zu teilen, "pro Woche brauchen wir etwa sieben Leute", sagt Post, die unter ihrer Telefonnummer (0 61 74) 33 05 gerne für weitere Informationen zur Verfügung steht.

Ein schwieriges Pflaster

Neue ehrenamtlich Helfer für das Königsteiner DRK zu finden, ist sehr viel leichter gesagt als getan. Das weiß Prof. Dr. Eckart Wernicke nur zu gut. Ein wichtiger Grund dafür sei, dass die Zeit, in der Menschen in der Kurstadt wohnten, weit kürzer sei als andernorts - kürzer auch als in Kronberg. "Die hohe Fluktuation hat zur Folge, dass sich die Menschen, nachdem sie in Königstein angekommen sind und sich eingewöhnt haben, bald schon wieder nach neuen, oft beruflich veranlassten Zielen Ausschau halten."

Viele Neubürger ließen sich gar nicht erst ins Ehrenamt einbinden, ein gesellschaftliches Problem, das Organisationen, die vom Ehrenamt leben, die Arbeit erschwere, vor allem, wenn dann auch noch in Zeiten wie diesen die überwiegend älteren Mitglieder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, analysiert der DRK-Ortschef ohne ein Patentrezept dagegen zu haben.

"Das DRK muss sich tiefer in der Stadtgesellschaft verorten und quer durch alle Bevölkerungsgruppen um Reputation werben, dann entschließt sich der eine oder andere vielleicht doch, zu uns zu kommen und zu helfen, wenn nicht persönlich, dann vielleicht finanziell durch Spenden", hofft Wernicke auf Gehör bei den Königsteinern.

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