+
Diese Karte zeigt neben der Burg die Oberförsterei.

Königsteiner Postkarten

Kleine Kunstwerke aus dem Briefkasten

Eine beachtliche Sammlung nennt er inzwischen sein Eigen: An die 5000 Ansichtskarten mit Königsteiner Motiven hat Achim Hasselbach sorgfältig nach Themen geordnet in seinem Arbeitszimmer gelagert, dazu jede Menge historisches Material und Wanderkarten.

„Die haben was auf dem Kasten gehabt damals“, schwärmt Achim Hasselbach von den kreativen Köpfen, die in den guten, alten, analogen Zeiten für das Design von Postkarten verantwortlich zeichneten. Und Hasselbach weiß, wovon er da schwärmt. Immerhin hat er 43 Ordner mit annähernd 5000 historischen Ansichtskarten allein aus Königstein gefüllt. Voller Bewunderung spricht er von den sehr filigranen und detailreichen Arbeiten.

Bis in das Jahr 1887 reichen seine Schätze zurück und viel Platz zum Schreiben blieb meist nicht: Jugendstilornamente umrahmen die Königsteiner Ansichten, besonders häufig natürlich von der Burg, feingezeichnete Figuren, Landschaftsbilder und Blumen. Auch viele sogenannte Prägekarten sind dabei, deren Motive reliefartig hervortreten. Dazu kommen ausklappbare Leporellos mit Fotografien. Achim Hasselbach hat alle seine 43 Ordner in mehrere Unterkategorien unterteilt, damit er immer sofort findet, was er sucht.

Lithographien und Gesamtansichten finden sich dort, die Burg natürlich, Straßenansichten, Gaststätten und Hotels, Kirchen, Schulen, Luftbilder und Karten wichtiger Ereignisse wie des Feldbergfestes oder historischer Autorennen.

Die historischen Umstände und der Zustand der Karten interessieren ihn dabei mehr als die kurzen Texte, die zwischen den Bildern noch Platz haben. Meist sind es auch nur Grüße an die Familie oder die Nachricht, dass man gut angekommen sei. Aber manchmal springt auch ein Satz ins Auge. „Liebe Sophie, warum lassen Sie denn nichts von sich hören?“, heißt es vorwurfsvoll auf einer Karte aus dem Jahr 1915, und man wüsste doch gern, wer die Dame war und ob sie geantwortet hat.

Karten von nach dem Ersten Weltkrieg in Königstein stationierten französischen Soldaten sind ebenfalls dabei. Achim Hasselbach hat eigens eine deutsche Übersetzung anfertigen lassen. Historisch interessant sind überdies die Karten der Königsteiner Kapellenwagenmission. 16 Wagen waren nach dem Zweiten Weltkrieg in katholischer Mission unterwegs, beinhalteten einen Altar und sogar Schlafgelegenheiten für die Geistlichen.

Vereine ließen ebenfalls häufig Karten drucken – so kann man heute über die Existenz eines Rauchervereins staunen. Große Ereignisse wie das Kaiserpreisrennen 1907 kommen unter den Ansichtskarten in den unterschiedlichsten Motiven vor. Manchmal wird es auch romantisch: Gedichte sind auf den Karten zu finden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt: Karten, die unterschiedliche Motive bei Mondschein zeigen; zur Weihnachtszeit erschienen sie dann mit Schnee bedeckt. „Des Taunus schönste Blume, o du mein Königstein“ – solche Zeilen erschienen seinerzeit auf den Ansichtspostkarten der Stadt, gerichtet an das „wohlgeborene Fräulein“.

Auf seine Streifzüge zu Verkaufsbörsen und Auktionen nimmt Achim Hasselbach immer mehrere Ordner mit, damit er nicht allzu häufig eine Karte mit nach Hause bringt, die er schon hat. Für solche Termine kann er Ehefrau Karin nicht begeistern, allerdings schaut sie schon manchmal, ob vielleicht bekannte Namen im Adressfeld auftauchen. Bislang ist ihr aber noch keine Karte aus dem Bekanntenkreis untergekommen.

Ansonsten lässt sie ihren Mann machen; er hat ja auch ein eigenes Arbeitszimmer, in dem er schalten und walten kann, wie er will. Dort ist erstaunlicherweise sogar noch ein wenig Platz, obwohl Achim Hasselbach nicht nur historische Ansichtskarten sammelt, sondern auch Königsteiner Werbebroschüren, Rennprogramme, Plakate, Wanderführer und vieles mehr. „Reich werden wir damit allerdings nicht“, sagt Karin Hasselbach.

Achim Hasselbach schätzt, dass er in den über 30 Jahren, in denen ihn die Sammelleidenschaft nun schon umtreibt („Mit dieser Krankheit werde ich noch sehr alt“), an die 25 000 Euro investiert hat. Durch Verkäufe erhält er nur einen Bruchteil davon wieder.

Zumal der leidenschaftliche Sammler nur ungern Karten wieder hergibt, es sei denn, er besitzt sie doppelt. Reich zu werden ist aber auch nicht das Ziel: Achim Hasselbach wirkt einfach nur ziemlich glücklich. Und das ist doch schon eine ganze Menge.

Kontakt

Wer Ansichtskarten tauschen oder verkaufen möchte, kann sich gern mit Achim Hasselbach in Verbindung setzen, Telefon (0 61 74) 2 25 49.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare