Nachher: Die Herz-Jesu-Figur erstrahlt nach der Restaurierung in ihren ursprünglichen Farben.
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Nachher: Die Herz-Jesu-Figur erstrahlt nach der Restaurierung in ihren ursprünglichen Farben.

Aufpoliert

Königstein: Der Heiland ist jetzt wieder bunt

  • VonJutta Badina-Burger
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Die Christkönig-Gemeinde in Falkenstein hat ihre Herz-Jesu-Figur restaurieren lassen.

Falkenstein -In einen strahlend goldenen Lichtkranz gefasst und von einer grünen Dornenkrone geziert, ruht das tiefrote Herz auf der Brust des Heilands. Sein langes braunes Haar, sein voller Bart umspielen ein Gesicht, in dem die nach oben gerichteten blauen Augen auffallen. Gehüllt ist der Heiland in einen kaminroten Umhang mit lindgrünem Futter und goldenem Saum, den er über einem wollweißen Gewand trägt.

So farbenprächtig haben die meisten Mitglieder der Falkensteiner Christkönig-Gemeinde ihre Herz-Jesu-Figur vermutlich noch nie gesehen. Mit einem schlichten Braunton übermalt, fristete das Standbild über Jahrzehnte ein eher unscheinbares Dasein auf seinem Platz in der katholischen Kirche des Stadtteils. Das hat jetzt ein Ende. Nach rund einjähriger Überarbeitung und Restaurierung erstrahlt die Figur jetzt wieder in dem Glanz, der ursprünglich von ihr ausging.

Thomas Boller, Vorsitzender des Fördervereins der Christkönig-Gemeinde, sieht sich durch das strahlende Ergebnis bestätigt. Er hatte bereits vor Jahren die Restaurierung der Heiligenfiguren im Falkensteiner Gotteshaus angeregt.

2008 stimmte der damalige Königsteiner Pfarrer und heutige Generalvikar des Bistums Limburg, Wolfgang Rösch, zwar zu, die Marienfigur in der Marienkapelle zu restaurieren. Mit der Restaurierung der beiden anderen Figuren, "Joseph mit Kind" und "Herz Jesu" im Kirchraum konnte sich Rösch aber nicht anfreunden. Der Holzton der beiden Figuren, so sein damaliger Wunsch, sollte erhalten bleiben, damit ein einheitliches Bild im Kirchenraum entstehe.

Geschmäcker

ändern sich

Da sich Zeiten und stilistische Geschmäcker ändern können, unternahm Thomas Boller rund zehn Jahre nach der Restaurierung der Marienfigur einen neuerlichen Anlauf. Und dieses Mal fand sein Ersuchen beim Kirchenvorstand, bei Königsteins Pfarrer Stefan Peter wie auch beim Bistum Limburg Gehör.

2019 wurde zunächst "Josef mit Kind" restauriert. Daran schlossen sich die Arbeiten an der Herz-Jesu-Figur an, die jetzt pünktlich zum Jahreswechsel wieder auf ihren Platz in der Kirche zurückgekehrt ist.

Die Idee war das eine, die Finanzierung das andere. Möglich wurden die Restaurierungen erst durch die Zusage des Bistums, einen Teil der Kosten zu übernehmen, sowie durch Spenden. "Rund die Hälfte der Kosten trug Limburg. Die andere Hälfe konnten wir durch den Förderverein, über eine großzügige Spende des örtlichen Heimatvereins, des Gesangvereins und mehrere Kleinspenden abdecken", so Boller.

Nicht nur der Vorsitzende des Fördervereins sondern auch Pfarrer Stefan Peter, der Gemeinderatsvorsitzende Walter Schäfer, die Vorsitzende des Heimatvereins, Evi Dorn, und der Kassierer des MGV, Dieter Stemmler, sind begeistert von dem Resultat der Sanierung.

Rund ein Jahr hat Restauratorin Susanne Riek vom Restaurationsfachbetrieb Klöckner aus Biebergmünd an der Figur gearbeitet. Schon während der Voruntersuchung hatte die Expertin festgestellt, dass es sich bei der Herz-Jesu-Figur um eine Lindenholzskulptur handelt. Das macht sie besonders. Denn die beiden anderen Figuren wurden aus Terrakotta gefertigt. "Das war eine Zeit lang das bevorzugte Material, da Terrakotta nicht wie Holz von Würmern befallen wurde", erklärt Thomas Boller.

In schlechtem

Zustand

In den 1950er Jahren entsprach es, so der Fördervereins-Vorsitzende, "wohl dem Zeitgeist", auch ursprünglich farbliche Fassungen durch einen einheitlichen Farbauftrag zu ersetzen, um "den Holzcharakter herauszustellen". Boller: "Die Farbe wurde damals aber nicht ordnungsgemäß aufgetragen. Die Figur war in einem entsprechend schlechten Zustand." Diese Fehler der Vergangenheit sind jetzt behoben und Details wie die Wundmale oder ein goldener Gürtel unter dem Umhang wieder schön herausgearbeitet. Vor allem habe der Betrieb bei der Restaurierung darauf geachtet, dass die Patina erhalten blieb.

Bei der Frage nach dem Künstler, der die Skulptur geschaffen hat, konnte allerdings auch die Fachfirma kein Licht ins Dunkel bringen. Bei der Restaurierung kam die Signatur "cw" zum Vorschein. Lediglich, dass sie 1915 entstanden ist, konnte durch die Signatur in Erfahrung gebracht werden. Jutta Badina

Vorher: Vermutlich in den 1950er Jahren wurde die Figur mit einer braunen Deckfarbe überzogen.
Die Spender und Unterstützer (v. links): Dieter Stemmler (Kassierer MGV Falkenstein), Walter Schäfer in seiner Funktion als Pfarrgemeinderatsvorsitzender, Evi Dorn (Vorsitzende Heimatverein Falkenstein), Thomas Boller (Vorsitzender des Fördervereins) und Pfarrer Stefan Peter.

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