Die Konditionen von Krankentransportfahrten stehen bei Krankenkassen und Dienstleistern oftmals im Kleingedruckten.
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Die Konditionen von Krankentransportfahrten stehen bei Krankenkassen und Dienstleistern oftmals im Kleingedruckten.

Vorsicht Falle

Königstein: Fallstricke bei Kosten für Krankentransporte

  • VonAlexander Schneider
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Eine Krankenkasse verweigert die Kostenübernahme für die Hin- und Rückfahrt einer 89-Jährigen zu einer Behandlung, korrigiert die Entscheidung aber nach Intervention der Taunus Zeitung.

Königstein -Waltraud Walzok lebt im Seniorenwohnheim "Haus Raffael". Die 89-Jährige sitzt im Rollstuhl. Am 23. Dezember 2020 musste der Arzt kommen. Der hielt eine radiologische Untersuchung für nötig und stellte der Patientin eine Überweisung an einen Kollegen in Bad Soden aus, nebst Transportschein für den Krankentransportwagen (KTW). Termin: 28. Dezember. Das hat auch funktioniert.

Doch dann kam Post: Sohn Harald Walzok, Betreuer seiner Mutter, erfuhr von der Krankenkasse DAK, dass eine Kostenerstattung für die beiden Fahrten im KTW, 100 Euro hin und 92 Euro zurück, nicht in Frage komme, sie hätten vorher genehmigt werden müssen. Harald Walzok verstand die Welt nicht mehr: "Die Überweisung ist vom 23. Dezember. Heilig Abend, Weihnachten, dann Sonntag, und am 28. Dezember der Termin beim Radiologen - wann hätte ich den Transport genehmigen lassen sollen?"

Es kam wie es kommen musste: Das DRK als Dienstleister schrieb seine Rechnung an Walzok, weil die DAK wegen fehlender Genehmigung die Erstattung abgelehnt hat. Walzok legte Widerspruch ein. Von der DAK war ihm erklärt worden, er hätte sich an das auch feiertags besetzte Call Center wenden können: "Ein Call Center? Über Weihnachten? - Und die genehmigen dann einen Krankentransport so schnell, dass er am ersten Arbeitstag nach Weihnachten erfolgen kann?", wandte sich Walzok einige Briefe später, der letzte war mit abschlägigem Bescheid vom Widerspruchsausschuss der DAK gekommen, verärgert an die TZ-Redaktion. Die nahm Kontakt mit DAK-Sprecher Daniel-Peter Caroppo auf und bekam schon tags darauf Antwort: Man habe sich die Sache aufgrund der TZ-Anfrage noch einmal angesehen: "...im konkreten Fall wurde die Verordnung vom Arzt am Tag vor Weihnachten ausgestellt und der Transport sollte gleich am ersten Arbeitstag nach Weihnachten stattfinden. Das Zeitfenster war in diesem Fall so eng, dass die Einholung einer vorherigen Kostenzusage nicht oder nur schwer möglich war. Deshalb werden wir unsere Entscheidung im Sinne unserer Versicherten revidieren und die entstandenen Kosten für den Transport übernehmen." Niemand freute sich darüber mehr als Harald Walzok: "Tolle Nachrichten, vielen Dank."

Fahrten müssen vorab

genehmigt werden

Was aber bleibt, ist ein grundsätzliches, krankenkassenunabhängiges Problem. Die DAK schreibt auf ihrer Homepage: "Bei bestimmten ambulanten Fahrten müssen wir Ihre ärztliche Verordnung vor der Fahrt genehmigen." Ausnahmen gälten bei Patienten mit den Pflegegraden 4 und 5. Waltraut Walzok hat Pflegegrad 4. "Fahrten zu ambulanten Behandlungen im qualifizierten Krankentransportwagen, das war der Fall, müssen weiter vorab genehmigt werden", die "Genehmigungsfiktion" greife hier nicht.

Die TZ hat sich auch ans DRK ge-wendet. Für die Abrechnung von Krankenfahrten ist dort Jürgen Löw zuständig. Er kennt das Problem: "Die Verordnung ist korrekt ausgefüllt, die Pflegestufe stimmt, alle Kreuzchen richtig gesetzt - die Kasse muss zahlen." Dass die Fahrt unter Genehmigungsvorbehalt stand, weiß Löw. Er macht diesen Job aber schon lange genug, um zu wissen: "Die meisten Kassen genehmigen abrechnungsfähige Fahrten, bei denen die Patienten entweder nicht wussten, was zu tun gewesen wäre, oder wo es wie bei Frau Walzok zeitlich kaum möglich war, problemlos nachträglich." Mit oder ohne Vorabgenehmigung - das DRK lasse niemanden, der zum Arzt muss, stehen.

Der Fall Walzok ist kein Einzelfall: Allein in diesem Jahr bis Anfang September mussten 170 Genehmigungen nachträglich ein-geholt werden, "in den meisten Fällen hat das auch funktioniert", sagt Löw, der mit seinen Kollegen jede Möglichkeit wahrnimmt, Patienten und deren Angehörige darüber zu informieren, was nötig und worauf zu achten ist: "Taxi, Krankentaxi, Krankentransportwagen, Rettungswagen - vor allem ältere Menschen kennen die Unterschiede nicht einmal, schon gar nicht die Abkürzungen."

DRK-Kreisgeschäftsführer Axel Bangert sieht das ähnlich, auch ihm fehlt es am Verständnis, auch wenn er die Flexibilität der DAK im Fall Walzok aufgrund der TZ-Intervention ausdrücklich begrüßt. Allein die Häufigkeit der Fälle zeige die Fallstricke, über die viele Patienten stolpern: "Wenn in der Verordnung das Wort Krankentransportwagen kein einziges Mal auftaucht, nur die Abkürzung KTW, fühlen sich viele überfordert, zumal der Transport für sie eine Ausnahmesituation ist, bei der die wenigsten aufs Kleingedruckte achten und die wichtigen Hinweise auf den Genehmigungsvorbehalt wohl auch recht klein gedruckt sind." Eigentlich simple Sachverhalte würden so verkompliziert und aufgebläht, dass es kaum jemand verstehe, "da kann man, vor allem als älterer Mensch, schnell die Orientierung verlieren", sagte Bangert.

Alexander Schneider

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