+
Bitte nicht stören: Mama Uhu achtet sehr genau darauf, dass sich niemand ihrer Brut nähert.

Herausforderung für Veranstalter von Ritterturnier und Co

Wegen Uhu-Brut: Burghof bleibt zum Schutz der seltenen Eulen-Art monatelang gesperrt

Seit Mitte April ist der Innenhof der Burgruine Königstein für Besucher gesperrt. Der Grund dafür sind nicht etwa Renovierungsarbeiten, sondern eine streng geschützte Eulenart. In einer Nische der Innenhofmauern zieht eine Uhu-Dame ihren Nachwuchs auf – mit Futter versorgt und beschützt von dessen Vater.

Königstein - Da sage noch einer, es gebe in Königstein keinen günstigen Wohnraum. Eine Uhu-Familie hat jetzt den Gegenbeweis geliefert und sich kurzerhand auf der Burg eingenistet. Im Innenhof der Festungsruine haben sie es sich in einer Mauernische gemütlich gemacht. Per se eine schöne Nachricht, zumal sich auch schon Nachwuchs eingestellt hat.

Der Umstand, dass der Innenhof damit zur Kinderstube wurde, hat allerdings gravierende Folgen für die Besucher und die Nutzer der Burg. Denn: Zum Schutz der Eulenfamilie hat die Untere Naturschutzbehörde zusammen mit der Staatlichen Vogelschutzwarte entschieden, dass der Innenhof der Burg bis voraussichtlich Mitte August abgesperrt werden muss. Darauf weist die Stadt in einer Mitteilung hin.

Burghof bleibt komplett abgedichtet

Kurzfristig haben die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes daher die beiden Zugänge mit Holztafeln verschlossen und die Tür des Burgturms zum Innenhof ist nun ebenfalls abgeschlossen. Nach vier bis fünf Wochen können die Uhujungen noch nicht fliegen, verlassen aber das Nest für Erkundungen zu Fuß. „Um den Nachwuchs auch in dieser Zeit zu schützen, mussten wir die Absperrungen bis zum Boden abdichten“, so die städtische Umweltbeauftragte Birte Sterf. Die Aussichtsplattform auf dem Burgturm kann von Besuchern weiter erklommen werden. Wer ein Fernglas mitbringt, kann sogar einen Blick auf die Uhu-Familie werfen. Erwachsene können beim vorsichtigen Blick über die Turmbrüstung in die „Kinderstube der Uhus“ schauen und mit etwas Glück auch die junge Familie entdecken. Für Kinder ist das allerdings etwas zu gefährlich – gerade auf dem Turm gilt: „Sicherheit geht vor, immer mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben!“.

Der rote Kreis zeigt das Nest der Uhus.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Uhus erstreckte sich über die felsreichen Mittelgebirge und entlang des Alpenrandes. Gerne nutzt die große Eule überdachte Stellen in Felswänden oder kleine Felshöhlen. Dabei ist sie durchaus „kulturverträglich“. Sogar noch aktive Steinbrüche werden als Brutplätze genutzt. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass die Königsteiner Uhudame eine geschützte Nische der Innenhofwand der Burgruine als idealen Nistplatz auserkoren hat.

Nachwuchs geschlüpft

Nach circa 35 Tagen schlüpfen die jungen Uhus. Der Uhuvater befindet sich immer in der Nähe seiner Familie und wacht über sie. Zudem versorgt er das Uhuweibchen und den Nachwuchs mit Futter. Igel, Mäuse und Ratten, aber auch größere Vögel wie Krähen, Tauben und Greifvögel gehören zum Speiseplan.

Nach vier bis fünf Wochen verlassen die Jungen den engeren Nestbereich und erkunden zu Fuß die nähere Umgebung. Mit zehn Wochen sind die jungen Uhus voll flugfähig, werden aber weiterhin von den Eltern noch mit Nahrung versorgt. „Unsere ,Burgjungen’ sind inzwischen circa zwei Wochen alt“, erklärt Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) in der Mitteilung und bittet um Verständnis, dass zum Schutz der Uhufamilie der Innenhof der Burg in den nächsten Monaten (bis voraussichtlich Mitte August) nicht betreten beziehungsweise für Veranstaltungen genutzt werden kann.

 Die Stadtverwaltung werde nun mit den Vereinen und anderen Organisatoren Kontakt aufnehmen. Gemeinsam wolle man Lösungen finden, um sicherzustellen, dass alle geplanten Veranstaltungen trotz Innenhofsperrung stattfinden können. Das würde für das Ritterturnier am 1. und 2. Juni genauso gelten (hier wurde der Innenhof bislang immer mitgenutzt) wie für Rock auf der Burg (10. August) und die Königsteiner Burgfestspiele (Ende Juli), die sich auf die Festwiese konzentrieren.

Burgfest wohl gesichert

Bezüglich des Burgfestes, das vom 23. bis 25. August vorgesehen ist, könne man, so Helm, nach jetzigem Kenntnisstand davon ausgehen, dass die Vogelfamilie bis dahin wieder ausgezogen ist und daher dann auch der Innenhof wieder genutzt werden kann. Allein der Aufbau der einzelnen Keller dort könnte eventuell etwas später beginnen.

Größte Eule

Mit 60 bis 75 Zentimetern Größe und einer Spannweite von 160 bis 170 cm ist der Uhu die größte Eulenart Europas, deutlich größer als ein Bussard. Weibchen werden mit 3 Kilo sehr viel schwerer und größer als Männchen, die knapp 2 Kilo erreichen können. Die Gefiederfärbung variiert von grau bis gelblich braun und dient zur Tarnung im Tagesversteck. Denn der Uhu ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Er hat große Federohren und große orangefarbene Augen. Seinen Namen erhielt der Uhu durch seinen gleichlautenden zweisilbigen „u-hu“-Ruf. Jahrhundertelang wurde die große Eule als Konkurrent bei der Niederwildjagd durch Jäger verfolgt, es wurden sogar Abschussgelder gezahlt. Zudem dienten Uhus als Lockvögel für die Hüttenjagd auf Raben- und Greifvögel. Der Uhu wurde zum Anlocken der Vögel angebunden, die auf ihn herabstießen und ihn angriffen. Dabei wurden die Raben- und Greifvögel dann abgeschossen. Mitte des 20. Jahrhunderts war der Uhu in Deutschland fast ausgestorben. Durch strengen Schutz, Sicherungsmaßnahmen für die letzten verbliebenen Neststandorte und gezielte Auswilderung von Nachzuchten gelang es schließlich, die verbliebenen Vorkommen zu sichern. Inzwischen gibt es wieder 2000 bis 2500 Brutpaare in Deutschland. Und eines davon besonders malerisch gelegen auf der Königsteiner Burg. Was für die Zukunft nachdenklich stimmt, ist, dass der Uhu als äußerst standorttreu gilt. Gut geeignete Brutreviere sind oft über Generationen besetzt. Könnte sich hier ein Dauermieter eingenistet haben?

(red)

Lesen Sie auch:

Waldbrände um den Feldberg halten Einsatzkräfte auf Trab - Feuerwehr vermutet Brandstiftung

Die Feuerwehr hatte wahrlich kein ruhiges Osterwochenende. Gleich vier Mal musste sie ausrücken, um Waldbrände in der Feldberg-Region zu löschen. Da werden Erinnerungen an die unheimliche Brandserie im Vorjahr wach.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare