Nach der Bilderflut der vergangenen beiden Jahre wird die Ausbeute in diesem Jahr geringer ausfallen. So ist dies das erste Bild, das die Stadt vom Nachwuchs der Uhus veröffentlicht hat. Das neue Nest ist sehr viel schwerer einzusehen, aber auch nicht absturzsicher.
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Nach der Bilderflut der vergangenen beiden Jahre wird die Ausbeute in diesem Jahr geringer ausfallen. So ist dies das erste Bild, das die Stadt vom Nachwuchs der Uhus veröffentlicht hat. Das neue Nest ist sehr viel schwerer einzusehen, aber auch nicht absturzsicher.

Aus dem Nest gefallen

Königstein: Junger Uhu hat Glück im Unglück

  • Stefan Jung
    VonStefan Jung
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Mitarbeiter der Stadt Königstein entdecken ein Uhu-Küken am Boden. Der putzige Geselle war aus dem Nest in der Burg abgestürzt. Die Rückkehr ins Nest gelang via Hubsteiger.

Königstein -Das erste Bild vom Königsteiner Uhu-Nachwuchs ist da und auch gleich der erste Schreckmoment für die Fans der Greifvogel-Küken. Wie die Stadt mitteilt, hat der Umzug der Uhu-Eltern an einen neuen Nistplatz auf der Königsteiner Burg nicht verhindern können, dass eines der Jungtiere in den vergangenen Tagen einen unfreiwilligen Abgang aus luftiger Höhe gemacht hat.

Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs, so heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus, hätten bei Arbeiten auf der momentan geschlossenen Burg, zufällig einen jungen Uhu unterhalb des acht Meter hohen Nistplatzes entdeckt.

Eilig wurde Christian Wick, der Falkner vom Feldberg-Falkenhof, gerufen. Der Experte konnte zum Glück feststellen, dass dem nur wenige Wochen alten Jungvogel nichts passiert war.

Er entschied sich dafür, den Vogel dorthin zu setzten, wo es für ihn mutmaßlich am besten ist - zurück ins Nest zu den Eltern. Hierzu wurde eigens ein Hubsteiger vom Königsteiner Betriebshof herangefahren und die Rettungsaktion problemlos zu Ende gebracht. Die Uhu-Eltern "Charlotte" und "Leopold", so die Auskunft der Stadt, haben das Junge wohl wieder angenommen. Das sei zumindest die Beobachtung aus der Ferne.

Denn nah heran können und wollen die Verantwortlichen nicht. Es gilt, die Aufzucht der Jungen nicht zu stören.

Der Absturz und die Rückkehr des Jungvogels dürfte bei nicht wenigen Freunden der Uhu-Familie Erinnerungen an die Geschehnisse des vergangenen Jahres wecken. In der zurückliegenden Brutsaison waren gleich zwei Küken aus dem Nest, das sich da noch im Innenhof der Burg befand, gestürzt. Ein Jungtier hatte bereits den Sturz nicht überlebt. Das zweite Küken wurde von Falkner Wick zunächst wieder aufgepäppelt und zurück ins Nest gesetzt, wurde dann aber zusehends schwächer und ging infolge eines Parasitenbefalls ein.

Es war ein letztlich natürliches, aber natürlich nicht schön anzuschauendes Dahinsiechen, das viele Zuschauer via Uhu-TV bei Youtube verfolgten.

"Das war für alle, die das Leben der Vögel live mitverfolgten, eine sehr emotionale Sache. Es war immer auch ein Spagat zwischen Verantwortungsgefühl und einem Eingriff in das Leben von Wildtieren", unterstreicht Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) in der Mitteilung.

Vor einer vergleichbaren Herausforderung habe man im vergangenen Jahr gestanden, als man nach dem Abflug der Uhus aus dem Innenhof an der Brutnische einen Ast als Barriere anbrachte, um Nest absturzsicher zu machen. Helm: "Es war eine einmalige Entscheidung, die schon damals nicht leicht war, aber durch Expertenrat mitgetragen wurde." Könnte der Umzug des Uhu-Pärchens vielleicht der Barriere und dem Fluch der guten Tat geschuldet sein? Reine Spekulation. Fakt ist, dass die gesicherte Nische zumindest in dieser Brutsaison leer bleibt, da sich "Charlotte" und "Leopold" einen anderen barrierefreien Nistplatz gesucht haben - abseits der Kameras und Ast-Sicherung.

Helm: "Wir können so auch die Reaktionen der Uhus auf die Veränderungen nicht mehr minutiös beobachten wie im letzten Jahr. Mit Eingriffen müssen wir daher besonders vorsichtig sein." Auch wenn die Tiere in diesem Jahr kamerascheu seien, gehörten sie zur Burg. Es seien Wildtiere, die man nicht beeinflussen könne. Das mache ja auch die Faszination aus.

Für den Fall, dass die Burg bei fallender Corona-Inzidenz demnächst wieder geöffnet wird, bittet die Stadt die Besucher, immer besondere Rücksicht auf alle brütenden Tiere auf der Burg zu nehmen. Das gilt für die prominenten Uhus, aber genauso für viele andere Vogel- und Tierarten, die die alte Ruine im Frühling zur Aufzucht ihrer Jungen nutzen. sj

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