So idyllisch der Königsteiner Kreisverkehr mit dem Wasserspiel in der Mitte von oben wirkt, so sehr ist er Dauerthema.
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So idyllisch der Königsteiner Kreisverkehr mit dem Wasserspiel in der Mitte von oben wirkt, so sehr ist er Dauerthema.

Rundkurs

Königstein: Kreisel-Bypass wird für Testlauf geöffnet

  • Stefan Jung
    VonStefan Jung
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Der Bürgermeister informiert das Stadtparlament über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Anwohnern.

Königstein -Was das Reich der kindlichen Kaiserin für den jungen Atréju ist, das ist für Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) der Kreiselbypass - der Dreh- und Angelpunkt einer "Unendlichen Geschichte". In der letzten Stadtverordnetenversammlung vor den Sommerferien von Martin Orlopp (CDU) danach befragt, wie denn der aktuelle Stand in Sachen "Öffnung der zweiten Kreiselspur" ist, gab der Rathauschef der Kurstadt in der ersten Sitzung nach der Sommerpause einen kurzen Bericht zu einem Thema ab, das eigentlich gar keines sein sollte, aber seit mittlerweile 14 Jahren eins ist.

So lange ist es her, dass der Kreiselumbau abgeschlossen wurde. Und so lange schon konnte das Rondell noch nicht einen Tag unter Volllast fahren. Der Grund: Kreisel-Anwohner hatten vom Start weg massive Bedenken geäußert, dass die zusätzliche Spur am Übergang von der Le Cannet-Rocheville- zur Frankfurter Straße ihnen mehr Verkehrslärm bescheren würde. Daher legten sie verwaltungsrechtlich Widerspruch gegen den Bebauungsplan wie auch gegen die Öffnung der zusätzlichen Spur ein und forderten den Bau einer Lärmschutzwand. Das aber blockte Hessen-Mobil als Baulastträger ab.

Was folgte und nach wie vor anhält, ist ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem die Stadt zunächst zwischen Anwohnern und Landesbehörde zu vermitteln versuchte, mittlerweile aber selbst zum Akteur geworden ist.

Wie Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) den Parlamentariern mitteilte, befinden sich die Stadt und die Kläger weiterhin in Vergleichsverhandlungen. Ein Ergebnis dieser Gespräche seien Lärmmessungen am Kreisel gewesen, mit denen der Ist-Zustand in Sachen Dezibel ermittelt wurde. Mittlerweile sei "ein finales Vorgehen besprochen". Demnach wollen Stadt und Kläger ein gemeinsames Schreiben an den Verwaltungsgerichtshof in Kassel schicken, in dem das weitere Vorgehen skizziert wird. Dieses Schreiben befinde sich derzeit in Abstimmung.

Zwei Monate lang

Lärm messen

Wie dieses weitere Vorgehen aussehen soll? Geplant sei, so Helm, die zweite Kreiselspur für einen Testzeitraum von zwei Monaten zu öffnen und den entstehenden Lärm zu messen, um so einen Vergleichswert zum Ist-Zustand zu haben. Seitens der Verwaltung gehe man nicht von einer signifikanten Erhöhung aus. Im Gegenteil.

Helm erwartet, dass die Lärmbelastung eher sinken könnte, wenn der Verkehr dank einer zweiten Spur besser abfließen kann. Die Reduzierung des Tempos auf 30 und der geplante Einsatz einer Ampelblitzanlage sollten ein Übriges tun, um den Verkehrslärmpegel nicht ansteigen zu lassen.

Sollte sich das durch den Vergleich der Lärmmessungen bestätigen, so die Hoffnung des Rathauschefs, dürften wohl auch die Anlieger einer dauerhaften Öffnung der zweiten Kreiselspur zustimmen.

Was die Installation der stationären Anlage zur Geschwindigkeitsmessung an der Ampel angehe, liege jetzt "nach mehrfachem Nachfragen bei der Firma Siemens [...] die Konformitätserklärung für die Lichtsignalanlage am Kreisel vor". Diese werde für die Programmierung des stationären Blitzers benötigt und sei an die Herstellerfirma weitergeleitet worden.

Ist die erst eingerichtet, könnte sie zumindest in den Anfangstagen doch das eine oder andere zu tun bekommen. Die wöchentliche Auswertung der derzeit am Kreisel installierten Anlage zur Geschwindigkeitsmessung zeigt laut Stadtverwaltung, dass 85 Prozent der Fahrzeuge, die erfasst werden, zwischen 45 und 50 Kilometer pro Stunde fahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei etwa Tempo 35. Und noch etwas zeigen die Messungen: Wöchentlich passieren den Aufzeichnungsbereich rund 60 000 bis 65 000 Fahrzeuge.

Mit Blick auf den Bau der von den Anliegern geforderten Lärmschutzwand hat die Stadt dafür zwar Geld im Haushalt bereitgestellt. Die Planung jedoch steht laut Helm noch aus, da man dazu die Lärmberechnungen von Hessen-Mobil brauche. In der Antwort aus dem Rathaus heißt es dazu, dass es nicht zielführend sei, in die Planung einzusteigen, ohne zu wissen, wie hoch die Wand sein müsse, um die größtmögliche Abschirmung zu erreichen.

Die benötigten Daten lägen wohl zwischenzeitlich bei der Landesbehörde vor. Zum Bedauern der Stadt seien sie jedoch "trotz mehrmaliger Nachfrage" noch nicht im Rathaus eingetroffen. sj

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