Katja Metz bringt für ihre ehrenamtliche Aufgabe als Dezernentin für Abfallwirtschaft viel Erfahrung aus ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Deponiepark Flörsheim-Wicker mit.
+
Katja Metz bringt für ihre ehrenamtliche Aufgabe als Dezernentin für Abfallwirtschaft viel Erfahrung aus ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im Deponiepark Flörsheim-Wicker mit.

Kampf dem Dreck

Königsteins neue Abfalldezernentin will der Vermüllung eine Abfuhr erteilen

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
    schließen

Egal ob Zuhause oder im Park: Stadträtin Katja Metz will mehr Bewusstsein in Sachen Entsorgung wecken

Königstein - Wenn Katja Metz spazieren geht, richtet sich ihr Blick oft auf den Boden: Hier achtlos weggeworfene Eisbecher, da zerfetzte Taschentücher, Unmengen an Zigarettenkippen und dort im Gebüsch entsorgte Hundehäufchen-Tüten. Die Königsteiner Stadträtin ärgert sich über den Müll, den einige Mitbürger auf öffentlichen Plätzen und in den Grünanlagen der Kurstadt hinterlassen.

"Er ist überall, wird einfach so hingeworfen!", konstatiert Metz, die seit Juni für die CDU im Magistrat sitzt und neuerdings Königsteins ehrenamtliche Dezernentin für Abfallwirtschaft ist. Das Thema liegt ihr, schließlich ist sie hauptberuflich als Assistentin im Deponiepark Flörsheim-Wicker angestellt. Dorthin wandert - nach der thermischen Verwertung im Frankfurter Müllheizkraftwerk - auch der Königsteiner Restmüll. Die bei der Verbrennung entstehende Schlacke wird zum Abdecken der Deponie verwendet.

Vis-à-vis zu ihrem Büro werden im Deponiepark auch Bioabfälle und Grünschnitt zu zertifiziertem Kompost umgewandelt. Allerdings verläuft das nicht immer reibungslos, denn es wandern zu viele Fremdstoffe in die braunen Tonnen, die dann mühsam von Hand aussortiert werden. Vor allem der hohe Plastikanteil ist ein Problem. "Ich wäre glücklich, wenn die Menschen sortenreiner entsorgen würden", so die Abfallwirtschafts-Expertin. Prinzipiell findet sie, dass "wir bei der Mülltrennung in Deutschland schon einen ganz guten Job machen", dennoch könne jeder Einzelne noch verantwortungsvoller handeln. "Das fängt doch schon beim Einkaufen an, wo man sich fragen sollte, ob alles komplett in Plastik eingeschweißt sein muss."

Zur Frage, ob Verpackungen über den gelben Sack oder vielleicht doch besser die gelbe Tonne entsorgt werden sollten, hat sie eine klar Meinung: beides. Für manchen sei eine stabile Tonne, die hungrigen Mäusen keine Chance lasse, die erste Wahl; andere bevorzugten - vielleicht aus Platzgründen - die handlicheren Säcke.

Für Kombi-Lösung aus Tonne und Sack

Eine Kombilösung, wie sie derzeit in Königstein praktiziert wird, ist daher ganz im Sinne der Dezernentin. Sie selbst gehört zur "Tonnenfraktion", hat sich ihr Exemplar für rund 60 Euro im Internet bestellt. Dass bei der jüngsten Abfuhr einige Säcke nicht mitgenommen oder Tonnen nicht geleert wurden, sondern mit leuchtend roten Aufklebern versehen wurden,weil der Inhalt nicht korrekt war, findet sie richtig.

Für nicht sinnvoll erachtet sie dagegen die für 2020 in Königstein reaktivierte Sperrmüll-Abholung zu festgelegten Terminen. Die zunächst geplante Lösung mit Abfuhr auf Bestellung erscheint ihr "effektiver, bürgernäher und auch kostengünstiger."

Zum einen würde das die Anzahl der professionellen, meist mit ihren Transportern durch die Stadt kreuzenden Händler reduzieren, die die Materialien Profit getrieben selten fachgerecht trennen und entsorgen würden.

Bei Anruf Sperrmüll

Zum anderen sei es doch viel praktischer, wenn man beispielsweise passend zu einem Umzug oder einer Wohnungsauflösung direkt einen Termin buchen könne und nicht auf den nächsten Vierteljahrestermin warten müsse. Katja Metz geht davon aus, dass die für die Kurstadt "richtige" Lösung im Zuge der nächsten Ausschreibung intensiv diskutiert werden wird.

Wenig zu diskutieren gibt es beim Thema "Vermüllung". Ob Hilda-Blick, Forellenweiher oder Kurpark: Nicht selten bieten sich hier wenig einladende Szenen. Metz, selbst mehrfache Mutter und Großmutter, verortet die Verursacher vornehmlich beim Nachwuchs - wohlgemerkt nicht nur dem aus Königstein.

So viel Verständnis sie dafür hat, dass sich junge Menschen treffen und ungestört auch mal feiern wollen: "Man muss seine Flaschen doch nicht einfach zerdeppern." Für die Königsteiner Abfalldezernentin ganz sicher kein Ausweis guter Erziehung, sondern viel mehr eine negative Folgeerscheinung, die das Leben in Wohlstand mit sich bringe.

Dem Nachwuchs hinterher räumen

Die Mitarbeiter des Betriebshofs hätten ihrerseits alle Hände voll zu tun, die gröbsten Spuren zu beseitigen. "Aber so viele Leute kann man gar nicht einstellen", betont Metz, um den jungen Leuten ständig hinterher zu räumen. Solle man vielleicht auch gar nicht. Denn wenn andere immer wieder den eigenen Müll wegräumen, dürfte das wenig Anreiz für eine Verhaltensänderung sein.

Ein morgendlicher Rundgang durch den Kurpark und über den Kapuzinerplatz zeigt ein eindeutiges Bild: An Laufwegen und Orten mit viel Publikumsverkehr sieht es recht ordentlich aus; auch die Fußgängerzone ist in einem guten Zustand, "denn hier machen nicht zuletzt die ansässigen Geschäftsleute sauber". Aber überall dort, wo man gemütlich sitzen kann, in blickgeschützten Ecken und Winkeln, sieht es schlimm aus: Dosen, Zigarettenpackungen, Einmal-Masken, Scherben und Unmengen Plastik verschiedenster Art. Repräsentativ fürs Gesamtbild auch die spontane Zählung an einer der Kurpark-Bänke: Mehr als 50 Zigarettenkippen liegen im Umkreis von zwei Metern.

"Das ist pures Gift, das in die Umwelt gelangt. Und dabei steht doch neben jeder Bank ein Mülleimer." Die Dezernentin kann nur den Kopf schütteln. So manche umherliegende Glasscherbe hebt sie selbst auf und wirft sie in den nächsten Müllbehälter: "Bei der Witterung jetzt wird die schnell zum Brennglas und es gibt Feuer."

Ob mit enger getakteten Leerintervallen, größeren oder auch automatisch schreddernde Müllgefäßen hier für Besserung gesorgt werden kann, dazu macht sich die Abfallwirtschafts-Dezernentin gerade kundig. Über ihren Beruf und die ehrenamtliche politische Tätigkeit ist sie mit Experten in vergleichbaren Städten vernetzt. Die grundlegende Aufgabe sieht sie jedoch woanders: "Man muss am Bewusstsein der Menschen arbeiten!" Um das zu erreichen will sie auch gerne Ansprechpartnerin für die Bürger der Kurstadt sein.

Neue Tonnen im Test

Der Mülleimer war voll, kein Aschenbecher griffbereit und außerdem war der Einwurf kaum zu treffen. Wenn man schon mal jemanden erwischt, der seinen Müll achtlos auf den Boden wirft und ihn darauf anspricht, sind die Rechtfertigungen fast immer die gleichen und wenig kreativ. Das sollte sich künftig ändern. Aktuell nämlich werden in der Stadt neue Abfallbehälter getestet, die mehr Raum für Müll und Kippen und weniger Platz für Ausreden bieten.

Nach Auskunft der Stadt wurden an den Bushaltestellen in der Georg-Pingler-Straße und in der Hauptstraße probeweise fünf neuartige Abfallbehälter aufgestellt: in zwei Größen und von drei verschiedenen Lieferanten. Neu ist vor allem, dass die weißen Plastikmüllbeutel nicht mehr heraushängen und eine separate Öffnung für Zigarettenstummel angeboten wird. Bisher wurden Zigaretten oben auf den Behältern ausgedrückt und dort abgelegt, mit der Folge dass die Reste von jedem Windstoß auf dem Gehweg verteilt wurden.

Die Idee zur "Neumöblierung" hatte Heinz Alter, Vorstand beim Königsteiner Verein BID (Business Improvement Districts), schon vor zwei Jahren von einer Reise nach Basel mitgebracht. Die Stadtverwaltung hat die Vorschläge jetzt aufgegriffen und einen Testlauf gestartet. Im mehrwöchigen Feldversuch geht es darum, herauszufinden, wie gut die neuen Modelle im täglichen Gebrauch und bei der Entleerung funktionieren, ob sie sich in das Straßenbild einfügen und wie sie Bürgern und Besuchern gefallen. Wer dazu seine Meinung abgeben will, kann dies gerne per E-Mail tun. Die Adressen unter denen die Ansprechpartner der Stadt und des BID zu erreichen sind, lauten: presse@koenigstein.de oder gerhard.adler@gmx.net.

Die Ergebnisse der Praxistests und die Einschätzungen, ob die neuen Behälter zu Königstein passen, sollen im September veröffentlicht werden. Geplant ist laut Stadt, im kommenden Jahr eine größere Anzahl neuer Behälter anzuschaffen und aufzustellen. von Katja Weinig

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare