Winfried und Simone Gann blicken auf 22 Jahre Spielzeughandel in Königstein zurück. Ihren orangefarbenen Laden mit dem auffälligen Acryldach schließen sie zum Jahresende.
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Winfried und Simone Gann blicken auf 22 Jahre Spielzeughandel in Königstein zurück. Ihren orangefarbenen Laden mit dem auffälligen Acryldach schließen sie zum Jahresende.

Ladenschließung

Königstein: Online-Handel und Mitarbeitermangel führen zum Aus

  • VonEsther Fuchs
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Winfried und Simone Gann schließen ihr Traditionsspielwarenfachgeschäft "TicTacToy" zum Jahresende. Sie tun es schweren Herzens.

Mit gemischten Gefühlen stehen Winfried und Simone Gann vor der bunten Auslage ihres Spielzeugfachgeschäfts. Es sind nur noch drei Wochen bis zu dem Tag, an dem ihr Spielzeugfachhandel "TicTacToy" für immer schließen wird. Eine Ära neigt sich in großen Schritten dem Ende zu. Mehrere Gründe bewegten die Inhaber Winfried und Simone Gann zu ihrem schmerzlich getroffenen Entschluss. Doch dazu später.

Halb Königstein scheint derzeit bei "TicTacToy" verabredet zu sein. Und das, obwohl die Regale seit einigen Tagen bereits recht leer sind. Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel haben bereits Weihnachtseinkäufe gemacht. Aber nach 22 Jahren Existenz füllen die Ganns ihre Regale nicht mehr auf. Es gilt das Motto: Was weg ist, ist weg. "Das ist schon ein trauriges Gefühl. Mir tut das besonders für die Kinder Leid", sagt Simone Gann, selbst Mutter. Sie blickt etwas betrübt auf Stofftiere, Bausteine und Spielekartons.

Mit ihrem Laden haben sich Simone und Winfried Gann ihre Jugend in ihren Herzen konserviert. Die Fachhändler informierten die Kundschaft über Trends und spürten Neuheiten oft selbst auf. Produkte testete man im Voraus. "Ich habe regelmäßig Spieleschulungen gemacht", erzählt Simone Gann.

Die beiden Königsteiner Geschäftsleute können allen Kunden genau erklären, was in den bunten Spielzeugkartons steckt. Beispielsweise die ausgeklügelten Baukasten-Murmelbahnen, eine Mischung für physikalische Experimentierfreude und Technikinteresse begeistert derzeit alle Altersklassen, verrät Winfried Gann. "Die sind echt klasse", so ein Kunde, der noch ein Brettspiel und ein Stofftier dazukauft. "Nicht nur Kinder lieben die Bahnen. Die haben schon manche Väter zum Ausprobieren gekauft, bevor das Kind geboren wurde", weiß Winfried Gann zu berichten. Die Pandemie habe den Spieltrieb befördert. Brettspiele, Puzzles und alles, was altersübergreifend Zuhause gespielt werden kann, sei gefragt.

Eine Nebenwirkung der Krise, die den Ganns mehr Umsatz brachte. Doch demgegenüber standen auch Probleme, die sich in der Krise verschärften. Der Online-Handel nahm zu. Obwohl sie selbst seit 2016 im Onlinehandel aktiv sind, habe die Konkurrenz nicht geschlafen, so die Ganns. Markenhersteller hätten mittlerweile ihre eigenen Onlineshops.

Von großen Anbietern unter Druck gesetzt

"Die großen Anbieter, die ja nicht nur Spielzeug, sondern auch alles andere anbieten, setzen Einzelhändler massiv unter Druck", erklärt Winfried Gann und ergänzt: "Im höheren Preissegment, so ab 30 Euro beginnen die Kunden zu vergleichen und werden preissensibel. Da haben die großen Anbieter mehr Spielräume." Nicht wenige Menschen bestellten dann im Internet. Was jedoch besonders schmerze, seien Auswirkungen der Corona-Lockdowns. "Lieferanten sind in die Discounter und bieten dort mittlerweile Markenware zu Preisen unter unserem Einkaufspreis an. Das hat Corona verschärft. Da kommen wir nicht mit", sagt Winfried Gann.

Dies alles hätten er und seine Frau ja noch akzeptiert, punktete man doch am Ort mit kompetenter Fachberatung und Nischenprodukten oder Trends aus dem Ausland, wie beispielsweise einer Bastellinie aus Frankreich oder Schulranzen, Büchern und Schulmaterialien. Warum das Ehepaar nun jedoch zum 31. Dezember die bunte Spielzeugwelt in der Georg-Pingler-Straße 11a für immer schließt, ist aber auch dem Problem Personalmangel geschuldet. Seit Jahren seien zuverlässige, langfristig tätige Mitarbeiter schwer zu bekommen. Auch einen Nachfolger fand man in den vergangenen fünf Jahre nicht.

"Schade, mit dem TicTacToy verschwindet eine kleine Institution aus dem Königsteiner Einzelhandel", so eine Mutter. Die Kunden sind betrübt. Das gelbe Gebäude mit dem prägnanten Acrylglasvordach, das Simone Ganns Vater, Wolfgang Schäfer, konzipierte, wird demnächst Erwachsenen und besonders Kindern und Jugendlichen fehlen.

Nina, Lea und Luise waren oft im TicTacToy. "Hier konnte man immer rein, wenn man auf den Bus gewartet hat, und etwas Süßes kaufen", sagt Nina. Lea ergänzt: "Wenn wir ein Geschenk für die Freundin kaufen wollten, haben wir hier immer etwas Schönes gefunden." Luise vermisst schon heute die vielen Geschenkekörbchen, wo Partygäste für Mitbringsel immer fündig wurden. "Über 50 Körbchen standen hier zu Hochzeiten. Im Schnitt hatten wir täglich 30 Körbchen in den Regalen", erinnern sich die Ganns. Diese Körbchen sind bereits leer.

Bis zum Jahresende sollen auch die rabattierten Auslagen verkauft sein. Esther Fuchs

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