Das SCK-Team bei einer seiner Orientierungslauf-Fortbildungen, hier an der Rheingauschule in Geisenheim. Links im Bild der SCK-Vorsitzende Klaus Herrmann.
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Das SCK-Team bei einer seiner Orientierungslauf-Fortbildungen, hier an der Rheingauschule in Geisenheim. Links im Bild der SCK-Vorsitzende Klaus Herrmann.

Bewegungsidee

Königstein: Orientierungslauf für den Schulsport

  • VonKatja Weinig
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Der Landessportbund zeichnet die OL-Abteilung des Sportclubs für ihr Fortbildungsengagement mit dem "Kooperationspreis Schule und Verein" aus.

Königstein -Mit einem vierten Platz beim "Kooperationspreis Schule und Verein" des Landessportbundes Hessen ist die Abteilung Orientierungslauf (OL) des SC Königstein (SCK) ausgezeichnet worden. Prämiert wurden Aktionen von Sportvereinen, die in Zusammenarbeit mit Schulen während der Corona-Pandemie neue Sport- und Bewegungsformate initiiert und umgesetzt haben.

Die Idee des SCK: OL-Fortbildungen für Sportlehrer "live" vor Ort auf dem jeweiligen Schulgelände, optional auch mit kompletten Schulklassen oder Sportkursen. Im Rahmen des Programms "Orientierungslauf im Schulsport" gingen dabei in den vergangenen Monaten an mehr als 20 Schulen in ganz Südhessen, von der Grundschule bis zum Gymnasium, mehrere Hundert Schüler auf Postenjagd.

Ziel der Fortbildung, die in Abstimmung mit dem Oberschulamt beworben wurde, ist es, dass die Sportfachschaften künftig Orientierungslauf als Bereicherung des Sportunterrichts oder als AG anbieten können.

SCK-Abteilungsleiter Ingo Horst, selbst erfahrener Orientierungsläufer und mehrfacher Deutscher Meister, ist überzeugt davon, dass das, was in öffentlichen Parks und Naherholungsgebieten möglich ist, erst recht von Schulen umgesetzt werden kann: "Jede Schule hat ein Schulgelände und damit den idealen Platz, damit Schülerinnen und Schüler in einem geschützten Umfeld OL erleben können - und dabei gleichzeitig ihren Körper und die grauen Zellen herausfordern."

Jede Schul-OL-Fortbildung war vom Verein aufwendig vorbereitet worden: Eine spezielle Laufkarte des jeweiligen Schulgeländes wurde erstellt, Materialien für komplette Klassen ausgedruckt und laminiert sowie Fotos für die Trainingsform "Foto-OL" geschossen. Ein vierköpfiges Team des SCK bot die Fortbildungen ehrenamtlich an. Mit dabei auch der erste Vorsitzende, selbst bis vor Kurzem als Sportlehrer an der St.-Angela-Schule aktiv. Klaus Herrmann weiß daher, dass Orientierungslauf nur wenigen seiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ein Begriff ist, "und noch weniger haben sich bislang getraut, diese Sportart im Unterricht anzubieten". Die Corona-Pandemie erwies sich als Chance, der traditionsreichen Randsportart zu einem Popularitätsschub zu verhelfen, schließlich war OL als kontaktloser Freiluftsport in kleinen Gruppen jederzeit erlaubt und möglich.

Alexander Jordan vom Hessischen Kultusministerium lobte in seiner Laudatio anlässlich der Preisverleihung in den Räumlichkeiten des Landessportbundes an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt vor allem die Vielzahl der beteiligten Schulen und die Idee, Sportlehrer als Multiplikatoren zu gewinnen.

Eine erfreuliche Nachricht am Rande der Preisverleihung für die Königsteiner ist zudem, dass ihre Sportart wieder mehr Gewicht in der Sportlehrerausbildung und im Rahmen von Schulwettbewerben wie "Jugend trainiert für Olympia" erhalten könnte. "Auf Schulamts-Ebene passiert gerade einiges pro Orientierungslauf", freut sich Klaus Herrmann.

Der Schulsport-Club selbst erhofft sich, dass langfristig mehr Kinder und Jugendliche Freude an der Postenjagd mit Karte und Kompass im Gelände haben, schließlich könnten sie "mit dieser rundum fordernden und fördernden Sportart viele positive Erlebnisse verbinden".

Das Preisgeld in Höhe von 500 Euro will der Verein in weitere Lehrer-Fortbildungen investieren: Fahrtkosten für Vorbereitungstermine und die Schulung, kartographische Arbeiten und Materialkosten für die Grundausstattungen summieren sich nicht unerheblich. Derzeit finden wegen dem Wetter keine Fortbildungen statt, im Frühjahr soll das Programm jedoch fortgesetzt werden. Interessierte Schulen können sich per E-Mail an ol@sckoenigstein.de oder info@sckoenigstein.de an den Verein wenden. KATJA WEINIG

Mit Karte und Kompass ins Ungewisse rennen

Beim Orientierungslauf (OL) werden im Gelände mehrere Kontrollpunkte festgelegt, die mit Hilfe von Landkarte und Kompass gefunden werden müssen. Dabei wählt der Läufer die für ihn optimale Route selbst. OL erfordert dadurch neben körperlicher Fitness auch ein hohes Maß an geistiger Leistung.

Der Orientierungslauf entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Skandinavien, wo er inzwischen Volkssport ist. Er wird heute weltweit betrieben. Der internationale OL-Sport ist in der International Orienteering-Federation (IOF) mit zurzeit 76 Mitgliedsländern organisiert. Der OL zählt zu den vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannten Sportarten, wurde bislang jedoch noch nicht bei Olympischen Spielen ausgetragen. Neben dem klassischen Orientierungslauf gibt es zahlreiche Varianten, so etwa das Mountainbike-Orienteering und den Ski-Orientierungslauf. Da die meisten Spielarten des OL in naturnahen Gebieten stattfinden, werden die ökologischen Auswirkungen von Wettkämpfen kontrovers diskutiert.

Vor dem Start stehen dem Orientierungsläufer neben der allgemeinen Geländebeschaffenheit meist nur wenige Informationen zur Verfügung, insbesondere die Streckenlänge in Luftlinie und die zu absolvierenden Höhenmeter. Darüber hinaus sind ihm Anzahl und Beschreibung der Kontrollposten sowie eventuell zu absolvierende Pflichtstrecken bekannt. Die Karte wird dem Sportler erst unmittelbar vor dem Start ausgehändigt. Darauf aufgedruckt finden sich die anzulaufenden Posten in der vorgegebenen Reihenfolge, die sogenannte Bahn. Das Absolvieren der Posten in der vorgeschriebenen Reihenfolge wird durch mitgeführte Kontrollsysteme, heute meist elektronische Geräte, überprüft. (Quelle: Wikipedia)

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