Das ehemalige Parkhotel Bender soll ein würdiges Entrée zur Stadtmitte und zur Altstadt werden.
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Das ehemalige Parkhotel Bender soll ein würdiges Entrée zur Stadtmitte und zur Altstadt werden.

Glanz vergangener Tage

Königstein: Richtfest im ehemaligen Parkhotel Bender

Alte Handwerkskunst macht aus altem Gebäude in Königstein ein neues Schmuckstück.

Königstein -Scherben bringen bekanntlich Glück - und sind daher auch festes Ritual bei einem Richtfest. Mit dem Aufstellen eines mit roten und grünen Schleifen geschmückten Richtbaums, einem traditionell in Reimform vorgetragenen Segensspruch und dem Zerschmettern eines geleerten Weinglases am Dachgebälk wünschte Zimmerermeister Manfred Lein dem ehemaligen Parkhotel Bender Glück und Gottes Segen. Mit dem Aufschlagen des Dachstuhls ist ein wesentlicher Teil der Rohbauarbeiten, die dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble zu neuem Glanz verhelfen, in diesen Tagen abgeschlossen worden. Das Richtfest fand Corona-bedingt nur in kleinem Kreis und unter freiem Himmel statt.

Während die alte Bausubstanz des Hauses, dessen drei Hauptteile in den Jahren 1889, 1911 und 1929 errichtet wurden, im Wesentlichen erhalten werden konnte, war der Dachstuhl oberhalb des Alnatura-Marktes nicht mehr zu retten. Witterung und der Zahn der Zeit hatten dem Gebälk so zugesetzt, dass es komplett abgetragen werden musste. Zuvor war der Boden mit Dachpappe fest verschlossen worden, damit während der Arbeiten in luftiger Höhe kein Regenwasser in die darunterliegenden Etagen eindringen konnte. Ein stabiler Ringanker aus Beton, mehrere Stahlträger und meterweise neue Balken bilden nun das neue Gerüst der künftigen Dachgeschosswohnung.

Zwei Wochen lang werden die Arbeiten nun ruhen, da die Experten des Dachdecker- und Zimmerbetriebs Heinkel im wohlverdienten Sommerurlaub sind; danach wird das Dach mit Schieferplatten neu eingedeckt, um optisch dem Original in nichts nachzustehen.

Lange Liste von Interessenten

Wer einmal in den Genuss kommen wird, vom überdachten Balkon der obersten Wohnung aus den Blick über die Burg, die zu Füßen liegende Königsteiner Altstadt und den Großen Feldberg bis hin zum Kurbad schweifen zu lassen, steht derzeit noch nicht fest. Eine lange Liste mit Interessenten für die zehn Mietwohnungen - die kleinste misst 50, die größte 180 Quadratmeter - liegt im Bad Homburger Architekturbüro Bezzenberger jedoch bereits vor. Bei Architekt Hans Bezzenberger, seiner Frau Juliane Brandt-Bezzenberger und Projektleiterin Kristin Döhnert laufen sämtliche Fäden der behutsamen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten zusammen.

Jede Woche treffen sie sich vor Ort mit den Handwerkern, die allesamt Spezialisten im Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz sind. Auch die Bauherren von der Parkhotel Bender & Schwind KG lassen es sich nicht nehmen, jede Woche mit dabei zu sein. "Wir haben wirklich tolle Firmen hier, die das alte Handwerk beherrschen", betont Mit-Bauherrin Sophie Charlotte Russbüldt-Mendig. "Gemeinsam schaffen wir es, diesem altehrwürdigen Objekt Stück für Stück wieder Leben einzuhauchen."

Über den kontinuierlichen Baufortschritt freute sich anlässlich des Richtfests auch Bürgermeister Leonard Helm (CDU), für den das "prägende Gebäude an zentraler Stelle Königsteins" nicht nur "Entrée zur Stadtmitte und zur Altstadt" ist, sondern auch eine Herzensangelegenheit, ist es doch der ehemalige Stammsitz seiner Familie. Allen Beteiligten sei es "hervorragend gelungen, den Charme des Hauses mit all seinen unterschiedlichen Bauteilen zu erhalten", findet Helm.

Anbau wird abgerissen

Während der erste Bauabschnitt mit den drei unter Denkmalschutz stehenden Bauteilen nun mit dem Eindecken des Dachs, der Fertigstellung der Fassade und dem Innenausbau auf die Zielgerade einbiegt, laufen die Gespräche zwischen Bauherren und Architekten mit der Stadt und dem Alnatura-Betreiber zur Zukunft des Anbaus aus den 1970er Jahren und der Parkplatzsituation noch. Einigkeit besteht darin, den Anbau abzureißen. An seiner Stelle soll in Abstimmung mit der Denkmalpflege ein moderner Neubau mit Tiefgarage entstehen, in der auch Parkplätze für die Kunden des Bio-Lebensmittelmarkts zur Verfügung stehen. In welcher Anzahl ist ebenso Bestandteil der aktuellen Verhandlungen wie eine mögliche Vergrößerung der Supermarktfläche und die künftige Regelung zur Anlieferung.

Für interessierte Königsteiner, die den Umbau des historisch bedeutsamen Gebäudes seit Monaten aufmerksam verfolgen, hat Architekt Hans Bezzenberger noch zwei gute Nachrichten: Bevor die künftigen Mieter einziehen, wird es "eine Art Tag der offenen Tür" geben. Und auch eine "halböffentliche Passage" zwischen Tiefgarage und Wohngebäude ist in Planung, in der historische Relikte, die beim Entrümpeln gefunden wurden oder bei den Sanierungsarbeiten zutage traten, als stumme Zeitzeugen in einer Dauerausstellung präsentiert werden. Schilder, Dokumente und auch die vielen Königsteinern so vertraute Putz-Aufschrift "Zimmer mit u. ohne Pension" links des ehemaligen Hoteleingangs sollen dort ihren Platz finden. "Wir werden die Beschriftung nicht im Putz erhalten können, aber in angemessener Form in der Ausstellung zeigen", verspricht der Architekt.

VON KATJA WEINIG

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