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Seit Ostermontag hat die Uhu-Mutter nur noch ein Jungtier im Nest zu versorgen. Sollte das zweite Jungtier auch seinen zweiten Absturz überstehen, scheint es dennoch sehr unwahrscheinlich zu sein, dass es nochmal ins Nest zurückkehrt . 

Webcam-Bilder

Plötzlich stürzen die Küken in die Tiefe - Drama um beliebte Uhu-Familie im Taunus

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Die Uhu-Familie der Burg Königstein hat viele Fans. Nun spielte sich rund um das Nest ein tödliches Drama ab. 

  • Uhu-Familie auf Burg Königstein hat große Fan-Gemeinde
  • Eine Webcam zeigt ein Drama im Uhu-Nest: Küken stürzen mehrere Meter in die Tiefe
  • Eines der Königsteiner Jungtiere stirbt, ein zweites wird gerettet

Königstein – Für die große Fangemeinde der Königsteiner Burg-Uhus waren es bedrückende Bilder, die da via Webcam am Ostersonntag und -montag aus dem Nest übertragen wurden. Von den drei Jungtieren sind zwei in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags aus ihrer Nische in der Mauer der Burg gefallen und mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Eines der beiden Küken hat den Absturz nicht überlebt. 

Das zweite wurde am Sonntag von einem Falkner zunächst zurück ins Nest gesetzt. Das gerettete Jungtier stürzte aber am frühen Montagmorgen erneut aus der Mauernische. Dieses Mal landete es im zuvor am Boden ausgelegten Stroh. Ob es jedoch überlebt, war am Montag noch nicht klar.

Drama im Uhu-Nest von Königstein: Absturz bei Fütterung

Begonnen hatte alles in den ganz frühen Morgenstunden des Ostersonntags. Gegen 3.42 Uhr waren die kleinen Uhus bei der Fütterung durch die Mutter zu eng und zu gierig zusammengerückt. Mit einem besonders dicken Brocken im Schnabel hatte sich eines der Jungtiere in der Folge zu nah an den Rand der Nische heran gewagt und die Balance verloren. Küken Nummer zwei stürzte nur wenige Sekunden später ebenfalls in die Tiefe. Die Szenen wurden von der Webcam, die rund um die Uhr Bilder aus dem Netz ins Internet live überträgt, aufgezeichnet.

Scheinen die Mutter und das im Nest verbliebene Jungtier zunächst kaum Notiz von dem Geschehen zu nehmen, so merkt man dem Weibchen in der Folge doch die Unruhe an. Gegen 3.49 Uhr verlässt sie letztlich das Nest. Allerdings zunächst nur, um gegen 4.11 Uhr mit frischem Futter für das wartende Küken zurückzukehren. Bald darauf fliegt das Muttertier noch einmal davon. Als sie gegen 6.15 Uhr wieder im Nest landet, hat sie erneut ein totes Tier im Schnabel. Dieses Mal aber ist es das beim Absturz ums Leben gekommene Jungtier, das sie zurück zum Nistplatz gebracht hat.

Königstein: Bürgermeister Helm war als erster bei den Uhus

Was die Kamera und damit auch die Uhu-Fangemeinde weltweit zunächst nicht zu sehen bekommen, ist das, was am Boden weiter passiert. Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) ist der erste am "Unfallort". Von den Nachrichten aus dem Nest aufgeschreckt, macht er sich am Ostersonntag gegen 6.30 Uhr auf den Weg zur Burg, um nach dem Rechten zu sehen.

"Ich hatte bewusst mein Fernglas mitbekommen, um mir zunächst aus sicherer Entfernung und ohne die Tiere zu beunruhigen einen Überblick zu verschaffen. Was ich erkennen konnte war, dass das zweite Jungtier am Boden offensichtlich noch lebte", berichtete Helm wenige Stunden später gegenüber unserer Zeitung. Um fachmännischen Rat hinzuzuziehen, habe er in einem ersten Schritt Königsteins Umweltbeauftragte Birte Sterf angerufen, die wiederum Christian Wick, den Falkner vom Feldberghof, einschaltete.

Helm: "Herr Wick war so nett, sich gleich ins Auto zu setzen und am Sonntagmorgen von Neu-Anspach aus zu uns nach Königstein zu kommen." Selbstverständlich, so der Königsteiner Rathauschef, sei das ganz sicher nicht. Zumal Christian Wick selbst frisch gebackener Vater ist und Frau und Kind gerade erst am Samstag aus dem Krankenhaus nach Hause geholt habe.

Drama im Uhu-Nest von Königstein: Spenden-Aktion für Falknerei

"Da kann man sich für den ersten Sonntag in Familie sicher etwas Besseres vorstellen, als frühmorgens zum Uhu-Notdienst auszurücken", hob Helm hervor. Zumal der Falkner derzeit noch ganz andere Sorgen hat. Seine Falknerei auf dem Feldberg ist seit Wochen in Folge der Corona-Krise geschlossen, der Fortbestand des Betriebs steht auf dem Spiel. Helm: "Abgesehen davon, dass wir vonseiten der Stadt Herrn Wick natürlich für seinen Aufwand entschädigen werden, sollten wir schauen, ob wir ihn und seine Falknerei nicht vielleicht über eine Spendenaktion unterstützen können. Er leistet tolle Arbeit."

Auf der Burg angekommen, habe der Mann vom Greifvogel-Fach das Jungtier denn auch erst einmal in Augenschein genommen und auf äußere Verletzungen hin untersucht. Brüche oder Ähnliches seien nicht zu sehen gewesen. "Natürlich sind innere Verletzungen nie auszuschließen. Aber nach Meinung von Herrn Wick würden solche Schäden sehr schnell zum Tod des Tieres führen", betonte Helm.

Königstein: Uhu-Küken kommt nach Sturz in Nest zurück

Der Umstand, dass das Küken bereits mehrere Stunden am Boden überlebt habe, hätte jedoch die Hoffnung genährt, dass das Junge den Absturz überleben könnte. Deshalb auch habe man sich mit Christian Wick darauf verständigt, das Küken zurück ins Nest zu setzen. Hierzu hatte der Königsteiner Rathauschef am Sonntagmorgen auch gleich noch den Betriebshof alarmiert, um die passende Leiter für Wicks Aufstieg heranzuschaffen.

In luftiger Höhe setzte der Falkner das immer noch sichtlich angeschlagene Küken zurück an seinen Platz und beseitigte das tote Jungtier. Helm: "Wir wollen so zum einen verhindern, dass die Mutter ob des toten Kükens das Nest und die Jungen vielleicht aufgibt. Zum anderen möchten wir vermeiden, dass das verstorbene Jungtier zur Mahlzeit für die Geschwister wird. Beides soll schon vorgekommen sein."

Königstein: Zweites Drama im Uhu-Nest am Montag

Dass das Muttertier in dem Moment das Nest verlassen und auch zunächst nicht zurückkehren würde, war absehbar und musste riskiert werden. "Wir müssen geduldig sein und abwarten, ob die Mutter im Laufe des Tages zurückkehrt", gab Helm am Sonntagmittag die weitere Marschroute vor.

Und das Warten lohnte sich. In den Abendstunden kehrte die Mutter zu ihren beiden verbliebenen Jungtieren zurück. Sie untersuchte das wieder eingesetzte Junge zart mit dem Schnabel und fütterte es ein wenig.

Um dem Uhu-Nachwuchs zumindest etwas mehr Sicherheit zu geben, hatte man vonseiten der Stadt den Burghof unter der Uhu-Nische am Sonntag mit Stroh ausgelegt. Eine Maßnahme, die sich bereits am Ostermontag ausgezahlt haben dürfte. Gegen 5 Uhr morgens war das Küken, das bereits am Sonntag abgestürzt war und vom Falkner zurück ins Nest gebracht wurde, erneut aus der Nische gefallen und dieses Mal im Stroh gelandet.

Königstein: Uhu-Küken in Tierklinik gebracht

Hier wurde es von Rathauschef Helm schon kurze Zeit später aufgelesen. Seinen ersten Eindruck teilte er mit den Uhu-Fans via Youtube. Das Jungtier wirke recht agil, äußere Verletzungen seien neuerlich nicht zu erkennen.

Dennoch sollte es für das Küken nicht noch einmal zurück ins Nest gehen. Helm brachte den kleinen "Unglücksraben" per Auto zum Falkner. Und der ließ ihn gestern in der Tierklinik untersuchen. Gestern Nachmittag kam die gute Nachricht. Wick: "Der junge Uhu hat außer einem großen blauen Fleck keine besonderen Blessuren. Er ist munter und hat auch schon ordentlich gefressen." Jetzt soll das Tier auf dem Falkenhof auf den Feldberg aufgepäppelt werden. Der Falkner hat damit nun insgesamt vier Jungvögel, die aufgezogen werden müssen.

Informationen zu Spenden für den Falkenhof finden sich auf der Website www.falknerei-feldberg.de. Die Nische mit den Uhus auf der Burg kann per Webcam beobachtet werden: www.koenigstein.de

Von Stefan Jung

Die Uhus der Burg Königstein sind jedes Jahr eine der Attraktionen der Stadt. 2019 spielten sich bereits ähnlich dramatische Szenen rund um das Nest ab, wie zuletzt. Auch damals stürzte eines der Küken zu Boden. Eine ebenso schockierende Geschichte rund um die schönen Vögel kommt aus der Region Limburg: Dort verfing sich ein Uhu in einem Weidezaun

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