Pool Garten Sommer
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In Königstein fließt im Sommer zu viel Wasser. Nicht etwa, weil die Menschen mehrfach duschen, sondern große Teile fließen in Pools und Gärten. (Symbolbild)

Wasser-Knappheit

Trinkwasser-Krise in Königstein: Wasser landet zu oft in Pools und Gärten

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
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Bis zu 4,5 Millionen Liter flossen im Juli täglich in Königstein aus dem Hahn - zu vieles davon in Gärten und Pools.

  • In Königstein im Hochtaunus wird in den Sommermonaten das Trinkwasser knapp.
  • Der Tagesverbrauch liegt bei 4500 Kubikmetern Trinkwasser.
  • In einer bestimmten Gegend ist besonders hoher Verbrauch zu erkennen.

Königstein - Das Trinkwasser war zuletzt in Königstein in aller Munde. Und das nicht nur beim morgendlichen Zähneputzen, sondern auch als Thema in Sozialen Medien und politischen Gremien. Nach dem dritten regenarmen Sommer in Folge und der neuerlichen Ausrufung der Trinkwasserknappheit wächst die Sorge, dass die Kurstadt irgendwann ganz auf dem Trockenen sitzen könnte.

Passend dazu hat das Stadtparlament unlängst nicht nur eine Zisternensatzung beschlossen, sondern zudem den Magistrat damit beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, dass die Trinkwasserversorgung dauerhaft sichern soll. Aus Sicht von Peter Günster würde allerdings schon das Wassersparen in Haus und vor allem Garten reichen, um die Knappheit in den Griff zu bekommen. Denn ganz grundsätzlich, das kann der Betriebsleiter der Königsteiner Stadtwerke an den Verbrauchszahlen ablesen, hat die Kurstadt kein Wasserproblem.

Trinkwasser-Krise in Königstein: Viel Wasser landet im Sommer in Pools und Gärten

„Übers Jahr gesehen ist der Pro-Kopf-Verbrauch seit den Achtzigern sogar rückläufig - trotz der jüngsten Hitzesommer“, betonte Günster jetzt bei einem Pressegespräch. Flossen 1987 umgerechnet noch 174 Liter Wasser pro Königsteiner aus dem Hahn, so waren es 2019 nur 154 Liter. Das Problem, für das man eine Lösung finden müsse, sei ein zeitlich begrenztes. Konkret gehe es um die „hohen Tagesverbräuche“ in den Sommermonaten, die man einbremsen müsse.

Allein in der zweiten Juli-Hälfte hätten die Königsteiner jeden Tag nahezu 4500 Kubikmeter Wasser aus den Rohren laufen lassen. Das sind fast 260 Liter pro Kopf und Tag. Normalerweise, so der Leiter der Stadtwerke, liege der tägliche Verbrauch im Sommer bei rund 3000 Kubikmetern. Diese Menge reiche für eine „vernünftige Trinkwasserversorgung völlig aus“ und könne auch von den Stadtwerken problemlos vorgehalten werden. Aber 4000 bis 4500 Kubikmeter pro Tag - das hält das stärkste Versorgungsnetz nicht aus. Zumal der Zustrom aus den eigenen Stollen im Taunus wie auch der Zukauf von Riedwasser über den Wasserbeschaffungsverband Taunus nunmal endlich seien.

An der technischen Infrastruktur liegt es nicht, dass den Königsteinern im Sommer das Wasser durch die Finger rinnt. Davon sind Stadtwerke-Chef Peter Günster, stellvertretender Wassermeister Martin Teichmann und Erster Stadtrat Jörg Pöschl (von links) überzeugt. Die städtischen Einrichtungen, wie diese Wasseraufbereitungsanlage in Falkenstein, sind auf dem aktuellen Stand der Technik.

Dass der enorme Wasserverbrauch nicht darauf zurückzuführen ist, dass die Königsteiner an heißen Tagen mehrmals duschen oder in Zeiten des Homeoffice häufiger die heimische Toiletten-Spülung betätigen - das ist auch Königsteins Erstem Stadtrat Jörg Pöschl (CDU) nur zu bewusst. Als Vorsitzender der Betriebskommission Stadtwerke kennt Pöschl die jüngsten Verbrauchszahlen. Und wie Peter Günster liest er daraus ab, dass das wertvolle Nass über Berieselungsanlagen zu häufig in Gärten versprüht und in Pools gefüllt wird.

Trinkwasser-Krise in Königstein: Wo sitzen die Wasserverschwender?

Dafür, so Pöschl, spreche auch, dass man bereits in der zweiten Aprilhälfte einen extrem hohen Anstieg beim Tagesverbrauch verzeichnet habe. Und das nicht nur, weil es recht trocken war, sondern vor allem, weil nicht wenige Königsteiner den Lockdown nutzten, um das heimische Grün auf Vordermann zu bringen. Pöschl: „Die Gartencenter waren ja nicht ohne Grund überfüllt.“

Wo die Wasserverschwender von Königstein sitzen? Abgesehen von einer steigenden Zahl an meist anonymen Hinweisen, die bei Peter Günster eingehen, geben auch darüber die Verbrauchszahlen Aufschluss. Zumindest mit Blick auf die jeweilige Zone, die mit Wasser versorgt wird.

Und da rage die „Mittelzone“ Falkenstein schon unrühmlich heraus, wie Pöschl und Günster einräumen. In den Bereichen Reichenbachweg, Wiesenhang, Ellerhang, aber auch oberhalb des Bürgerhauses und in der Kronberger Straße liege der Wasserverbrauch im Sommer eklatant über den Werten des Winters.

Trinkwasser-Krise in Königstein: Appell an Vernunft statt Sanktionen

Doch selbst wenn man eine Vermutung hat, wer das Wasser sprudeln lässt, bleibt die Frage, was man dagegen unternimmt. Zwar gebe die Gefahrenabwehrverordnung laut Pöschl eine Sanktionierung der Wasserverschwender über Ordnungswidrigkeiten her. Bei der Stadt hat man zu diesem Mittel aber noch nicht gegriffen. Und vorerst wolle man das auch noch nicht tun, betont Pöschl. Allzu schnell werde sonst wieder der Vorwurf der Abzocke und Behördenwillkür laut. Stattdessen wolle man es vorerst noch weiter mit Appellen an die Vernunft versuchen.

Dass der Grad der Vernunft bei einigen Königsteinern nicht zwingend mit dem Kontostand und der akademischen Ausbildung anzusteigen scheint - dafür spricht, dass die öffentlichen Aufforderungen der Stadt zum Wassersparen in einigen Versorgungszonen geflissentlich ignoriert wurden.

Erst als man am 7. und 8. August über Lautsprecher die Trinkwasserknappheit ausgerufen habe, so Peter Günster, habe man eine signifikante Änderung des Verhaltens erkennen können. Günster: „Im Anschluss daran reduzierte sich der Tagesverbrauch schlagartig um etwa 1500 Kubikmeter auf unter 3000 Kubikmeter.“ Aktuell liege der Tagesverbrauch wieder bei nahezu 3500 Kubikmetern. (Stefan Jung)

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