Abwärts geflattert und verschwunden

Unglaubliches Naturschauspiel: Das erste Königsteiner Uhu-Kind fliegt aus

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Auf der Burgruine Königstein wachsen zwei kleine Uhus heran. Per Livestream konnten Fans nun die ersten Flugversuche eines Uhu-Kindes beobachten.

  • Auf der Burgruine Königstein wachsen zwei kleine Uhus heran
  • Am Dienstagmorgen hat das erste Uhu-Kind sein Nest verlassen
  • Per Livestream können die Uhus rund um die Uhr beobachtet werden

Königstein - Der junge Uhu steigt auf das Brett vor der Mauernische, beugt sich nach vorn - und endlich fliegt er. Der Nachwuchs-Greifvogel, der zusammen mit seinem jüngeren Geschwisterchen auf der Königsteiner Burgruine aufgewachsen ist, hat die Kinderstube verlassen. Am Dienstag um genau 7.09 Uhr und 35 Sekunden flatterte das neun Wochen alte Tier abwärts. 

Diskret beobachtet wurde es dabei von zahlreichen Fans per Web-Cam. Seit die Uhu-Mutter ihr Brutgeschäft begonnen hat, kann man über die Internet-Seite der Stadt Königstein zu jeder Tages- und Nachtzeit sehen, wie es der tierischen Familie geht.

Königstein: Uhu-Kind verlässt das Nest vor den Augen der Web-Cam-Zuschauer

Wo der kleine Abenteurer gelandet ist, konnte auch eine zweite Kamera nicht einfangen. "Bisher haben wir das Tier noch nicht gesichtet", sagte die Umweltbeauftragte der Stadt Königstein, Birte Sterf, am Dienstagnachmittag. "Es hat sich schnell verkrümelt und erholt sich jetzt sicher von seinem Flug." Dass sich ein Uhu tagsüber verstecke, sei normal. Mittlerweile wurde der kleine Uhu mit dem Namen Buddhine bei einem Spaziergang gesichtet.

"Wir haben schon seit einigen Tagen erwartet, dass der Uhu bald losfliegt. Er hat immer wieder trainiert und auch nach Möglichkeiten gesucht, aus der Nische herauszukommen, ohne abfliegen zu müssen." Am Montagabend etwa konnte man beobachten, wie das Tier versuchte, an der linken Innenwand der Mauernische aufwärts zu flattern.

Normalerweise nisteten Uhus eher in Felswänden oder Steinbrüchen, erklärte die Biologin. Dann kletterten die Jungtiere in einem Alter von vier bis fünf Wochen an in den Steilwänden umher und übten fleißig mit ihren Flügeln. "Ästlinge" nenne man sie dann. Aus der Königsteiner Mauernische aber gab es nur den einen Weg.

Uhu-Weibchen größer als Männchen

Welches Geschlecht das Tier, das von Chat-Teilnehmern aus dem Internet "Buddhine" genannt wird, wohl hat? Sterf geht davon aus, dass der junge Uhu tatsächlich weiblich ist. "Weibchen sind deutlich größer und schwerer als Männchen", sagte sie. Das zweite Jungtier, das nach dem Abflug seiner Schwester etwas verdattert in der Nische zurückgeblieben ist, sei wahrscheinlich ein Männchen. Es ist wesentlich kleiner und wird "Quax" genannt.

Den Namen hat dieses Tier nach seinem Unfall bekommen. Zweimal ist es am Osterwochenende aus dem Nest gerutscht und in die Tiefe gefallen, ein wahrer "Bruchpilot". Die Mauernische liegt in acht Metern Höhe.Ein dritter Jung-Uhu hat den Sturz nicht überlebt. Quax aber konnte gerettet werden. Jedes Mal ist Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) auf die Burg geeilt, um dem Tier zu helfen. Ein kleiner Youtube-Film berichtet über die Rettungsaktion und hat den Titel "Der Bruchpilot", der auf den bekannten Film mit Heinz Rühmann (als Quax) anspielt.

Nach dem ersten Sturz hat Falkner Christian Wick vom Falkenhof auf dem Großen Feldberg den kleinen Uhu zurück ins Nest gesetzt. Nach dem zweiten Sturz musste das Vögelchen zum Röntgen in die Tierklinik. Zum Glück hatte es nur Blutergüsse und Prellungen davongetragen. Dann kam es zum Falkner in Pension.

Burgruine Königstein: Uhu-Vater kommt mit essbaren Geschenken

Rund zehn Tage später gelang das Wagnis, das Tier nochmals zurück ins Nest zu setzen. "Schwester, Mutter und Vater haben den Kleinen wieder akzeptiert, obwohl er so lange Zeit weg war", erzählte Sterf. Die ersten Stunden seien ein bisschen kritisch gewesen. Quax sei fürchterlich aufgeregt durch die Mauernische getobt. Und seine Schwester sei schon ganz verschüchtert gewesen. "Aber dann hat er sich beruhigt. Und die beiden saßen nebeneinander, als wäre nichts gewesen."

Als dann die Uhu-Mutter zum Nest kam, war sie äußerst verwundert. In einem Youtube-Film mit dem Titel "Das erste Wiedersehen" schaut sie immer wieder von einem Jungtier zum anderen, so als wolle sie ihren Augen nicht trauen. "Aber dann hat sie die Situation akzeptiert und beide gefüttert", so Sterf.

Und der Uhu-Vater, der immer wieder kurz mit essbaren Geschenken im Nest vorbeikommt, hat seinem Söhnchen bald darauf eine Maus mitgebracht.

Uhu-Eltern füttern Junge bis in den Herbst

Ob die Körpergröße auch mit dem Unfall zu tun habe? "Anfangs war der Kleine in seiner Entwicklung weit zurück. Aber er hat schön aufgeholt und sich bei der Fütterung gut durchgesetzt", berichtete Sterf. Bis er losfliegen werde, dauere es aber noch eine Weile. "Er hat bisher kaum mit seinen Flügeln trainiert."

Dass Buddhine nach oben in die Mauernische zurückfliege, um Quax wieder Gesellschaft zu leisten, sei nicht zu erwarten. Ein flügge gewordener Uhu kehre nicht ins Nest zurück. Und: "Anfangs können die Jungtiere gut nach unten fliegen."

Am Dienstag früh, wenige Sekunden vor dem Abflug des ersten Jungtiers aus der Mauernische der Königsteiner Burgruine, die als Uhu-Kinderstube dient: Quax will mit Buddhine schnäbeln, aber die hat ihren Blick schon in die Ferne gerichtet.

Bevor er auch nach oben fliegen könne, müsse der Uhu aber noch kräftig seine Flugmuskeln trainieren. "Richtig fliegen können sie mit rund zehn Wochen." Die Uhu-Eltern füttern ihre Kinder übrigens noch lange, nachdem sie das Nest verlassen haben. Und zwar bis in den Herbst hinein. "Mit einem speziellen Ruf machen die Jungtiere dann auf sich aufmerksam."

Uhus auf der Burgruine Königstein können per Livestream beobachtet werden

Mutter und Vater (sie werden Charlotte und Leopold genannt) halten sich auch meistens in der Nähe ihres Nachwuchses auf und halten Wache. Nur drei Minuten nach Buddhines Abflug traf die Uhu-Mutter ein und fütterte den traurig nach unten blickenden Quax. Immerhin hatte er Appetit. Und Sterf berichtete: "Während der Fütterung habe ich seine Schwester klappern gehört. Sie muss also noch ganz in der Nähe gewesen sein." Uhus klapperten normalerweise mit dem Schnabel, wenn sie sich verteidigten. Buddhine habe aber auch bei ihren Flugübungen oft geklappert, vielleicht vor Anstrengung.

"Wir freuen uns, dass sich die jungen Uhus so gut entwickeln", resümierte Sterf und verriet, dass sie selbst auch ein großer Uhu-Fan sei: "Morgens schaue ich als Erstes, was im Nest los ist, und vor dem Schlafengehen ebenfalls." Wenn die Uhu-Kinder erwachsen sind, müssen sie den Königsteiner Burghain verlassen. "Sie suchen sich dann ein neues Revier, in dem sie genug Nahrung finden." In der Feldbergregion sei das schwierig, denn dort gebe es bereits mehrere Uhu-Paare. Wie viele genau, sei nicht bekannt. "Uhus werden nicht mehr standardmäßig beringt", hat Sterf erfahren. Die Bestände seien auf einem guten Weg.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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