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Zwei, die sich seit Jahrzehnten kennen und schätzen: Wolfgang Riedel (re.) wäre gerne an diesem Wochenende nach Le Cannet gereist, um seinem Freund Gaston Fischesser (li.) zu gratulieren. Der Königsteiner Ehrenbürger feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Foto: Privat

Städtepartnerschaft

Königstein würdigt "seinen" Grandseigneur

  • Stefan Jung
    vonStefan Jung
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Das Alter ist nur eine Zahl: Ehrenbürger Gaston Fischesser feiert in seiner südfranzösischen Heimat den 90.

Königstein/Le Cannet -Wenn es so etwas wie ein Anforderungsprofil für einen "Grandseigneur" gäbe, so dürfte Gaston Fischesser sehr nah an die Ideal-Besetzung herankommen. Weltoffen und charmant tritt er auf, verbindend und verbindlich. Ein Mann mit Prinzipien und Standpunkten, der mit Verve für seine Sache einsteht, seine Worte aber mit Bedacht zu setzen weiß - und das gleich in zwei Sprachen, derer er sich ganz selbstverständlich bedient.

Dabei war gerade das in seinen jüngeren Jahren keineswegs selbstverständlich. Deutsch und Französisch - das waren die Sprachen zweier feindlicher Nachbarn. Über Jahrhunderte hinweg.

Dass das heute nicht mehr der Fall ist, dass Franzosen und Deutsche bei aller Unterschiedlichkeit ein starkes Band der Freundschaft verbindet - daran hat Gaston Fischesser seinen Anteil.

Der Deutschlehrer aus Le Cannet-Rocheville, der am morgigen Sonntag in seiner südfranzösischen Heimat seinen 90. Geburtstag feiert, gehört zu den Männern und Frauen der ersten Stunde, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten damit begannen, dieses Band zwischen Städten und Gemeinden zu knüpfen.

Gaston Fischesser griff Anfang der 1970er Jahre gemeinsam mit anderen Cannetanern einen damals noch sehr dünnen Faden auf, der von der Côte d'Azur aus nach Königstein führte. Er gehörte damals zu den Mitbegründern der Städtepartnerschaft zwischen beiden Orten, die 1972 besiegelt wurde.

Dass diese Freundschaft bis heute Bestand hat, gepflegt, gefördert und gefeiert wird, darf sich Gaston Fischesser in großen Lettern auf die Fahnen schreiben. Daran gibt es für Wolfgang Riedel, den amtierenden Vorsitzenden des Königsteiner Partnerschaftsvereins, keinen Zweifel.

"Gaston war, ist und bleibt gerade für uns Königsteiner das Gesicht und ein Herzstück der Städtepartnerschaft", unterstreicht Riedel. Er selbst hat Fischesser bei seiner Teilnahme am ersten Jugendaustausch 1973 kennengelernt und ist ihm heute mehr denn je in großer Freundschaft verbunden.

Über Jahrzehnte, so Riedel, habe Gaston Fischesser die Arbeit des Partnerschaftskomitees auf französischer Seite angetrieben - immer unterstützt von seiner Frau. Aus gutem Grund habe die Stadt Königstein den gebürtigen Elsässer 1997 mit der Ehrenbürgerwürde bedacht. Eine höhere Auszeichnung hat die Kurstadt nicht im Portfolio. 2007 erhielt Gaston Fischesser zudem die Freundschaftsmedaille des Förderkreises der Städtepartnerschaft. Ehefrau Jacqueline wurde 2010 mit der Ehrenurkunde der Stadt bedacht

Obschon sich der Grandseigneur der Städtepartnerschaft vor einigen Jahren aus der ersten Reihe zurückgezogen hat, ist er seinem Herzensprojekt weiterhin eng verbunden. Nach wie vor gebe Fischesser Deutschunterricht, um die Verständigung seiner Landsleute mit den Freunden im Taunus zu erleichtern. Dass er seine Schüler Corona-bedingt nur online unterrichten könne, sei für ihn kein Problem. Im Gegenteil. Gaston Fischesser ist immer offen für Neues.

Mit seinem Freund Wolfgang tauscht er regelmäßig Textnachrichten übers Handy aus. Die "90", die er am morgigen Sonntag vollmacht, ist für ihn da nicht mehr als eine Zahl. Das hatte er gerade in einer SMS festgestellt und Augen zwinkernd hinzugesetzt, dass das Standesamt wohl einen Fehler bei seinem Geburtsdatum gemacht habe.

Offensichtlich gehört der Cannetaner zu den glücklichen Menschen, die so alt sind, wie sie sich fühlen. Und Gaston Fischesser fühlt sich fit, was womöglich auch der von ihm geliebten Gartenarbeit unter südlicher Sonne geschuldet ist.

"Seine Aktivität, seine geistige Agilität und sein ungebrochenes Interesse an der Städtepartnerschaft täuschen hervorragend über die Tatsache seines Lebensalters hinweg", unterstreicht Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) in einer Grußadresse an "seinen" Ehrenbürger. Als letzter der Gründungsväter der Partnerschaft sei Gaston Fischessers "Anwesenheit bis heute erhofft, sein Rat gewünscht, sein Einsatz gefordert".

Umso mehr hatten der Rathauschef wie auch Wolfgang Riedel gehofft, dem Jubilar die Königsteiner Glückwünsche persönlich überbringen zu können. Eine Delegation aus der Kurstadt wäre zu dem Anlass gerne nach Le Cannet gereist. Allein: Corona macht auch diesen Wunsch zunichte.

Wiedersehen im Sommer geplant

Helm: "Hoffentlich ist ein Wiedersehen im Sommer wieder möglich, bis dahin müssen wir uns leider mit den geschriebenen Worten begnügen. Herzliche Glückwünsche, Gaston Fischesser!"

Beim Gedruckten allein sollte es aber nicht bleiben. Etwas Süffiges und etwas Süßes aus Deutschland sollte am morgigen Sonntag auf jeden Fall auf der Kaffeetafel des Jubilars stehen. Der Förderkreis der Städtepartnerschaft hat eine Torte aus dem Café Kreiner und ein Kistchen Riesling nach Frankreich geschickt. Sollte Gaston Fischesser vielleicht auch noch etwas "Heimweh" nach seiner zweiten Heimat überkommen, kann er in einem Fotobuch blättern, das der Sendung beiliegt. Wolfgang Riedel hat darin seitenweise schöne Erinnerungen aus den vergangenen 25 Jahren zusammengetragen.

Dass neue gemeinsame Erinnerungen schon bald dazukommen, darauf baut Wolfgang Riedel: "Wir planen unsere deutsch-französische Wanderwoche vom 14. bis 21. Juni 2021 in Tirol und hoffen, dass wir dann mit Gaston nachträglich auf seinen Geburtstag anstoßen können."

Dieses Geschenk des Partnerschaftsvereins kann sich nicht nur sehen, sondern auch verkosten lassen. Foto: Kiefer

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