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Fastnacht

Königsteiner Festungsgarde ist beim Mainzer Rosenmontagsumzug dabei

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Große Ehre für die Königsteiner Festungsgarde. Die Herren in Uniform vertreten den Königsteiner Narrenclub und zugleich die Kurstadt beim großen Mainzer Rosenmontagszug. Als liebliche Wegbegleitung schließen sich den Gardisten Burgfräulein Isabella I. und ein Teil des Burgverein-Präsidiums an. Historisch betrachtet, sollte die Teilnahme am Umzug ein Heimspiel für die Königsteiner werden.

Dabeisein ist alles – was für die Sportler bei Olympia gilt, gilt gleichermaßen für die heimischen Fastnachter, wenn es um den Mainzer Rosenmontagszug geht. Für die Karnevalisten aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt eine närrische Selbstverständlichkeit, ist eine Einladung zum Mitlaufen für Nicht-Mainzer doch etwas Außergewöhnliches.

Entsprechend froh und stolz sind die Verantwortlichen des Königsteiner Narrenclubs „Die Plasterschisser“, dass die vereinseigene Historische Festungsgarde am Rosenmontag in Mainz mitmarschieren darf. Und sie tut das nicht allein. Dem Anlass angemessen, haben sich die Gardisten – angeführt von Klaus Kroneberg – glänzende Unterstützung an die Seite geholt: Burgfräulein Isabella I. samt Gefolge und Vertreter des Burgvereinspräsidiums werden in mittelalterlichen Gewändern gemeinsam mit den Plaschis die Kurstadt aus dem Taunus in der närrischen Kapitale am Rhein würdig präsentieren – vor Hunderttausenden Zuschauern am Straßenrand und Millionen an den Fernsehern wohlgemerkt.

Letztlich wächst damit zumindest für einen Tag wieder zusammen, was über Jahrhunderte fest zusammengehörte: Mainz und Königstein nämlich. Von 1581 bis 1803 gehörte die Kleinstadt im Taunus schließlich zum damaligen Erzbistum. Ein Aspekt, der gerade in jüngster Zeit wieder verstärkt in den Blick gerückt ist, diente doch die Königsteiner Festung dem erzbischöflichen Landesvater im 18. Jahrhundert als Haftanstalt, in der unter anderem führende Köpfe der gescheiterten Mainzer Republik eingekerkert wurden.

Und genau hier, wenn auch nach einem großen Bogen über mehrere Jahrhunderte hinweg, schließt sich denn auch der Kreis, der im großen Rundumschlag der Königsteiner Festungsgarde den Platz im Mainzer Rosenmontagszug gesichert hat. Wie das? Die Erklärung liefert Plaschi-Vorsitzender Udo Weihe: „Die Uniformen unserer Festungsgarde sind denen nachempfunden, die die Mainzer Soldaten trugen, als sie auf der Königsteiner Burg ihren Dienst taten.“ Das wiederum sei den Mitgliedern einer Mainzer Garde beim Besuch des Sachsenhäuser Brunnenfestes sofort aufgefallen, als man die Königsteiner Festungsgarde dort in vollem Ornat getroffen habe. Man kam ins Gespräch, das eine Wort gab das andere und am Ende stand die Einladung an die Königsteiner, doch beim Rosenmontagszug mal mitzulaufen.

Und wer kann dazu schon Nein sagen? Die Plaschi-Gardisten zumindest nicht. Zumal sie mit Udo Weihe ja einen Mann in ihren Reihen wissen, der mehr als nur ein Fastnachtslied davon singen kann, wie schön es ist, am Rosenmontag durchs „goldische Meenz“ zu marschieren. „Wenn man an den vielen Menschen vorbeizieht, die in Zehnerreihen und mehr am Straßenrand stehen und jubeln – das ist für mich der absolute Höhepunkt und die Belohnung für die ganze Session, ohne Wenn und Aber“, schwärmt der gebürtige Frankfurter, der in diesem Jahr bereits zum siebten Mal in Folge beim Mainzer Rosenmontagszug mitmarschiert.

Weihe hat am kommenden Montag allerdings nicht nur einen Erfahrungsvorsprung gegenüber seinen Königsteiner Kameraden. Er ist auch im Zug mehr als nur eine Nasenlänge voraus. Als Gardist in den Reihen der Kasteler Jocus-Garde geht er mit der Zugnummer 82 an den Start, die Kurstadt-Delegation folgt mit der 114 von insgesamt 156 Nummern. Der Mainzer Rosenmontagszug – und dann „nur“ 156 Nummern? Udo Weihe lacht bei der Nachfrage. Er kennt die Diskussion darum, wer denn nun den „Längsten“ hat. Weihe: „Um das besser einschätzen zu können, muss man wissen, dass auch die großen Korporationen in der Regel nur eine Zugnummer bekommen, dahinter dann aber mehrere Abordnungen und Wagen rollen.“ Allein die Jocus-Garde komme in voller Aufstellung auf 50 Meter Länge.

Deshalb auch, so der amtierende Plaschi-Chef, müssten klare Regeln befolgt werden, damit der närrische Lindwurm überhaupt einigermaßen durch die Straßen kommt. 7,2 Kilometer wollen bewältigt werden. Bummeln ist da nicht. Im Gegenteil. Gruppen, die zu langsam machen oder zu große Lücken lassen, so Weihe, könne es schon passieren, dass die Ordner sie aus dem Verkehr ziehen. Dann muss die folgende Gruppe umgehend die Lücke schließen.

Weitere klare Ansagen an die Zugteilnehmer betreffen das Werfen von Streumitteln – nur vom Wagen, nicht von den Fußgruppen – und das Mitführen von Getränken – kein Glas.

Die 30 Königsteiner, die in Mainz dabei sein werden, sind also vorgewarnt. Allerdings verfügen sie ja auch über reichlich Erfahrung. Immerhin ist ihr Burgfestumzug ja auch keine ganz kleine Nummer.

Für alle Daheimgebliebenen heißt es am Rosenmontag: Fernseher an und schauen, ob man die Königsteiner zu sehen bekommt. Und für alle, die mitziehen dürfen, gilt: Viel Spaß beim historischen Heimspiel!

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