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Schrauben locker: Königsteiner Hardtbergturm gesperrt - Polizei vermutet Straftat

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Von: Stefan Jung

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Wegen gelockerter Stufen musste das neue Wahrzeichen bereits nach einer Woche gesperrt werden. Stadt und Polizei gehen davon aus, dass Unbekannte bewusst die Stufen manipuliert hatten.
Wegen gelockerter Stufen musste das neue Wahrzeichen bereits nach einer Woche gesperrt werden. Stadt und Polizei gehen davon aus, dass Unbekannte bewusst die Stufen manipuliert hatten. © Stefan Jung

Er war nur ein paar Tage begehbar: Der Königsteiner Hardtbergturm wurde, kaum dass er eröffnet war, schon wieder gesperrt. Grund sind lockere Schrauben an den Stufen. Stadt und Polizei gehen von einer Straftat aus.

Königstein – Keine Woche war er offen, da ist er auch schon wieder dicht: der Königsteiner Hardtbergturm. Wer sich am Wochenende auf den Weg machte, das neue Wahrzeichen der Kurstadt zu erklimmen, der stieß schon am Fuße der stählernen Aufstiegshilfe auf Warnzeichen. Rot-weiße Absperrbänder der Polizei signalisierten Gefahr, ein Schild an der Treppe nannte den Grund für das Betretungsverbot: "Lockere Stufen".

Als am Samstag erste Nachfragen in den Sozialen Medien die Runde machten, was es mit der Sperrung und den gelockerten Stufen auf sich habe, lieferte Erster Stadtrat Jörg Pöschl (CDU) via Facebook eine erste Antwort: Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass sich Unbekannte an den Stufen zu schaffen gemacht und sie gelockert hätten. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen.

Königsteiner Hardtbergturm: Bürgermeister Helm (CDU) bestätigt Manipulation an Stufen

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) gestern Vormittag den Verdacht einer bewussten Manipulation. Zwar wolle auch er, so Helm, dem Ergebnis der laufenden Ermittlungen nicht vorgreifen. Aber es sei doch mehr als wahrscheinlich, dass hier bewusst an einigen Stufen hantiert worden sei. Und das nicht nur einmal.

Nach Aussage des Königsteiner Rathauschefs seien bei Kontrollgängen an unterschiedlichen Stellen und an unterschiedlichen Tagen Verdachtsfälle entdeckt worden. Betroffen gewesen seien stets waagerecht eingebrachte Schrauben, die nicht nur über Inbus und Mutter gehalten würden, sondern auch noch verklebt und überlackiert seien. Helm: "So was löst sich nicht einfach so, schon gar nicht nach so kurzer Zeit."

Königsteiner Hardtbergturm: Täter hat „Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung“ zu erwarten

Die Vermutung des Bürgermeisters wie auch der Polizei ist denn ebenfalls, dass hier wiederholt von Unbekannten Hand angelegt wurde – mit geeignetem Werkzeug und einem beachtlichen Maß an krimineller Energie.

Sollte sich dieser Verdacht erhärten und im besten Fall der Täter dingfest gemacht werden können, dann werde der Verursacher mit gravierenden Folgen zu rechnen haben. Davon ist der Königsteiner Rathauschef überzeugt: "Wir reden hier für den Fall einer Manipulation vom Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung und mehr."

Kontrollgänge und Videoüberwachung – Königsteiner will Hardtbergturm besser schützen

Wie es jetzt weitergeht? Zunächst einmal, so Helm, werde man technischerseits die nötigen Schritte ergreifen, um die Schrauben gegen Manipulationen noch besser zu schützen.

Darüber hinaus habe man schon nach den ersten Verdachtsmomenten die Überwachung hochgefahren. Ordnungsamt und Polizei seien mittlerweile regelmäßig am Ort, um nach dem Rechten zu schauen. Eine Videokamera sei vorhanden. Zudem werde die Stadt an der Praxis der Kontrollgänge festhalten.

Königssteiner Bürgermeister möchte Zaun und Öffnungszeiten vermeiden

Was den Blick in die weitere Zukunft angeht, stellt sich die Frage, ob noch weitere Anstrengungen nötig sind, um den Turm, aber vor allem die Menschen, die ihn besteigen möchten, besser schützen zu können. Denn das, darauf verweist auch der Rathauschef, habe natürlich oberste Priorität.

Also eine Tür an den Treppenaufgang, feste Öffnungs- und Schließzeiten, vielleicht sogar ein Zaun drumherum - wie am Frankfurter Goetheturm? Der Königsteiner Bürgermeister wollte das in der Vergangenheit gerne vermeiden, und daran hat sich nichts geändert.

Königsteiner Hardtbergturm: Offenheit ist Teil des Konzepts

Helm: "Wir haben uns darüber im Vorfeld natürlich Gedanken gemacht, aber uns damals bewusst dagegen entschieden." Zum einen gehöre die Offenheit zu den zentralen Merkmalen des Turms. Zum anderen treffe man mit Absperrmaßnahmen in der Regel nur die Leute, die ohnehin die geltenden Vorgaben akzeptieren und sich vernünftig verhalten.

Wo ein böser Wille sei, finde sich dagegen immer auch ein Weg, diesen umzusetzen. Das habe das Beispiel des Falkensteiner Burgturms gezeigt. Den habe man ebenfalls mit einer neuen Tür versehen, um Vandalismus abzuhalten. Die Folge sei gewesen, dass die Tür bereits nach kurzer Zeit zerstört worden sei.

Bürgermeister: Königsteiner Hardtbergturm soll noch im Laufe der Woche öffnen

Helm: „Es ist einfach nur traurig und ernüchternd, dass wir bei allem, was wir den Menschen an schönen Dingen bieten möchten, mittlerweile die Zerstörungswut und Unvernunft einiger, weniger einkalkulieren müssen.“

Davon jedoch wolle man sich die Freude über das neue Wahrzeichen nicht trüben lassen. Die Rückmeldungen, die er erhalten habe, so der Rathauschef, seien durchweg positiv. Deshalb hoffe er auch, dass man den Turm zeitnah wieder öffnen könne.

Alle, die am Wochenende den Aufstieg zum Hardtbergturm in Angriff nehmen wollten, mussten mit dem Ausblick von unten vorliebnehmen.
Alle, die am Wochenende den Aufstieg zum Hardtbergturm in Angriff nehmen wollten, mussten mit dem Ausblick von unten vorliebnehmen. © Stefan Jung

Zwar werde das nicht von heute auf morgen gehen. Doch noch im Laufe dieser Woche sollten die Absperrbänder verschwinden und der Aufstieg wieder freigegeben werden. (Stefan Jung)

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