Kurgeschäftsführer Thomas Rausch und Bürgermeister Leonhard Helm (von links) informieren Norbert Altenkamp (2.v.re) im Beisein von CDU-Fraktionschef Alexander Hees (re.) über die Planungen für die Zukunft des Kurbads.
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Kurgeschäftsführer Thomas Rausch und Bürgermeister Leonhard Helm (von links) informieren Norbert Altenkamp (2.v.re) im Beisein von CDU-Fraktionschef Alexander Hees (re.) über die Planungen für die Zukunft des Kurbads.

Denkmalschutz

Königsteiner Kurbad sollte der Nation etwas wert sein

  • Stefan Jung
    VonStefan Jung
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Kurstadt hofft auf Millionen schwere Unterstützung von Bund und Land - Helm: Sonst funktioniert die Sanierung nicht

Königstein -Ein imposantes Königsteiner Gebäude ist auf dem Weg, in den Rang eines Kulturdenkmals von nationalem Wert erhoben zu werden. Wer dabei jetzt an die Burg oder die Villa Rothschild denkt, hat dafür sicher gute Gründe - liegt aber falsch.

Eine deutlich jüngere und mitunter auch umstrittene "Schwester" der Wahrzeichen darf sich Hoffnungen auf den Aufstieg machen: das Kurbad.

Wie Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) jetzt bei einem Ortstermin ankündigte, arbeitet die Stadt daran, das 1977 eröffnete Bad im bundesweiten Denkmalpflegeprogramm "National wertvolle Kulturdenkmäler" unterzubringen. Erste Rückmeldungen aus dem Landesdenkmalamt in Wiesbaden seien da durchaus ermutigend gewesen.

Verdient hätte es das orange-blaue Gesamtkunstwerk auf jeden Fall. Davon sind der Königsteiner Rathauschef wie auch Kur-Geschäftsführer Thomas Rausch, überzeugt.

Das von documenta-Künstler Otto Herbert Hajek (1927 bis 2005) erdachte Farbkonzept wie auch der von den Stuttgarter Architekten Geier + Geier geschaffene Beton-Korpus machten das Bad, so Helm, zu etwas ganz besonderem.

"Brutalismus" in seiner farbigsten Form

Es handele sich eben nicht um einen simplen Funktionsbau aus den Siebzigern. Vielmehr sei hier bewusst "Spielraum für Architektur" gelassen worden, der genutzt wurde, um ein bedeutsames Abbild des "Brutalismus" zu schaffen.

Eine Formsprache, die gerade in den 1960er- und 70er Jahren stilprägend gewesen sei, sich mittlerweile jedoch in deutschen Städten kaum noch finden lasse. Umso mehr Prominenz komme dem Kurbad zu.

Nicht ohne Grund sei das Gebäude schon mehrmals in der deutschen Bauzeitung vorgestellt und bereits im zarten Alter von 36 Jahren (2013) in den Rang eines Kulturdenkmals erhoben worden.

Der jetzt angepeilte Aufstieg zu einem Kulturdenkmal von nationalem Wert wäre da mehr als nur die Kirsche auf der Sahne.

Und das nicht nur, weil es sich gut anhört, sondern vor allem, weil es erhebliche Fördermittel von Bundes- und Landesseite bringen könnte.

Die wiederum braucht die Stadt dringend, um die bereits überfällige und Millionen schwere Sanierung des Kurbads stemmen zu können.

Auf 18 Millionen Euro, so Kur-Geschäftsführer Rausch, werde der Finanzbedarf aktuell taxiert. Ein Teil davon soll über den Verkauf und die Bebauung des Wiesengrunds reingeholt werden. Aber reichen wird das nicht und kann es auch nicht - darauf verwies Bürgermeister Helm beim Besuch im Kurbad noch einmal ausdrücklich.

Natürlich, so Königsteins Rathauschef, wäre es die einfachste und billigste Lösung, alles abzureißen und gegebenenfalls einen neues Hallenbad zu bauen. Aber gerade, weil es sich um ein Stück jüngerer Geschichte handele, sollte man es sich nicht leicht machen: "Wir dürfen hier nicht alles einfach abreißen - das sagen die Denkmalschützer, die Historiker wie auch die Kulturhistoriker." Und nicht nur die. Helm verwies darauf, dass es auch unter denen, die in den vergangenen Jahren eine Schließung des Bades befürwortet hätten, einige gebe, die nicht grundsätzlich gegen die Einrichtung seien. Meist sei es der Kostenaufwand für Betrieb und Erhalt, der Kritik auf sich gezogen habe. Beides jedoch lasse sich über eine energetische Sanierung mit Unterstützung von Bundesseite merklich reduzieren. Als Kleinstadt dürfe Königstein mit dem Erhalt eines Denkmals dieses Ranges nicht allein gelassen werden. Erst recht nicht, wenn gleich gegenüber mit der Burg noch ein weiteres Wahrzeichen von überregionaler Bedeutung throne, dessen Bewahrung ebenfalls mit hohem Kostenaufwand verbunden sei. Die Kurstadt, so der Rathauschef, brauche dringend Unterstützung.

Für Letztere will sich künftig auch Norbert Altenkamp (CDU) in der Hauptstadt stark machen. Der Bundestagsabgeordnete der Union im heimischen Wahlkreis 181 nutzte einen Wahlkampftermin in Königstein dazu, sich an Ort und Stelle ein Bild vom Zustand des Bades und den Erfordernissen der Sanierung zu machen.

Altenkamp: Unikat ist erhaltenswert

Obschon er in seiner Zeit als Bad Sodener Bürgermeister dort das Ende des Heilbad-Daseins eingeläutet habe, so Altenkamp, sei er keineswegs ein Gegner der Kur. Für den Nachbarort sei die Konzentration auf fachmedizinische Angebot besser gewesen. In Königstein stelle sich die Situation jedoch anders das.

Altenkamp: "Dass man hierher zur Erholung fährt, das leuchtet jedem ein." Hier habe die klassische Kur noch ihren Platz. Und dazu gehöre das Bad, das auch in seinen Augen ein erhaltenswertes Unikat sei. Nicht nur im Interesse der Königsteiner, sondern auch mit Blick auf den Stellenwert, den das Bad über die Grenzen der Kurstadt hinaus einnehme - als Freizeiteinrichtung in der Region und als Denkmal in der Republik.

Diese Bedeutung des Kurbades an den entscheidenden Stellen in Berlin zu verankern - diesen Auftrag, so Altenkamp, nehme er gerne mit in den Reichstag. Das Beispiel des Kronberger Casals-Forums, dessen Neubau vom Bund erheblich gefördert werde, stimme ihn durchaus zuversichtlich, dass auch das Königsteiner Kurbad Unterstützung finden könnte. Vorausgesetzt es wird als nationales Wertobjekt anerkannt. Wenn die erhofften Fördermittel allerdings nicht kommen, sieht auch Bürgermeister Helm schwarz für Orange und Blau: "Ohne die Hilfe des Bundes wird es nicht funktionieren." von stefan jung

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