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Die ehemalige Flugbegleiterin Julia Hillebrecht mit indischen Kindern aus ihrem Hilfsprojekt.

Hilfsprojekt trotzt Corona

Königsteinerin engagiert sich für Schulbildung von Slum-Kindern in Neu-Delhi

  • vonJutta Badina-Burger
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Julia Hillebrecht unterstützt benachteiligte indische Familien mit Patenschaften

Königstein Als ehemalige Flugbegleiterin bei der Lufthansa kam Julia Hillebrecht viel in der Welt herum. Auf einer dieser Reisen kam sie in Kontakt mit dem Ehepaar Kuku und Priti Arora. Die beiden hatten 2002 das Sunshine Project für Straßenkinder in Neu Delhi gegründet. Mit 17 Kindern haben die Aroras damals in einer Art Garage gestartet. Ihr Ziel: Unterprivilegierten Kindern eine gute Basis für ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dazu gehören, außer einer glücklichen Kindheit, eine gute Schulausbildung, Nahrung, Kleidung, Hygieneartikel und eine medizinische Versorgung.

Ende 2008 mit der Geburt ihrer zweiten Tochter stieg Julia Hillebrecht in das Projekt ein und begann, Spenden für das Projekt zu sammeln. Seitdem ist sie eine engagierte Kämpferin für die gute Sache und mit genauso viel Herzblut dabei wie Priti und Kuku Arora selbst.

"Erst habe ich im Freundeskreis rundgefragt und angefangen kleinere Spenden zu sammeln", erzählt Julia Hillebrecht. "Durch meine Arbeit bei der Lufthansa konnte ich die help alliance mit ins Boot holen." Diese ist ursprünglich von Lufthansa-Mitgliedern gegründet worden um Projekte zu unterstützen. "Der Grundgedanke war, dass wir viel in der Welt herumkommen und dabei auch viel Elend sehen. Wir haben auch eine soziale Verantwortung. Daher ist die help alliance eine gemeinnützige GmbH", erklärt Hillebrecht. Das Sunshine-Projekt könne über ein Konto der Organisation die gesammelten Spenden nach Neu-Delhi transferieren. Dadurch komme das Geld ohne Abzüge und Kosten im Projekt an. Allerdings weiß Julia Hillebrecht derzeit noch nicht, wie sich die Lage unter Corona in der Zusammenarbeit mit der help alliance weitergestaltet: "Wir müssen schauen, was nächstes Jahr passiert."

Schuluniformen und Bücher

Das Projekt finanziert sich über Patenschaften. Heute werden rund 267 Kinder durch das Sunshine-Projekt unterstützt. "Wir haben mit 15 Euro im Monat angefangen. Innerhalb von zwei Wochen waren alle Kinder verpatet. Das ist wie ein Schneeballsystem gelaufen. Zu Beginn gab es jeweils einen Paten pro Kind", erzählt Julia Hillebrecht. Schnell sei aber klar gewesen, dass das nicht reiche. "Viele Kinder werden erst einmal mit Nachhilfestunden auf ein Bildungsniveau gebracht, damit sie in eine Schule gehen können. Zu uns kamen ältere Kinder, die wir vom Alter her nicht in eine erste Klasse schicken konnten. Mit viel Nachhilfe und ausreichend Unterstützung können wir sie dann in einer höheren Klasse starten lassen." Schließlich seien die Patenschaften auf drei Paten pro Kind angehoben worden.

In Neu-Dehli müssen Kinder mit Schuluniformen und Büchern ausgestattet werden. Das koste viel Geld. "Da wir alle pro bono arbeiten, kommt jeder Euro bei den Kindern an", betont Julia Hillebrecht.

Alle Paten bekämen einmal im Jahr einen Brief mit allen Informationen dazu, was das Jahr über gelaufen sei und welche neuen Vorhaben es gebe. Jeden Monat gebe es einen Newsletter mit Infos über den Projektstand und dazu, was gerade dringend benötigt wird. Auf Instagram würden immer die aktuellsten Nachrichten zum Projekt veröffentlicht.

Julia Hillebrecht ist auf der deutschen Seite aktiv, rührt die Werbetrommel und sammelt Spenden. Kuku Arora und seine Frau Priti organisieren alles an Ort und Stelle und kümmern sich um das Operative.

Empört ist Julia Hillebrecht über Politiker, die in Neu-Delhi verkündeten, dass alle Kinder in die Schulen gehen könnten. "Das stimmt nicht. Jedes Kind braucht eine Meldeadresse. Unsere Kinder kommen aus den Slums und haben keine." Die Kinder aus dem Projekt seien auf rund 30 Schulen verteilt. "Kuku kümmert sich um die Meldeadresse, organisiert Plätze in Schulen und Schuluniformen. Für alles wird in Indien Geld verlangt. Es muss alles gekauft werden. Man darf nichts selber machen", erklärt Hillebrecht. Und Kuku Arora schickt ihr alle Rechnungen und Quittungen für die Buchführung und den jährlich neu aufzustellenden Businessplan.

Derzeit seien, durch die Corona-Pandemie, in Neu-Dehli die Schulen geschlossen. Das erschwere die Arbeit dort. "Derzeit treiben wir die Digitalisierung voran. Wir haben gerade 110 Tablets gekauft, damit die Kinder am Homeschooling teilnehmen können. Wir konnten jede Familie mit einem Tablet ausstatten. In den Familien müssen sich die Kinder die Tablets teilen. Nächste Woche soll der Unterricht wieder starten."

"Normalerweise halten sich die Kinder den Tag über in den Räumen des Projekts auf und gehen erst abends nach Hause. Das durften wir aber, wegen der Corona-Pandemie, nicht anbieten. Also gab es jeden Tag auf der Straße vor dem Haus die Möglichkeit Mahlzeiten und Hygieneartikeln für die Familie abzuholen."

Viele Lufthanseaten sind Unterstützer

Die Aroras haben entschieden, dass Eltern der Kinder nicht mit anstehen dürfen. "Die Eltern sollen merken, dass sie die Sachen nur bekommen, weil sie ihre Kinder haben. Und damit sie anschließend die Kinder auch wieder in die Bildungssituation im Projekt schicken", erklärt Julia Hillebrecht. Derzeit werde sie auch oft von Paten gefragt, ob sie den Kindern etwas schicken könnten. Davon jedoch rät sie ab. "Die Postboten übergeben Pakete nur gegen Bares."

Da das Sunshine-Projekt viele Lufthanseaten als Unterstützer hat, nehmen diese auf ihren Flügen mitunter Schokolade oder Kleidung der eigenen Kinder mit nach Indien. Das mache das Projekt auch so individuell, so dass auch jeder den Kontakt pflegen könne, wenn er wolle. "Die Leute haben großes Interesse daran, was aus ihren Kindern wird." Für die Kinder gilt das von Kuku und Priti Arora ausgegebene ein Motto: "Ihr bekommt von uns alles was ihr braucht, ihr bekommt alles umsonst und ihr müsst uns nichts zurückgeben. Aber wir wünschen uns von euch, dass jeder von euch in seinem Leben zwei Kinder auf die gleiche Weise unterstützt. Wir möchten, dass sich die Hilfe, die wir euch zuteil werden lassen multipliziert."

Informationen über das Sunshine-Projekt gibt es auf der Webseite projektsunshineindia.org, auf instagram unter sunshineprojektindia und auf facebook unter Sunshineproject new delhi. Spendenkonto: helpalliance, wichtig ist der Betreff: 6535 Sunshine Project, Frankfurter Sparkasse 1822, IBAN DE 89 50 05 02 01 02 00 02 92 23, BIC HELADEF 1822. Von Jutta Badina

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