Medienkompetenz

So können Kinder auch digital lesen lernen

Christine Kranz, Referentin für Leseförderung, fordert dazu auf, eine gesunde Mischung aus klassischen Büchern und digitalen Medien für den Nachwuchs zu finden.

Sind klassische Kinderbücher eigentlich noch „in“? Bis zu welchem Alter sollten Kinder besser ohne Handy oder Tablet auskommen? Und wie begeistere ich ein lese-muffeliges Grundschulkind für Bücher? Die Antwort auf diese und viele weitere Fragen rund ums Thema Lesekompetenz kennt Christine Kranz. Sie ist Referentin für Leseförderung bei der Stiftung Lesen, einem Zusammenschluss von Bundes- und Landesministerien, wissenschaftlichen Einrichtungen, Stiftungen, Verbänden und Unternehmen. Auf Einladung der Stadtbibliothek und des Fördervereins „LeseLust“ nahm sie rund 20 Zuhörer jetzt mit auf eine unterhaltsame Reise „Vom Bilderbuch zur App – und zurück“.

Zwischen 800 und 1000 Kinderbücher liest die Expertin jährlich – in analoger Form, also als klassisches Buch, ebenso wie als digitales Medium, meist als App. Ihre Erkenntnis: „Die Qualität zählt.“ So wie es gute und schlechte Bücher gibt, gäbe es auch gute und schlechte Apps. Sich der digitalen Medienwelt zu verschließen und Kinder dazu anzuhalten, ausschließlich gedruckte Werke zu lesen, findet sie grundlegend falsch: „Internet und Handy sind nun einmal da und werden nicht wieder verschwinden. Wir müssen die Kinder also fit für die digitale Umgebung machen, in der sie aufwachsen.“ Lediglich für die ganz Kleinen bis zu einem Alter von drei Jahren seien Handy, Tablet und Co. noch nicht zu empfehlen.

Viel wichtiger als die Frage, ob klassisch oder digital findet Christi-ne Kranz, dass Kindern überhaupt vorgelesen wird. Rund einem Drittel aller Kinder in Deutschland lese niemand – und das habe fatale Folgen. Wenn Grundkompetenzen wie Wortschatz, Wissen, Fantasie, Konzentration oder die phonologische Bewusstheit fehlten, laufe das meist auf Deutschnachhilfe hinaus; und das nicht selten bereits in der ersten Klasse.

Ganz begeistert ist Christine Kranz von Wimmelbüchern, also Bilderbüchern, in denen sehr detailliert Szenen des Alltags dargestellt werden. Neben den vielleicht bekanntesten Werken von Ali Mitgutsch kennt sie eine Vielzahl weiterer empfehlenswerter Bücher und auch interaktiver Apps; und das nicht nur für junge Leser im Kindergartenalter: „Es gibt auch tolle Wimmelbücher für Grundschulkinder, beispielsweise zum Thema ,Star Wars‘.“ Selbst bei Senioren werden passende Themenbücher wie „Unser Zuhause in den 50ern“ immer beliebter.

Ob klassisch oder digital: Moderner Lesestoff unterscheidet sich grundlegend von dem, was bei der heutigen Eltern- und Großeltern-generation im Bücherregal stand. Zusatzelemente wie Klappseiten, integrierte Rätsel oder Geräuschefelder sind gefragt. Christine Kranz warnt ausdrücklich davor, die eigenen Lesevorlieben auf die Kinder zu übertragen. Natürlich dürften Jungs ein Actionbuch aus der Bibliothek ausleihen, auch wenn die Oma vielleicht Pippi Langstrumpf bevorzugt hätte. Auch gegen Comics spräche nichts, im Gegenteil: „Viele Jungen werden zum Einstieg ins Lesen nun einmal am besten über Comics erreicht.“

Christine Kranz ist überzeugt da-von, dass Leseförderung nur funk-tioniert, wenn die Kinder ein wirkliches Interesse haben. Wenn dann noch eine gesunde Mischung aus Printbüchern und digitalen Medien gefunden wird, sei viel erreicht. Ob bei den Olchis, Pettersson und Findus oder dem kleinen Drachen Kokosnuss: Zu den meisten populären Buchreihen gibt es heute eine passende App. Die seien in der Regel sehr gut gemacht und häufig auch mehrsprachig angelegt. Gerade in der Mehrsprachigkeit der Apps sieht die Expertin noch ein großes Potenzial für die Schulen. Grundschullehrer, Erzieher in den Kindergärten und in erster Linie Eltern und Großeltern ermutigt sie, auch beim Thema Leseförderung vermehrt digitale Medien einzusetzen. „Dazu ist man nämlich nie zu alt.“

Tipp: Mediendatenbank

In Datenbank der Stiftung Lesen finden sich Rezensionen zu rund 3000 Titeln aller Medienkategorien aus den vergangenen fünf Jahren. Infos unter .

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