Anne Pfenninger (links) und Miriam Rodary zeigen die neuesten musikalischen Bilderbücher.
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Anne Pfenninger (links) und Miriam Rodary zeigen die neuesten musikalischen Bilderbücher.

Weihnachtsshopping

Kunden nach Königstein locken, beraten und betreuen

  • VonEsther Fuchs
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Der Einzelhandel hofft, bangt und kämpft um sein Weihnachtsgeschäft. Die Ladeninhaber setzen auf persönlichen Kundenkontakt und besondere Angebote. Die Konkurrenz durch das Einkaufen per Mausklick bereitet vielen Sorgen.

In den Auslagen in der Königsteiner Fußgängerzone glitzert, schimmert und glänzt es. Die Weihnachtsdeko ist längst angebracht und von der Bluse bis zur Kette alles möglichst so schmuck in Szene gesetzt, dass der Kunde gleich Lust bekommt, die Tür zum Laden zu öffnen.

Ein wenig mutet ein Bummel entlang der Schaufenster in diesen Tagen so an, als würde man an einem Adventskalender vorbeispazieren. Allerdings wird hier nichts im Verborgenen gehalten. Im Gegenteil. Alle "Laden-Türchen" sind vom ersten Tag an weit geöffnet. Jeder Einzelhändler will zeigen was er hat, so lang er es noch kann und darf.

Der Lockdown, der das Weihnachtsgeschäft im vergangenen Dezember so abrupt zum Erliegen brachte, ist allen noch schmerzhaft in Erinnerung. In diesem Jahr darf der Handel wohl weiter Geschäfte machen. Einschränkungen wird es dennoch geben. Nur noch Geimpfte und Genesene sollen in den kommenden Wochen shoppen gehen dürfen.

Ein neuerlicher Schlag ins Kontor. Zwar dürften auch in der Kurstadt die meisten Kunden die 2G-Regel erfüllen. Dennoch erhöht es wieder den Aufwand für die "kleinen" Einzelhändler, von denen ohnehin die meisten in Personalunion Geschäftsführer, Verkäufer, Lagerist und künftig noch verstärkt Türsteher sind.

Tina Blome, Sprecherin des Einzelhändler-Verbunds "Laufsteg Königstein", hat sich schon mal die sogenannte "CovPassCheck"-App aufs Handy geladen, um ihre Kundschaft künftig erst zur 2G-Kontrolle und dann in den Laden zu bitten.

Sie wie auch ihre "Laufsteg-Kollegen" sind alles andere als glücklich mit der neuen Verordnung. Steht doch das Plus an Aufwand derzeit in keinem Verhältnis zum Kundenaufkommen in der Innenstadt. Die stark gestiegenen Corona-Fallzahlen und das triste, nasskalte November-Wetter scheinen die Kauflust der Königsteiner erheblich eingebremst zu haben.

Dass die wieder steigt, wenn die Fallzahlen vielleicht doch wieder sinken und Weihnachten näherrückt - das ist die große Hoffnung, die die Einzelhändler haben. Und dafür wollen sie gerüstet sein.

Menschen sollen sich

rundum wohlfühlen

Sabine Dietz vom Kosmetikstudio Oerder bietet festlich verpackte Pflegeprodukte für das Beautyerlebnis zu Hause an. Kopfzerbrechen machte ihr zuletzt die Konkurrenz aus dem Internet. Wie viele ihrer Kollegen blickt auch die Königsteiner Geschäftsfrau mit Sorge auf das Einkaufen per Maus-Klick. Tatenlos zusehen, wie die Kundschaft ins Netz abwandert, will und wird sie aber auf keinen Fall. Sabine Dietz setzt auf die Stärken des lokalen Einzelhandels und auf das, was im Netz so nur schwer zu bekommen sein dürfte - ein Rundum-Wohlfühlpaket. Das Konzept: Passende Kosmetik, gemütliche Hausanzüge, Schlafmasken, Pantoffeln und Dekorationsprodukte aufeinander abgestimmt und in allen Preiskategorien. "Gutscheine können selbstverständlich ausgestellt werden", sagt sie munter bei Weihnachtsmusik im Hintergrund.

Daniela Praxl und Claudia Staab haben sich derweil beim Herrenausstatter Ernst auf die pandemiebedingten Mode-Trends eingestellt. Seit Corona den Alltag diktiert, kauft Mann weniger Businessanzüge, sondern vermehrt sportliche Kleidung. In den Regalen warten zudem Hausmäntel, Pyjamas und Pantoffeln darauf, im Homeoffice getragen zu werden.

"Wir sind eigentlich schon seit Oktober im Weihnachtsfieber", erklären die Damen. Im Trend liegen kuschelige Pullover, Tweedhosen und gewalkte Jacken. Besonders gefragt seien fröhliche Farben. "Die Kleidungsstücke sollen bequem sein und im Videocall trotzdem gut aussehen", erklärt Daniela Praxl.

Sportliche Eleganz liegt im Trend. Lieferengpässe hat der Herrenausstatter nicht. Seine Lieferanten sind unter anderem aus Deutschland, Österreich, Italien, England und Schottland.

Dass auch Frau gemütlichen Schick mit Farbe mag, weiß Iris Müller-Braun. Sie trifft man in Daniela Kowalds Boutique "Poc a Poc". "Bunte Farben sind ein Muss. Dieser Pullover ist schon ausverkauft", sagt Müller-Braun und zeigt auf ein orange-pinkfarbenes Strickexemplar im Schaufenster. Iris Müller-Braun kombiniert Hosen und Stricktops, Röcke und Rollis.

Dazu arrangiert sie Lederbänder: "Die sehen mit Anhängern aus Silber oder Halbedelsteinen immer gut aus." Die Lederbänder können als Halskette oder Armband getragen werden. Die Anhänger eignen sich auch als Geschenk.

Tina Blome hat in ihrer Boutique zwar keinen wandelbaren Schmuck. Doch auch sie setzt auf weiche Wollwinterwaren. Blome hat bevorzugt Produkte aus Kaschmirwolle im Sortiment.

Das Warten auf das Weihnachtsgeschäft, das wie sie hofft, in den nächsten Tagen anlaufen sollte, überbrückt die Geschäftsfrau zudem mit einem neuen Hobby. Blome strickt "kleine grüne Weihnachtsbäumchen, die als Anhänger an Geschenken, Keksdosen oder am Tannenbaum hübsch aussehen."

Die Einnahmen der Bäumchen spendet sie dem Verein Bürger helfen Bürgern. "Wir alle müssen in der Krise zusammenhalten", betont Blome.

Sie bedauert, dass auch dieses Jahr keine Weihnachtsfeiern stattfinden. "Früher kamen die Kundinnen und kauften was Passendes für die Festivitäten im Büro oder unter Freunden. Diese Einnahmen fehlen."

Anne Pfenninger und Miriam Rodary von der Buchhandlung Millennium können hingegen nicht klagen. Ihre Branche profitiert sogar in Teilen vom neuerlichen pandemiebedingten Rückzug in die eigenen vier Wände. "Die Menschen haben nicht mehr so viele Möglichkeiten auszugehen", sagt Pfenninger. Lesen liege daher im Trend. Das bedruckte Papier beflügele die Fantasie. Im Geist reisen Leser an entlegene Orte. Krimis, historische und politische Bücher seien gefragt. Auch der neue Neuhaus Krimi "In ewiger Freundschaft" würde gerne gekauft.

Bei Millennium können Bücherwürmer derzeit noch den aktuellen Krimi mit der Signatur der Autorin erwerben. Den Wegfall von Besuchen im Weihnachtstheater kompensiere man Zuhause mit "musikalischen Bilderbüchern". "Der Nussknacker oder die Zauberflöte sind sehr beliebt. Der Messias ist gerade neu eingetroffen", verrät Miriam Rodary.

Musikalische Bilderbücher erzählen klassische Theater- oder Ballettgeschichten.

Ihnen beigefügt ist die passende Musik-CD. Die Einzelhändler hoffen jedenfalls, dass die Kunden ihr Sortiment mögen und es sich für ein schönes Weihnachten nach Hause holen. Esther Fuchs

Daniela Praxl legt Waren im Schaufenster nach.
Iris Müller-Braun dekoriert eine Lederkette mit Rosenquarz zu Pulli und anderer Strickware.
Sabine Dietz mit ihren Kosmetikweihnachtspäckchen.

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