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Ein Land zwischen Glanz und Armut

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Von: Stefan Jung

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Myanmar – Land der Gegensätze. Goldene Tempel und bittere Armut liegen hier oft nur wenige Meter auseinander. Wie sich das südostasiatische Land nach Jahrzehnten unter Militärdiktatur heute seinen Gästen präsentiert, wo es glänzt und wo es dringend der Hilfe bedarf – darüber informierten Hartmut und Eva Diegel unlängst in Königstein.

Wenn sich die Sonne über Yangon im mächtigen Stupa der Shwedagon-Pagode widerspiegelt, wenn alles schimmert, funkelt und strahlt, dann bekommt man eine Ahnung davon, warum es heißt, dass hier mehr Gold verbaut und verklebt ist, als in den Tresoren der Bank von England lagert. Und es wird immer noch mehr.

Für jeden Buddhisten ist es eine Selbstverständlichkeit, seinen Beitrag zum Erstrahlen des wichtigsten Heiligtums von Myanmar zu leisten. Die großen Spendenboxen, die hier überall stehen, sind gut gefüllt. Nachschub kommt immer. Und das in einem Land, in dem rund 30 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze liegen.

Es sind Widersprüchlichkeiten wie diese, denen Hartmut und Eva Diegel immer wieder begegnet sind, als sie 2014 mit den Königsteinern Dr. Karl-Heinz und Marlene Zinnecker vier Wochen durch Myanmar reisten.

Widersprüchlichkeiten, die bei den Eheleuten aus dem Raum Kassel den dringenden Wunsch weckten, gerade den Kindern in Myanmar zu helfen und für einen Besuch im früheren Burma zu werben.

Verzaubernd

Und das nicht nur, weil gerade der Tourismus nach Jahrzehnten der Militärdiktatur das dringend benötigte Geld in die leeren Kassen des Landes bringen soll, sondern vor allem, weil eine Reise durch Myanmar – allen Gegensätzlichkeiten zum Trotz – verzaubert.

Davon zeugt der Multivisions-Vortrag, den die Eheleute Diegel aus ihren Reise-Impressionen gefertigt und unlängst auf Einladung von Kolpingfamilie und „Childaid Network“ im katholischen Gemeindenzentrum vorgestellt haben.

In ihrer Präsentation nahmen die beiden Pädagogen im Ruhestand ihr zahlreich versammeltes Publikum mit auf eine Reise, die mit den „Must-haves“ jeder Myanmar-Tour startete, sich darauf aber nicht beschränkte.

Von Yangon an den Inle-See und weiter über Mandalay bis in das Pagoden-Land von Baghan – die Bilder sind episch, die Sitten und Gebräuche der Menschen so fremd wie faszinierend.

Hier hält ein Fischer seinen Kahn auf Kurs, indem er ein Bein um die Ruderstange schlingt, und hat so beide Hände frei, um seine kegelförmige Reuse in den Einsatz zu bringen. Da ziehen junge buddhistische Novizen mit ihren Töpfen aus, um die obligatorischen Reis-Spenden für ihre Ordensbrüder einzusammeln. Die Traditionen sind uralt, wurzeln teils tief im Glauben, an dem die Menschen auch in den Jahren festhielten, in denen viele Mönche in den Widerstand gegen die Militärregierung gingen.

Hoffnung ist groß

Deren Tage sollten seit den Wahlen im November 2015 gezählt sein. Die Menschen in Myanmar hoffen auf den Neuanfang, auf eine spürbare Verbesserung der Lebensumstände und verknüpfen diese Hoffnungen nicht zuletzt mit Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin von 1991, die von den Militärs für insgesamt 15 Jahre ihres Lebens unter Hausarrest gestellt worden war, war die strahlende Siegerin der letztjährigen Wahlen. Ihr Bild hängt überall im Land, vor ihrem Haus in Yangon werden Kalender mit ihrem Konterfei verkauft.

Allein, zwölf Monate Aung San Suu Kyi oder mehr werden Myanmar kaum voranbringen, wenn nicht Hilfe von außen kommt. Dieser Eindruck verfestigte sich bei Hartmut und Eva Diegel und ihren Königsteiner Mitreisenden immer stärker, je weiter sie die touristischen Zentren hinter sich ließen.

Der Besuch des Quartetts im Chin Staat im Westen des Landes sprach da Bände. Die Landschaft atemberaubend, die Menschen noch tief in ihren Traditionen verwurzelt – perfekte Fotomotive. Das Fehlen von Infrastruktur, das karge Leben der Bevölkerung und gerade der Mangel von Bildungsangeboten für Kinder dokumentieren aber auch die Handlungsfelder für die Zukunft.

Dr. Martin Kasper, Gründer von Childaid Network, kennt die Herausforderungen nur zu gut – wenn auch von der anderen Seite der Westgrenze Myanmars. Hier im Nordosten Indiens ist Childaid darum bemüht, gerade den jungen Leuten Chancen für die Zukunft zu eröffnen. „Für 25 Euro kann man dort ein Kind ein Jahr in die Schule schicken“, warb Kasper um Unterstützung und sprach damit auch Hartmut Diegel aus dem Herzen.

„Unsere Hilfe wird in Myanmar dringend gebraucht. Und man kann mit vergleichsweise geringen Mitteln sehr viel tun“, wandte sich Diegel an seine Zuhörer. Ein Appell, der offensichtlich ankam. Am Ende des Abends lagen 872 Euro in der Spendenbox für die Kinder von Myanmar.

(sj)

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