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Sie leben Integration seit 20 Jahren

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Armine Mania (am Tisch) hatte zur Eintragung der Mitglieder des Ausländerbeirats ins goldene Buch eigens eine Tracht aus ihrer albanischen Heimat angelegt.
Armine Mania (am Tisch) hatte zur Eintragung der Mitglieder des Ausländerbeirats ins goldene Buch eigens eine Tracht aus ihrer albanischen Heimat angelegt. © (Jens Priedemuth)

Seit 20 Jahren nimmt sich der Königsteiner Ausländerbeirat der Menschen an, die in der Kurstadt eine neue Heimat finden – auf Zeit oder für immer. Ein wertvolles Engagement, das jetzt mit einer kleinen Feierstunde und dem Eintrag der Beiratsmitglieder ins goldene Buch der Stadt gewürdigt wurde.

„Soziales Engagement und Integrationsförderung sind unsere Themen, die wir auch für die nächsten 20 Jahre voranbringen wollen“, bringt C. Frederick Friedmann auf den Punkt, was ihn und seine Kollegen im Ausländerbeirat – trotz ganz unterschiedlicher Wurzeln – zusammenbringt.

Selbst 1992 aus Virginia, USA, nach Deutschland gekommen, landete Friedmann nach einem kurzen Berlin-Intermezzo schließlich in Königstein. Er lebt nach dem Motto: „Jetzt bin ich hier und möchte mich einbringen.“ Diese Auffassung teilen viele andere Mitglieder und Freunde des Ausländerbeirats, so dass man gemeinsam 1997 das Gremium aus der Taufe hob.

Willkommen heißen

Eine Eintragung im goldenen Buch der Stadt, hätte vor zwei Jahrzehnten keiner erwartet. Doch die gute und vor allem beständige Arbeitsweise im Sinne der Völkerverständigung „mit hervorragenden Aktivitäten und einem aktiven Miteinander“ führten dazu, dass Menschen, die „hier ankommen, schnell willkommen sind“, begründete Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) die Entscheidung.

In seiner Ansprache lobte der Rathauschef die Leistung des Ausländerbeirats rund um die seit 2001 amtierende Vorsitzende Maryam Javaherian. Ihrer Beharrlichkeit seien viele sinnvolle Vorstöße zu verdanken, die heute wichtige Anlaufpunkte für Neubürger aus allen Herren Ländern seien. Ein gutes Beispiel dafür seien die Sprechstunden im Rathaus. Königstein sei eine weltoffene Kleinstadt mit einem aktiven Miteinander. Dies bestätigt auch Sirin Seher. Die Türkin, ebenso seit der Gründung im Beirat aktiv, sieht dessen positiven Nutzen für Neuankömmlinge. Man müsse sich in der neuen Umgebung zurechtfinden. Nicht nur bürokratische Hindernisse gäbe es zu meistern. Auch ganz alltägliche Fragen, wie die nach Einkaufsmöglichkeiten, seien zu beantworten.

Unabdingbar für das Gelingen von Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache, da sind sich die Mitglieder um Javaherian einig. Schon sehr früh habe der Beirat deshalb damit angefangen, Sprachkurse anzubieten.

Deutsch lernen ein Muss

„Ich kann nicht glauben, dass das schon 20 Jahre her ist“, staunte Annemarie Ramm, Ehrenbürgerin der Stadt. Sie selbst habe seinerzeit mit anderen Mitstreiterinnen in Königsteins Grundschule ausländischen Kindern Deutsch beigebracht oder beim Erledigen der Hausaufgaben geholfen. Die Früchte des Engagements zeigten sich heute. Gerne trifft sie noch ehemalige Zöglinge auf der Straße. „Aishe hat mittlerweile selbst zwei Kinder, ist verheiratet und Zahnarzthelferin“, freut sich Ramm über die gelungene Integration. Es mache sie im positivsten Sinn „sprachlos“, dass ein paar ehrenamtliche Helferinnen und Helfer so viel erreichen könnten.

Dabei ist der Nutzen einer solchen Institution durchaus für beide Seiten befruchtend. Eine positive Willkommenskultur zahlt sich aus. Der mittlerweile etablierte jährlich stattfindende „India Day“ oder die „Koreanischen Kulturabende“ sind nur zwei Beispiele dafür, wie bereichernd der Austausch der Kulturen sein kann. Die Schönheit fremder Länder untermalte am Jubiläumsabend auch Armine Mania. Die Albanerin fühlt sich in Königstein sehr wohl und hatte sich zum Dank feierlich in traditioneller Tracht gekleidet.

Dass die so geschaffenen zwischenmenschlichen Bindungen langfristig prägen, beweist auch Francesco Orifici, der dem Ausländerbeirat auch heute noch freundschaftlich verbunden ist. Mittlerweile in die Heimat nach Sizilien zurückgekehrt, ließ er durch seinen Sohn und per Brief Glückwünsche und Dank übermitteln.

Dank gilt auch den Spendern, durch deren Unterstützung der Ausländerbeirat viel bewegen kann. „Alle Menschen sind Ausländer – fast überall“, begründete Frederick Friedmann die Selbstverständlichkeit zur Integrationshilfe.

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