Königsteiner Burg

Messanlage auf der „Spitzen Bastion“ installiert

Wenn am Abend im Bauausschuss Dr. Gerd Strickhausen das Burgpflegewerk vorstellt, geht es einmal mehr um den Erhalt der Königsteiner Burg. Damit haben auch die aktuell laufenden Messungen auf den verwitterten Mauerkronen zu tun. Um herauszufinden, welche Maßnahmen sich eignen diese besser zu schützen, sind jetzt spezielle Messfühler installiert worden.

Sie sind nur fünf Zentimeter lang, haben es aber in sich. Mit internen Sensoren ausgestattet sollen zwei in Handarbeit angefertigte Messlanzen den Mauerkronen der Burg auf den ramponierten Zahn fühlen. Sprich: In den kommenden Monaten werden sie wichtige Daten zur Luftfeuchtigkeit liefern. Zugleich werden über weitere Sensoren die Temperatur und die Zeit der Messung erfasst. Auch der Luftdruck, Klimawerte und Licht- und UV-Einwirkungen werden berücksichtigt.

Dafür hat der Darmstädter Ingenieur Jeremias Stolze, der übrigens auch der Erfinder dieser speziellen Messlanzen ist, Löcher in die Mauerkronen gebohrt, in die die Winzlinge eingesetzt wurden und hier sozusagen Grundlagenforschung betreiben. Das große Plus dieser technischen Innovation, die bereits bei Messungen an der Elisabethkirche in Marburg erfolgreich eingesetzt wurde, ist, dass die Fühler äußerst robust gegen Feuchtigkeit sind.

Ziel ist es, mit den so erhobenen Daten, die vorhandene „Isolierwirkung einer Begrünung der Mauerkrone messtechnisch zu dokumentieren, um das Temperatur- und Feuchteverhalten der Mauern in Daten fassen zu können und somit weitere Erkenntnisse zum Umgang mit den Mauern auch bei der Burg Königstein zu erhalten“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Denn es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass nicht verholzender Bewuchs wie beispielsweise Moos eindeutig ein Schutzpotential für Mauerkronen hat. Die bisherigen Versuche von Mauerwerksbegrünung, so heißt es in der Pressemitteilung weiter, „waren unterschiedlich erfolgreich und zum Teil sehr aufwendig und damit teuer.“ Deshalb will man mit den neuen Daten bessere Lösungen finden.

Die Messungen wurden in Fugen angelegt und sollen die Winter- und Sommerphase umfassen, um das Austrocknungsverhalten der Flächen beurteilen zu können. Gemessen wird die Isolierwirkung von Moos an der Oberseite, an der Unterseite sowie in einer gewissen geringen Tiefe im Mauerwerk. Das alles spielt sich auf der Krone der Brüstungsmauer der „Spitzen Bastion“ oberhalb des Burgkiosk ab, denn diese Fläche ist messtechnisch gut geeignet und leicht mit Strom zu versorgen. Daneben wird zum Vergleich eine Fläche ohne Isolierung gemessen.

Für den Einbau der Fühler wurde

20 Millimeter tief

gebohrt. An den Arbeiten war neben Jeremias Stolze auch Dr. Enno Steindlberger vom Institut für Steinkonservierung beteiligt, der zukünftig die Betreuung des Projekts, das mit Mittel der Deutschen Bundesstiftung Umwelt läuft, übernehmen wird. Bei der Installation der Messlanzen waren außerdem Dr. Nina und Dr. Gerd Strickhausen vom gleichnamigen Burgenbüro und Marija Tadic von der Stadt Königstein dabei.

Noch werden die in Fünf-Minuten-Intervallen erfassten Daten auf einen Datenträger geschrieben. In Zukunft sollen sie dann gleich online übermittelt werden. Dadurch ist dann jederzeit eine kostengünstigere Fernkontrolle möglich.

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