Milde Strafe trotz Unfallflucht

  • vonAlexander Schneider
    schließen

Zwei Unfälle innerhalb weniger Minuten im Zustand alkoholbedingter Fahruntüchtigkeit brachten einen Königsteiner vors Amtsgericht. Strafe muss sein, aber in diesem Fall fiel sie noch relativ glimpflich aus.

Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort muss ein 70-jähriger Königsteiner 70 Tagessätze zu 40 Euro zahlen und weitere zehn Monate auf seinen Führerschein verzichten. Wenn er ihn überhaupt so einfach wiederbekommt, denn die 1,8 Promille Alkohol, die der Doktor in seinem Blut fand, dürften eine Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) unumgänglich machen.

Der Mann war am 19. November 2015 abends gegen 20 Uhr mit seinem Mercedes in der Straße am Kaltenborn in Richtung Kreisel unterwegs, als er, vermutlich infolge des zuvor genossenen Alkohols, im Vorbeifahren einen entgegenkommenden BMW touchierte und danach einfach weiterfuhr.

Stark kann der Anstoß nicht gewesen sein, denn der Schaden am BMW war für 800 Euro wieder ge-richtet worden. Verletzt wurden die beiden Frauen im BMW auch nicht, bekamen aber einen Mordsschreck. Fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung war’s dennoch.

Der Mann fuhr nach dem leichten Zusammenstoß weiter in Richtung Kreisel und war, davon ging die Anklagebehörde aus, nunmehr vorsätzlich, weil in Kenntnis seiner Fahruntauglichkeit unter Alkoholeinfluss, unterwegs. Beim Versuch, den Kreisel über die B8 Richtung Kurbad zu verlassen, lief die Fuhre komplett aus dem Ruder.

Der Königsteiner überfuhr eine Verkehrsinsel, rasierte ein Verkehrsschild und beendete die Fahrt schließlich an einem Laternenpfahl. Die in Sichtweite des Unfalls gelegene Mercedes-Werkstatt konnte nichts mehr für ihn tun – Totalschaden.

Der Fall lag eigentlich klar. Und dennoch legte der Mann gegen den Strafbefehl über 95 Tagessätze zu 60 Euro und 13 Monate Führerscheinsperre Einspruch ein. Zu Recht, wie Strafverteidiger Dr. Ulrich Endres meinte. Zum einen sei die Rente seines Mandanten bei der Abfassung des Strafbefehls zu hoch geschätzt worden. Dann wandte er sich direkt an die Richterin: „Halleluja, Frau Vorsitzende, bei 1,8 Promille und nur 800 Euro Schaden am BMW – das muss er in seinem Zustand nicht bemerkt haben.“ Und deshalb könne die Weiterfahrt zum nächsten Unfall zwangsläufig auch nur fahrlässiger Natur gewesen sein. Und hinreichend bestraft sei der Mann, der kurz vor dem Unfall seine Ehefrau verloren und sich deshalb bei Freunden mit wohl etwas zu viel Alkohol getröstet habe, nun auch.

Den Schaden am BMW werde er der Versicherung im Regress erstatten müssen, sein eigenes Auto ist nur noch Schrott und der größte Schaden ist überhaupt erst beim zweiten Unfall entstanden. 5000 Euro reichten da nicht.

Das Gericht zeigte sich der Argumentation zugänglich, reduzierte die Geldstrafe auf 70 Tagessätze zu 40 Euro und die Führerscheinsperre auf noch zehn Monate. Weitere elf hatte die Amtsanwältin in ihrem Plädoyer gefordert, am Ende aber ebenso wie der Angeklagte auf Rechtsmittel verzichtet.

(as)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare