Königsteiner Burg

Mix aus Moos und Mörtel für die Mauer

Nach Jahren, in denen sich Denkmal- und Naturschützer in Sachen Königsteiner Burg kritisch beäugten, stehen die Zeichen jetzt auf dem gemeinsamen Einsatz für den Erhalt der Festung und der dort heimischen Flora und Fauna. Das Burgpflegewerk von Dr. Gerd Strickhausen soll dazu den Weg weisen. Der Burgenforscher gab jetzt einen Einblick in seiner Arbeit.

Zwei Gutachten eint ein Ziel: den Erhalt der Königsteiner Burg. Sowohl das bauhistorische Gutachten vom Landesamt für Denkmalpflege als auch das biologische Gutachten der unteren Naturschutzbehörde des Kreises haben festgestellt, dass das Mauerwerk der Festungsruine und die biologische Vielfalt des Wahrzeichens schützenswert sind.

Die Bestandsaufnahme oblag nicht zuletzt dem renommierten Kunst- und Bauhistorikers Dr. Gerd Strickhausen, der die Festung mit seiner Ehefrau Nina seit 2014 Burg Königstein betreut und gutachterliche Empfehlungen abgibt.

In einem Vortrag – initiiert vom Verein für Denkmalpflege und unter Mithilfe des BUND – gab Strickhausen jetzt Aufschluss über Maßnahmen und Resultate. „Anhand der Gutachten wissen wir, wie man mit Bewuchs und Bauwerk erhaltungswürdig umgeht“, so der Experte. Dabei sei es ein Irrtum zu glauben, Pflanzenbewuchs schädige grundsätzlich das Mauerwerk. „Ganz im Gegenteil, die richtigen Pflanzen schützen Mauern. Das haben aktuelle Forschungsergebnisse ergeben.“

Theorie ist in den vergangenen Jahren auf Burg Königstein in die Praxis umgesetzt worden. Dabei nutzt Burgenforscher Strickhausen auch seine Erfahrungswerte. Seit 2002 betreut er unter anderem die Kronberger Burg und ist seit vielen Jahren auf den Erhalt mittelalterlicher Festungen spezialisiert. Eigentlich im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf beheimatet, entsprang auf einer Veranstaltung die Passion für die Taunus-Bastionen.

Mit Hilfe des Amtes für Denkmalpflege und des BUND hat er auf Burg Königstein Versuchsflächen angelegt. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Dr. Strickhausen einen kompetenten Experten an unserer Seite haben“, freut sich Katja Metz, die Vorsitzende der Denkmalpflege Königstein.

Der Schwerpunkt der aktuellen Forschungen liegt auf dem Schutz der Mauerkrone, der oberen Abschlusskante der Burg. „Das ist der sensibelste Bereich des Bauwerks“, erklärt Strickhausen. Die Gefahr des Wassereintritts und damit die Zerstörung der Mauer sei hier besonders stark.

Bestimmte Areale habe man in der Vergangenheit bewusst bepflanzt und jetzt feststellen können, dass diese Stellen weniger Schädigungen aufweisen. „Wir setzen nur bestimmte Moose ein“, erklärt der Experte. Dabei handele es sich um Arten, die auf der Burg beheimatet seien. Mit weiteren, regional nützlichen Moosarten habe man den Bewuchs ergänzt.

Im Sinne der Biodiversität plane man die Aussaat von Samen im Frühjahr. „Zertifizierte Saatmischungen aus hier beheimateten Pflanzen, Gräsern und Farnen ergänzen den Moosbewuchs ab Frühjahr“, so Nina Strickhausen-Bode. Zu den Musterflächen auf der Spitzen Bastion sollen weitere Gebiete hinzukommen.

Über die sensible Bepflanzung hinaus setzt man auch auf unterschiedliche Mörtelmassen, die die Mauern fixieren sollen. „Drei verschiedene Mörtel werden auf den Versuchsflächen aufgetragen und auf Tauglichkeit geprüft“, so der Experte. Die angeschobenen Prozesse zeigten bereits positive Entwicklungen. „Wir können Fortschritte erkennen, die ermutigen“, so die Initiatoren. Das Projekt, auf drei Jahre angelegt, lohne sich bereits heute. „Wir sind auf einem guten Weg“, erklärte Strickhausen.

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