1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Königstein

Nach 28 Jahren im Amt: Förderkreis-Chef Siepenkort sagt „au revoir“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Jung

Kommentare

Beim Förderkreis der Städtepartnerschaft zwischen Königstein und Le Cannet-Rocheville endet morgen Abend eine „Ära“ – als solche darf man wohl die Amtszeit des Vorsitzenden Dr. Reinhard Siepenkort bezeichnen, der sich nach 28 Jahren an der Spitze gemeinsam mit seiner Frau Marie-Charlotte ins zweite Glied der „normalen Mitglieder“ zurückziehen will.

„So sechs, sieben Jahre – mehr aber eigentlich nicht.“ Dr. Reinhard Siepenkort muss selbst schmunzeln, wenn er heute daran zurückdenkt, mit welcher Vorgabe er 1987 den Vorsitz beim Förderkreis der Städtepartnerschaft zwischen Königstein und Le Cannet übernommen hatte.

Hätte ihm damals jemand gesagt, dass am Ende seiner Amtszeit sage und schreibe 28 Jahre auf der Habenseite stehen würden – Siepenkort hätte es wohl selbst kaum geglaubt. Wenn der 72-Jährige morgen Abend im Rahmen der Mitgliederversammlung des Förderkreises im Haus der Begegnung nicht mehr für den Vorsitz kandidieren wird, dann verabschiedet sich mit Dr. Reinhard Siepenkort der Mann aus dem Vorstand, der so lange wie kein anderer die Geschicke des Förderkreises führte.

Und das, obwohl seine Startvoraussetzungen 1987 durchaus hätten besser sein können. Der Vorstand komplett zurückgetreten, der Förderkreis am Scheideweg – es waren keine reizvollen Rahmenbedingungen, die der damalige Bürgermeister der Kurstadt, Antonius Weber (CDU), anbieten konnte, als er Siepenkort die Übernahme des Vorsitzes antrug.

Da mochte es nicht überraschen, dass sich das „einfache“ Mitglied erst einmal ein wenig Bedenkzeit ausbat. Siepenkort: „Schließlich stand ich ja auch mitten im Berufsleben, war da stark gefordert.“

Warum der Prozess des Nachdenkens dennoch mit einem „Ja“ zum Vorsitz endete? Der jetzt scheidende Vereinschef nennt rückblickend mehrere Gründe: Die eigene Überzeugung, dass die Freundschaft und Verständigung zwischen Franzosen und Deutschen essenziell für Europa ist; das Gefühl, etwas für die Kurstadt und die Menschen, die dort leben, tun zu können, und letztlich auch das verbindende Element, sich gemeinsam mit seiner Frau Marie-Charlotte für etwas engagieren zu können.

Gemeinsamer Rückzug

„Als Französisch-Lehrerin war meine Frau schon vor mir im Förderkreis aktiv, hat Sprachkurse gegeben und zudem im Komitee mitgearbeitet. In den vergangenen 28 Jahren haben wir dann gemeinsam im Vorstand gearbeitet und gemeinsam werden wir uns auch am Freitagabend aus dem Vorstand verabschieden“, unterstreicht Siepenkort.

Dass der scheidende Vereinschef ganz locker und entspannt über seinen Rückzug aus der ersten Reihe reden kann, spricht für sich, den gut aufgestellten Verein und auch für die Nachfolgeregelung, die Siepenkort vor zwei Jahren angestoßen hat: „Bei der damaligen Jahreshauptversammlung hatte ich bereits meine letzte Kandidatur angekündigt und meinen Stellvertreter Wolfgang Riedel als potenziellen Nachfolger vorgeschlagen.“

Zwar könne und wolle er der Abstimmung am Freitagabend nicht vorgreifen. Froh wäre er aber doch, wenn die Mitglieder seinem Vorschlag folgen würden. Schließlich bringe Riedel alles mit, was es für die Führung des Vereins brauche. Siepenkort: „Wolfgang Riedel ist schon länger im Vorstand des Förderkreises dabei als ich, er kennt den Verein, kennt die Tradition, versteht sich aber zum Beispiel auch auf den Umgang mit den modernen Medien. Ich denke, dass der Förderkreis bei ihm in sehr guten Händen wäre.“ Bereit, den Staffelstab zu übernehmen, sei sein Vize auf jeden Fall. Das habe Riedel ihm zugesagt.

Zu tun gebe es für seinen Nachfolger im Amt, wer es am Ende auch werde, auf jeden Fall genug. Davon ist Siepenkort überzeugt. Zwar sei er froh und zufrieden, dass er einen Verein mit stabilen Mitgliederzahlen (circa 220) und engagierten Mitstreitern in einem gut funktionierenden Vorstandsteam samt Komitee übergeben könne. Wenn es darum gehe, den Verein fit für die weitere Zukunft zu machen, sei eine weitere Verjüngung von Vorstand und Mitgliedschaft aber ganz sicher erforderlich.

Wie sich junge Leute in einer globalisierten Welt, in der der Schulaustausch heute nach China oder in die USA geht, für die deutsch-französische Freundschaft gewinnen lassen, sei eine der Kernfragen, auf die die neue Führung Antworten finden müsse.

Und was machen die Eheleute Siepenkort, wenn denn die eigene Vorstandsarbeit nach 28 Jahren beendet ist. „Wir sind ja nicht aus der Welt“, gibt der langjährige Vorsitzende lachend die passende Antwort: „Natürlich bleiben wir dem Verein als Mitglieder erhalten. Wir freuen uns auch schon auf die nächsten Touren. Aber genauso froh sind wir auch, etwas aus dem Terminkorsett herauszukommen, in dem wir in den vergangenen 28 Jahren doch manchmal steckten.“

Auch interessant

Kommentare