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Nach 38 Jahren als Schwimmmeister: „Mister Freibad“ zieht nach Thailand

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Von: Esther Fuchs

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Schwimmmeister Achim Tretschok und seine Ehefrau Nongyao Suikaew stehen vor dem Schwimmerbecken im Freibad.
Schwimmmeister Achim Tretschok und seine Ehefrau Nongyao Suikaew stehen vor dem Schwimmerbecken im Freibad. © EFX

Nach 38 Jahren als Schwimmmeister in Königstein (Hochtaunuskreis) geht Achim Tretschok in den Ruhestand. Er und seine Frau kehren Deutschland den Rücken.

Königstein - Der Himmel ist wolkenverhangen, das Nichtschwimmerbecken bereits mit einer blauen Plane abgedeckt. Im Schwimmerbecken ziehen noch einige Gäste ihre Bahnen. Das mit Solarenergie beheizte Wasser habe immerhin noch 22,5 Grad, sagt Achim Tretschok und wirkt, als stünde nichts Außergewöhnliches an. Der Bademeister blickt über die Königsteiner Freibadanlage, die jahrzehntelang sein zweites Zuhause war. War? Ja. Denn Achim Tretschok beendet seine gut 38 Jahre währende Tätigkeit im Königsteiner Freibad, wo die Saison morgen ausläuft. Er geht in Ruhestand.

Wehmütig sei er nicht, sagt er, als die Taunus Zeitung ihn am gestrigen Morgen besucht. Alles habe seine Zeit, fügt er an. Zum Jahresende werden dann er und seine Ehefrau Nongyao Suikaew Deutschland den Rücken kehren und sich in die Ferne nach Thailand verabschieden. Der beliebte Bademeister hört mit dem Ende der 39. Badesaison auf. Den jungen Nachfolger, Robert Tews hat Tretschok in diesem Sommer eingearbeitet. Tews wird im nächsten Frühling die Tore im Woogtal aufschließen und künftig die Freibadsaison eröffnen.

Königstein (Hochtaunuskreis): Tretschok erhoffte sich leisen Abschied, ohne öffentliche Aufmerksamkeit

Achim Tretschok hingegen nimmt Abschied. Sein halbes Leben hat er in Königstein verbracht. Der Westfale kam als junger Mann 1976 in die Region. „Ich habe mich in zwei, drei größeren Städten für die Ausbildung beworben. Frankfurt wurde es dann“, erinnert sich der Mann, dessen Haare noch so blond wie eh und je sind. Im Taunus fand der Meister für Bäderbetriebe seine berufliche Erfüllung. „In den ersten 20 Jahre habe ich auch im Kurbad die Schwimmstunden der Schulen begleitet“, erzählt Tretschok. Im Freibad waren es ebenfalls unzählige Kinder, die das Schwimmen lernten. „Wenn Sie mich nach meinem schönsten Erlebnis fragen, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht!“, gibt sich Tretschok bescheiden. Eigentlich hatte er einen leisen Abschied erhofft ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Nun steht also eine Reporterin vor ihm und befragt ihn.

In seiner Zeit in Königstein lernte der Bademeister vor über 20 Jahren an der Schwimmbad-Kasse die Liebe seines Lebens kennen. Die Schwester seiner Frau Nongyao arbeitete im Freibad. Nongyao war zu Besuch, und es funkte. Seither half sie ihrem Gatten: Sie saß im Kassenhaus oder pflegte die Anlage, besonders die Blumenrabatten. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Nongyao Suikaew. Den Lebensabend in Thailand werde das Paar mit den beiden Hunden aber besonders wertschätzen. In Thailands ältestem Seebad Hua Hin möchten die beiden leben. Die Planungen für den Umzug laufen. Einen genauen Abreisetermin gebe es noch nicht, erklärt Tretschok. Das kleine weiße Haus mit dem Satteldach und den roten Klappläden am Schwimmbadeingang werde jedoch nach und nach ausgeräumt.

Schwimmmeister Tretschok in Königstein (Hochtaunuskreis): Wenn jemand in Not gerät, hilft er

Dem Ruhestand sieht Tretschok gelassen entgegen. Am Strand von Thailand werde er die Augen offenhalten, wenn jemand in Not gerät. Schließlich kann der Beruf nicht einfach abgeschüttelt werden, zumal Achim Tretschok aus einer Rettungsschwimmer-Familie kommt. „Wir waren alle im Schwimmverein. Wenn jemand in Strandnähe Hilfe braucht, bin ich zur Stelle“, sagt er. Den Job werde er nicht mehr aufnehmen. Die Burgstadt und die Menschen bleiben unvergessen. „Hier mache ich künftig Urlaub“, sagt der Bademeister schmunzelnd. Über 20 Jahre lebte Gattin Nongyao in Deutschland. Die Rückreise in die Heimat versprach ihr Tretschok schon vor einiger Zeit.

Was sagt Tretschoks oberster Chef? Bürgermeister Leonhard Helm: „Nahezu jedes Königsteiner Kind lernte bei Achim im Freibad das Schwimmen und machte stolz das Seepferdchen-Abzeichen. Mit großer Umsicht, Engagement und viel Herz betreute er große und kleine Gäste. Wir verlieren ein echtes Königsteiner Original.“ (Esther Fuchs)

Ein Besuch im Königsteiner Kurbads wird von Mai an um einen bis zwei Euro teurer. Wer schnell ist, kann sich noch eine Mehrfachkarte zum alten Tarif sichern.

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