Ein närrisch guter Partner

Narrenclub kürt HdB-Chef Kerber zum Woogbachwasser-Baabambeler

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Die Woogbachwasserbaabambeler haben einen neuen Ordensbruder in ihre Reihen aufgenommen. Roman Kerber, Hausherr im Haus der Begegnung (HdB), ist bereits der 14., den der heimische Narrenclub „Die Plasterschisser“ mit dieser besonderen Auszeichnung bedenkt und so die Verdienste des Trägers um die Königsteiner Fastnacht würdigt. Verdienste, die Kerber sich am liebsten hinter den Kulissen erwirbt.

Wenn am 11. Februar kommenden Jahres der Narrhalla-Marsch im großen Saal des Hauses der Begegnung (HdB) erklingt, der Elferrat einzieht und sich das Publikum zur ersten Schunkelrunde einhakt, ist Roman Kerber in seinem Element. Nein, nicht in den Zuschauerreihen und schon gar nicht auf der Bühne.

Die überlässt der 39-Jährige lieber den Resi-Dancers, den Königstänzern oder auch Protokoller Rudolf Krönke. Kerber ist schließlich kein Narr, weder im Sinne des Wortes noch im Sinne der Fastnacht. Er weiß, wo er hingehört und wo er sich wohlfühlt – hinter den Kulissen.

Da achtet der Geschäftsführer der HdB-Betriebsgesellschaft darauf, dass alles läuft und die Kurstadt-Fastnachter alles haben, was sie zum Feiern brauchen. So wie es ein guter Hausherr und Gastgeber nun mal tut. Genau dafür schätzen ihn die Verantwortlichen und Akteure des Königsteiner Narrenclubs „Die Plasterschisser“, und dafür wurde Kerber jetzt mit einer ganz besonderen Ehrung bedacht.

Zum Kampagnenauftakt am Freitagabend haben die „Plaschis“ ihm im Adelheidstift den Woogbachwasserbaabambeler-Orden (WbwbbO) verliehen. Eine Auszeichnung, die vom Gründervater der Königsteiner Fastnacht der Gegenwart, Heinz Eichhorn, einst ersonnen wurde, um Menschen zu ehren, die zwar nicht dem Verein angehören, sich aber dennoch um die Pflege der Kurstadt-Narretei verdient machen.

Auf Roman Kerber trifft das auf jeden Fall zu, da waren sich Plaschi-Chef Udo Weihe und seine Kollegen im Vorstand schnell einig. Der in Kronberg aufgewachsene und mittlerweile mit Frau und Kind in Schmitten beheimatete Familienvater führt seit 2012 Regie im Haus der Begegnung und hat sich in dieser Zeit nicht nur bei den Fastnachtern den Ruf erworben, ein verlässlicher und guter Partner der Vereine zu sein.

Bei allem Bemühen, den Saalbau auch für solvente Mieter von außen am Markt zu etablieren, weiß Kerber nur zu gut, dass er mit seinem kleinen, engagierten Team die „Gute Stube“ der Kurstadt bewirtschaftet.

Dass die zu bespielen, trotz finanzieller Unterstützung durch die Stadt, für die Plaschis wie für viele andere Vereine ein kostspieliges Vergnügen ist, daran erinnerte Sitzungspräsident Rainer Kowald am Freitagabend. Die Miete hoch, die Besucherzahlen längst nicht mehr auf den Topwerten der 1970er Jahre, als der Saal mit 800 Besuchern bis unters Dach ausverkauft war – die Plaschis müssen sich nach der Decke strecken, um die Kurstadt-Fastnacht am Laufen zu halten. Umso mehr hoffen der oberste „Komitäter“ und seine Mitstreiter darauf, dass im kommenden Jahr deutlich mehr Besucher den Weg zu den Plaschi-Veranstaltungen finden als in der abgelaufenen Kampagne.

Wenn er könnte, womöglich würde Ordensbruder Kerber den Plaschis, und nicht nur denen, die Halle für deren Veranstaltungen sogar kostenlos überlassen. Der studierte Event-Manager, dessen großer Traum es ist, einmal mit dem Rad die Alpen zu überqueren, muss jedoch selbst darauf achten, dass die Kasse stimmt.

Schließlich ist er nach der millionenschweren Sanierung des HdB samt Kostenexplosion „Herrscher von teuersten Mauern“. Was die Frau, die das am Freitagabend feststellte, keineswegs als Vorwurf verstanden wissen wollte. Im Gegenteil. Almut Boller, die als Ordensträgerin des Vorjahres die Ehre hatte, die Laudatio auf Kerber zu halten, weiß vielmehr, wovon sie spricht.

Immerhin war sie bis vor kurzem als Geschäftsführerin der Kur GmbH selbst noch Herrin über „teuerste Mauern“ und in dieser Position zudem Kerbers Kollegin. Für Boller war es der erste öffentliche Auftritt nach ihrer Schlagzeilen machenden Demission im Oktober.

Und diese Gelegenheit wollte sie genutzt wissen, die aufsehenerregenden Umstände ihrer Abberufung samt Polizeieinsatz noch einmal durch den närrischen Spiegel zu betrachten. Sehr frei nach der Sage der Nibelungen ließ sie des Nachts König Gunter mit Brünhilde um den Zugang zum Kur-Büro ringen, gefolgt von der eines Heldenepos würdigen Mahnung: „Und diese Komödie sei Dir eine Lehre, lass niemals besudeln Verstand oder Ehre.“

Ob ihr angehender Ordensbruder die allerdings an diesem Abend und in diesem Rahmen wirklich brauchte? Roman Kerber hätte vielleicht eine Vorwarnung bezüglich der Kerntemperatur des Woogbaches oder ein bis zwei Schöpfkellen vorgewärmten Kurbad-Wassers vorgezogen.

Denn noch stand der eigentliche Initiationsritus aus: Schuhe und Socken aus, und rein mit den Füßen in den Bottich mit dem kalten Wasser der Woog. Da mochte es nicht verwundern, dass der frischgebackene 14. Ordensträger seine Dankesworte kurz ausfallen ließ. Eines aber wollte er die Kurstadt-Fastnachter dann doch unbedingt wissen lassen: Er habe die Plaschis in den vergangenen vier Jahren als besonders liebenswürdige Narren kennen und schätzen gelernt, betonte Kerber und fügte schmunzelnd an: „Auch wenn sie manchmal etwas chaotisch sind.“

Übrigens: „Plasterschisser“ gibt es nicht nur in Königstein, sondern auch in Eppstein und einigen anderen Orten in Hessen. Heimathistoriker gehen davon aus, dass die Bauern aus der Umgebung mit dieser Bezeichnung die Bewohner reicher Kleinstädte bedachten, weil die den Leuten vom Land Pflasterzoll abknöpften, wenn sie mit ihren Fuhrwerken in die Stadt rollten.

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