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Die Königsteiner Fußgängerzone am Dienstag um die Mittagszeit: Es war schon mal mehr los.

Pläne zur Umgestaltung

Königstein: "Laufsteg"Initiatoren sehen Defizite bei Innenstadtgestaltung

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Ein neues Parkdeck unter dem Rosengärtchen, ein merklich aufgehübschtes Entrée zur Fußgängerzone und Busse, die nicht mehr die Fassaden der Pingler-Straße zuparken – die Magistrats-Pläne zur Umgestaltung der Innenstadt dürften eigentlich im Sinne der Einzelhändler sein. Sollte man zumindest meinen. Der doppelte Konjunktiv lässt bereits Gegenteiliges vermuten.

Ein zusätzliches Parkdeck, obwohl in der Tiefgarage unter der Stadtgalerie doch immer Stellplätze zu finden sind. Der Sinn hinter dieser Überlegung des Magistrats will sich Tina Blome und Elke Klautke nicht erschließen. Die beiden sind nicht etwa Kommunalpolitiker, denen die millionenschwere Investition Sorgen bereitet. Klautke und Blome sind Einzelhändler mit Geschäften in der Königsteiner Fußgängerzone. Und sie stehen mit ihren Zweifeln an der Notwendigkeit eines weiteren Parkdecks nicht alleine da.

„Die Zahl der Parkplätze ist das geringste Problem, das wir haben. Es gibt doch eigentlich genug in der Innenstadt. Das sehen wir alle vom ,Laufsteg’ so“, unterstreicht Tina Blome. Der „Laufsteg“ – darunter firmieren derzeit zehn Gewerbetreibende, die sich zusammengetan haben, um das Leben und damit letztlich auch den Umsatz in der Fußgängerzone anzuschieben. Denn das tue mehr denn je not, wie die beiden Ladeninhaberinnen betonen: „So schlecht, wie in den vergangenen Monaten lief das Geschäft noch nie.“

Hees-Abschied tut weh

Warum? Abgesehen vom grundsätzlichen Problem des Einzelhandels, das immer mehr Kunden bei den Online-Versandriesen einkaufen, haben Klautke, Blome und Kollegen auch Königstein spezifische Faktoren ausgemacht, die die Flaute verschärfen. Ein Problem: der Branchenmix in der Innenstadt. „Der stimmt einfach nicht mehr“, betont Elke Klautke. Zwar sei der Leerstand gegenüber anderen Städten überschaubar. Makler oder Galerien seien aber eben nicht die Frequenzbringer, die im Endeffekt auch die Laufkundschaft für andere Geschäfte anziehen.

Blome: „Uns fehlt ein Metzger und auch ein Bäcker wie Emil Hees, für dessen Brot die Kunden auch aus den Nachbarorten gekommen sind und gleich noch weitere Einkäufe erledigt haben.“ Seit Hees seine Bäckerei in der Kirchgasse geschlossen habe, seien auch in vielen anderen Geschäften die Umsätze zurückgegangen.

Ein zusätzlicher Schlag ins Kontor sei das gewesen, unterstreicht Elke Klautke, nachdem schon die baubedingte Sperrung der Klosterstraße im Spätherbst 2017 den Einzelhändlern extrem wehgetan habe: „Das Weihnachtsgeschäft war da weg. Und was noch viel schlimmer ist: Die Kunden, die wegen der Umleitung weggeblieben sind, die sind in der Regel komplett verloren, die kommen nicht mehr zurück.“

Handel nicht einbezogen

Mit entsprechendem Magengrimmen schauen die beiden Händlerinnen auf die Entwürfe zur Innenstadt-Neugestaltung. In der Klosterstraße der mögliche Bau des Parkdecks, dazu die geplante Umgestaltung von Pingler- und Hauptstraße – die damit verbundenen Baustellen könnten einigen Geschäften den Rest geben, meinen Klautke und Blome. Erschwerend hinzu komme aus Sicht der Laufsteg-Mitglieder die beabsichtigte Schließung des Kleinen Parkplatzes und die Wegnahme der Schrägparker in der Pingler-Straße. Klautke: „Für die Reinigung gegenüber könnte das zu einem besonders großen Problem werden. Wer trägt denn den Wäschekorb vom geplanten Parkdeck bis zur Pingler-Straße?“

Das alles und noch einiges mehr hätten die Gewerbetreibenden auch gerne Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und den versammelten Kommunalpolitikern mit auf den Weg gegeben, als auf Einladung der CDU die Pläne zur Innenstadtgestaltung öffentlich vorgestellt wurden. Aber nicht an einem Samstagvormittag. Blome: „Da müssen wir im Geschäft sein und schauen, dass etwas Geld in die Kasse kommt, um am Ende nicht zuletzt unsere Mieten und auch die Gewerbesteuer zu bezahlen.“ Die nämlich, so Elke Klautke, werde von der Stadt gerne genommen. Auch wenn die Gegenleistung stark zu wünschen übrig lasse (siehe unten). Eine Meinung, die sie nicht exklusiv habe, sondern mit einigen Einzelhändlern teile.

Für Tina Blome sind die aktuellen Überlegungen zur Innenstadtgestaltung da ein sehr gutes Beispiel: „Der Einzelhandel wurde doch überhaupt nicht einbezogen. Niemand vom Magistrat hat mal mit uns gesprochen.“ Dabei seien es doch gerade auch die Geschäfte, deren Wohl und Wehe von den Entscheidungen der Politik abhängig seien.

„Vielleicht sollten wir alle mal für einen Tag unsere Läden schließen und die Schaufenster abhängen, damit man uns wahrnimmt“, sinniert Blome.

Aber letztlich würden sich die Ladeninhaber damit nur ins eigene Fleisch schneiden. Ein Tag ohne Aussicht auf Umsatz – das könne sich derzeit niemand leisten, betonen die beiden Frauen.

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