Ein übervoller Mülleimer mit diversen Kaffeebechern verdeutlicht die Notwendigkeit, auf Alternativen zu setzen.
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Ein übervoller Mülleimer mit diversen Kaffeebechern verdeutlicht die Notwendigkeit, auf Alternativen zu setzen.

Kampf dem Müll

Pfandsystem gegen Becher-Berge für Königstein

  • Stefan Jung
    VonStefan Jung
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Die ALK und die CDU wollen eine Einführung in der Kurstadt prüfen lassen.

Königstein -Ein ganz klassischer, schwarzer Kaffee von der Tanke oder auch ein lactosefreier "Decalf"-Moccacino aus dem stylischen Coffee-Shop gehören heute für viele Bundesbürger zum Start in den Tag. Die Heißgetränke wärmen auf, machen wach, aber auch eine ganze Menge Müll.

Stündlich, so ist es einer Statistik des Bundesumweltministeriums zu entnehmen, werden in Deutschland rund 320 000 Einweg-Becher für Heißgetränke verbraucht, hiervon sind bis zu 140 000 Becher "To-go". Pro Jahr sind das fast drei Milliarden Einwegbecher. Hinzu kommen rund 1,3 Milliarden Deckel.

Diesen Müllberg abzutragen, hat sich die EU zum Ziel gesetzt und daher verpflichtend festgeschrieben, dass Gastronomiebetriebe europaweit ab Januar 2023 Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anbieten müssen.

Den Stichtag im Blick machen sich ALK und CDU gemeinsam dafür stark, in der Kurstadt ein einheitliches Pfandsystem für Mehrwegbecher wie auch -schalen zu installieren.

Hierzu werden die beiden Bündnispartner in der laufenden Sitzungsrunde der städtischen Gremien einen Prüfantrag einbringen. Das haben Aktionsgemeinschaft und Union jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung angekündigt.

"Mit einem einheitlichen Pfandsystem ist ein problemloser Kreislauf unter den verschiedenen gastronomischen Einrichtungen möglich", unterstreicht Markus Klein, der die ALK im Bau- und Umweltausschuss vertritt. Seine Ausschuss-Kollegin von der CDU, Helen Dawson, ergänzt, dass auch die Möglichkeit der Nutzung des Mehrwegsystems bei öffentlichen Veranstaltungen geprüft werden solle. Dawson: "Wir wollen wissen, wie groß das Potenzial eines Mehrwegsystems für Königstein ist und ob auch weitere Beteiligte - wie Schulen oder Vereine - hiervon profitieren können."

Dass man in beiden Lagern dringenden Handlungsbedarf sieht, begründen die Akteure nicht nur mit dem näher rückenden Stichtag, sondern auch mit dem immer weiter anwachsenden Griff zur Einweg-Verpackung.

Gerade die Pandemie habe auch in Königstein den Liefer- und Abholservice als zusätzliches Geschäftsmodell etabliert. Viele Gastronomiebetriebe nähmen bereits mitgebrachte Behälter der Kundschaft und füllten diese mit den bestellten Speisen oder lieferten in einer nachhaltigen Einwegverpackung. Um das Ganze zu vereinheitlichen und letztlich auch effizienter zu gestalten, könnte das Mehrweg-Pfandsystem hilfreich sein.

"Mit einer Mehrweglösung für Königstein werden Ressourcen gespart und das Abfallaufkommen reduziert", davon sind die Antragsteller überzeugt.

Beispiele, wie ein solches System aussehen könnte, gebe es schon einige. Vor allem für wiederverwendbare Kaffee-To-Go-Becher hätten sich bereits einige Systeme etabliert. In vielen größeren Städten gebe es Cafés, die Konzepte wie "Recup" oder "Faircup" nutzen.

Frankfurt als Großstadt habe sogar ein stadtweites Mehrwegbecherpfandsystem entwickelt, das der Gastronomie angeboten werde. Großbetriebe wie Alnatura und auch die Tankstellenkette ARAL nutzten schon heute das System "Recup" in all ihren Filialen und vielen Tankstellen. Zur Mitnahme von Speisen würden bislang in geringem Maße Mehrwegverpackungssysteme oder Mehrwegverpackungen mit Pfand angeboten. sj

Mehr statt Einweg

Bereits seit dem 3. Juli dieses Jahres dürfen EU-weit Einwegbesteck und -geschirr sowie Trinkhalme und Rührstäbe aus Plastik nicht mehr produziert werden. Gleiches gilt für To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor. Der Handel darf vorhandene Ware allerdings noch abverkaufen. So ist es der Homepage der Bundesregierung zu entnehmen.

Verboten werden zudem Wegwerfteller, -becher oder -besteck aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Das Gleiche gilt für Einwegteller und -schalen aus Pappe, die nur zu einem geringen Teil aus Kunststoff bestehen oder mit Kunststoff überzogen sind.

Alle anderen Getränkebecher, darunter auch der Coffee-To-Go-Becher aus Papier mit Kunststoffbeschichtungen, daraus weist unter anderem der Nabu hin, bleiben weiterhin erlaubt. Ab 2023 werden allerdings Caterer, Lieferdienste und Restaurants verpflichtet, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten.

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