Die Schneidhainer Kerb muss zwar 2020 ausfallen. Oliver Ernst, Christine Grafe-Vidakovich und Jens Werner (von links) lassen sich aber nicht entmutigen, sondern zeigen ihr druckfrisches, neues Banner, das auf den HBV aufmerksam machen soll.
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Die Schneidhainer Kerb muss zwar 2020 ausfallen. Oliver Ernst, Christine Grafe-Vidakovich und Jens Werner (von links) lassen sich aber nicht entmutigen, sondern zeigen ihr druckfrisches, neues Banner, das auf den HBV aufmerksam machen soll.

Corona und die Folgen

Schneidhain: Letzte Hoffnung für die Kerb ist dahin

  • vonEsther Fuchs
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Logisch, aber schmerzhaft: HBV sagt Kirchweih im Stadtteil für 2020 ab. Der Blick geht voraus auf den Johannistag 2021.

Schneidhain. "#MirBleibeDehaam...damit wir gemeinsam unsere Kerb feiern können" - die Botschaft, die der Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) in den vergangenen Wochen via Werbebanner an alle Mit-Schneidhainer aussandte, war klar und noch von Hoffnung getragen. Allein, auch das kollektive "Dehaam-Bleibe" hat am Ende nichts gebracht. Der HBV musste jetzt doch seine vom 26. bis 29. Juni geplante Stadtteil-Kerb absagen.

Letztlich war es dann nur noch eine Formsache, nachdem das Land alle Großveranstaltungen - Corona-bedingt - bis zum 31. August verboten hatte. Weh tut den Schneidhainern das Aus für ihre Kerb in diesem Jahr aber schon. Schließlich ist sie einer der Fixpunkte im örtlichen Veranstaltungskalender. Ganz davon abgesehen, dass die dahinterstehende Kirchweih am Johannistag eine lange Tradition hat. Die Schneidhainer Johanniskirche wurde schriftlich erstmals im Jahr 1215 erwähnt.

"Wir hatten insgeheim immer noch gehofft, irgendwie feiern zu können", erklärt Christine Grafe-Vidakovich, die Vorsitzende des HBV. Aber die geltenden Verordnungen machten es am Ende unmöglich. "Als logische Konsequenz muss nun auch unser Fest ausfallen", ergänzt Oliver Ernst, der stellvertretende HBV-Vorsitzende.

Um das auch optisch sichtbar zu machen, haben die Verantwortlichen des Vereins jetzt das Werbebanner am Kuckuckstreff ausgetauscht.

"Das kann natürlich nicht mehr hängen bleiben", unterstreicht die Vorsitzende, während sie mit ihren Vorstandskollegen Jens Werner und Oliver Ernst die Kabelbinder löst und das Banner abnimmt.

Zum Glück habe man in Schneidhain ein gut funktionierendes Netzwerk aus Organisatoren und Helfern. Dafür sei man sehr dankbar, so die Vorsitzende. Denn die Absage der Kerb konnte so schnell und unbürokratisch erfolgen.

Man telefonierte mit der Schaustellerfamilie Kula und Sohn. Die Familie betreibt seit vielen Jahren den Auto-Scooter sowie andere Buden auf dem Festplatz vor der Heinrich-Dorn-Halle. Und die Kulas wollen auch 2021 wieder mit von der Partie sein. Auch die von den Vereinsmitgliedern in Eigenregie betriebene Biergondel wurde abbestellt.

Die 14 Kerbeburschen und -mädchen haben die fertiggestellte Kerbefahne eingemottet. "Der Schlagges für den Kerbebaum war in Vorbereitung und schon fast fertigt. Er wird jetzt nächstes Jahr fertiggestellt", erklärt Kerbeborsch Moritz Grafe.

Unterkriegen lassen sich die HBV-Mitglieder nicht, und die Lust am Leben in der Stadtteil-Gemeinschaft kann ihnen auch Corona nicht nehmen.

Zumal der Verein für alle großen Veranstaltungen im Stadtteil verantwortlich ist. Im November findet regelmäßig ein St. Martinsumzug mit Martinsfeuer statt. Im Dezember stimmt der Hüttenzauber am Kuckuckstreff die Besucher auf Weihnachten ein. Noch im Februar hatte man die Stadtteil-Fastnacht gefeiert. Die Kampagne verlief noch sorglos. "Die Halle war voll. Keiner hätte gedacht, dass sich alles so entwickeln würde", sagt Christine Grafe-Vidakovich.

"Die Kerb fiel, soweit ich weiß, noch nie aus. Die Fastnacht ja. Die musste zwei Mal abgesagt werden. Ein Mal 1991 während des Golfkriegs und dann während der Hallensanierung", wirft Jens Werner ein.

Der Wegfall der Kerb, die über die vier Tage bis zu 2000 Besucher ins Festzelt an der Grundschule zieht, schmerze den Verein. Dabei denkt man weniger an Einnahmeausfälle, sondern vielmehr an das fehlende Miteinander.

"Wir freuen uns deshalb umso mehr auf nächstes Jahr. Der Termin steht ja bereits", gibt sich Oliver Ernst positiv und verweist auf das Datum für 2021: "Freitag, 25. bis einschließlich Montag, 28. Juni."

Ein Gottesdienst werde dann wieder die Kerb eröffnen. Die eigentlich in diesem Jahr gebuchte Band habe den Auftritt für 2021 ebenfalls bereits zugesagt. "Der Frühschoppen wird wie immer am Sonntag stattfinden. Am Montag ist dann After-Work-Party, bevor die Kerb abends beerdigt wird", erklärt Oliver Ernst.

"Vielleicht melden sich bis nächstes Jahr auch noch ein paar junge Leute, die bei den Kerbeborsch mitmachen wollen", wirbt Moritz Grafe um Unterstützung. Ganz klar: Beim HBV schaut man nach vorne. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir halten zusammen in guten wie in schlechten Zeiten", resümiert Grafe-Vidakovich. Das soll auch das neue Banner unterstreichen, das jetzt am Kuckuckstreff hängt.

Esther Fuchs

Weitere Informationen

Wer dem HBV beitreten möchte, kann sich über die Mitgliedschaft im Internet unter www.hbv-schneidhain.de informieren. Die finanziellen Mittel von Vereinen sind meist begrenzt. Unvorhergesehene Ereignisse schmerzen. Wer die Arbeit des HBV finanziell unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Die Bankverbindung des Vereins bei der Taunus Sparkasse lautet DE21 5125 0000 0013 3118 46.

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